Fast jeder dritte Arbeitsvertrag in Dachau befristet

Dachau, die Wohlstandsinsel. Ein Hort der Glückseeligkeit im Speckgürtel von München. Von wegen! Zwar ist hier die Arbeitslosenquote mit 2,1% (BA Februar 2019 ¹) gering. Aber was es für eine Arbeit ist und welche Art der Beschäftigung, davon war bisher wenig zu hören. Bis jetzt.
Nach einer in der Lokalpresse veröffentlichten Untersuchung des DGB ist nahezu jede dritte Stelle in Dachau und Landkreis befristet. Besonders betroffen sind mit 42, 9% Menschen unter 25 Jahren. In Hilfsberufsgruppen sind es fast die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse (46,3%). Und vor allem Frauen sind überdurchschnittlich durch Befristungen benachteiligt (35,6%). Auch das ist nicht verwunderlich.

Eine WSI Studie vom Juni 2019² spricht von atypischer Beschäftigung. Gemeint sind befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit und geringfügig Beschäftigte. Hier zeigt sich, dass Frauen bereits 2017 in allen Altersklassen weit mehr als Männer von eben dieser atypischen Lohnarbeit betroffen sind. In manchen Altersklassen sogar weit mehr als doppelt so viele, wie bei Männern.
Auch die Herkunft spielt eine Rolle. Menschen aus Nicht EU-Ländern haben zu 35,3%% diese Arbeitsverhältnisse. Auch hier liegt der Frauenanteil mit 48,5% doppelt so hoch.
Was bedeutet das? Befristungen dienen als Knebel. Wer Rechte geltend machen möchte für sich oder mehrere Kolleg_innen, wird es sich zweimal überlegen, wenn man auf den Job angewiesen ist und um eine Verlängerung bangen muss. Das zieht durchaus weitere Kreise. Gerade in Dachau ist es aufgrund der unglaublichen Mietpreise schon fast unmöglich eine Wohnung zu finden. Das Ganze wird gänzlich zur Unmöglichkeit, wenn man einen befristeten Arbeitsvertrag hat. Dauerhaft können sich hier nur Besserverdienende gelassen zurück lehnen. Jüngere, Frauen, Migrant_innen und gering Verdienende generell sind die Verlierer dieser Stadt.

¹ https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/freising/content/1533720329177
² https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_pb_34_2019.pdf