Chronik 2005

Im Kiosk des Bahnhofs in Dachau werden seit Jahren die rechtsextremen Zeitungen „Junge Freiheit“ und „Deutsche National Zeitung“ und wieder die „Deutsche Stimme“ verkauft. Auf Nachfragen geben sich Kioskbesitzer_innen stets desinteressiert. (Quelle: Antifa)

Am 29. April veranstalteten Antifaschist_innen am „Widerstandsplatz“ in der Altstadt eine Mahnwache, um der 60- jährigen Befreiung des Dachauer Konzentrationslagers zu gedenken. Die Polizei hatte nichts Besseres zu tun als die Anwesenden und v.a. die Versammlungsleiter_innen zu schikanieren und drohte, ohne vorliegenden triftigen Grund, die ganze Veranstaltung aufzulösen. Bei Passant_inne stieß die Aktion auf mäßiges Interesse. Die einzigen, die noch ein wirkliches Interesse zeigten waren, zufällig vorbeikommende Gruppe ehemaliger Häftlinge, die sich freuten, dass es „so etwas hier gibt“. Sie ließen sich zusammen mit den Antifaschist_innen fotografieren und rieten ihnen niemals aufzugeben! (Quelle: Antifa)

Die offiziellen Gedenkfeiern fanden am 1. Mai auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte statt, mit allerlei Politprominenz (Ude, Stoiber, Kirchenvertreter_innen). Unter dem Schutz des für sein brutales Vorgehen bekannten Unterstützungskommandos USK wurden die Teilnehmer_nnen dazu aufgefordert Toleranz gegenüber anders denkenden zu zeigen. Als eine Gruppe von Jugendlichen eigene Flugblätter verteilte und ein antifaschistisches Transparent entrollte, wurden sie von der Polizei, speziell dem USK (stationiert in den ehemaligen Häusern der SS neben dem KZ-Gelände) sofort körperlich angegriffen! Ein dunkelhäutiger Jugendlicher bekam, als er seinen Unmut darüber bekundete, von einem USK-Polizisten die Antwort: „Hüpf doch weiter von Baum zu Baum.“ (Quelle: Antifa)

Im Wahlkampf plakatierte die neonazistische NPD in Dachau flächendeckend Werbung u.a. mit der Aufschrift: „Arbeit für Deutsche“. Allerdings überlebten diese alle nicht lange! (Quelle: Antifa)

Am 9. August trat der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) auf dem Dachauer Volksfest als Redner auf. Ein paar linke Jugendliche, die den Ausführungen lauschen wollten, wurden erst mal von der Polizei umringt. Der Saalschutz gab auch noch den Hinweis bloß keinen Ärger zu machen. Die Rede im Bierzelt war neben verbalen Hieben auf alle erdenklichen linken Politiker immer wieder gespickt mit Phrasen übers „Vaterland“. Da konnte er sich eines Applauses der 1000 Anwesenden sicher sein. Als sich dann bei der abschließenden Deutschland-Hymne diese 1000 Anwesenden von ihren Plätzen erhoben und lauthals mit sangen, blieben die Jugendlichen als einzige demonstrativ sitzen und schrien: Buuh! Natürlich wurden sie gebeten das zu unterlassen, jedoch ohne Erfolg, allerdings, wenn 1000 Blicke töten könnten/dürften. (Quelle: Antifa)

Ungefähr eine Woche später wurden am Stadtweiher drei Obdachlose von Rechtsextremen mit Holzknüppeln angegriffen und dabei erheblich verletzt. (Quelle: Antifa)

Am 24. August wurde ein Punk auf der Höhe des Freibad-Geländes aus einem fahrenden Auto als „Scheiß Zecke“ beschimpft. Daraufhin hielt das Fahrzeug, ein schwarzer Golf mit Fürstenfeldbrucker Kennzeichen, an. Drei Boneheads stiegen aus und schlugen, traten auf das überraschte Opfer ein. Das Ganze ereignete sich am hellichten Tag um 18 Uhr nachmittags. Keine_r der Passant_nnen kam zur Hilfe. (Quelle: Antifa)

Der geschichtsrevisionistische, rechte „Bund der Heimatvertriebenen“ veranstaltete am 4. September im „Ludwig Thoma-Haus“ einen „Tag der Heimat“. Dort wurde unter den Augen der Stadtprominenz gegen die „Vertreiberstaaten“ Polen und Tschechien gewettert. Die Wehrmacht wurde als „unsere tapferen Soldaten“ bezeichnet. Blasius Thätter, Mitglied des bayerischen Landtages (CSU), verharmloste in seiner Rede den Nazifaschismus als „unselige Zeit, für die das deutsche Volk büßen musste“. Landrat Hans Jörg Christmann (CSU) ließ in seiner Rede die Jahre 1933-45 einfach komplett aus. (Quelle: Dachauer SZ)

Am 19. Oktober fand eine als „integrative Stadtentwicklung“ getarnte Hurra-Standort-Marketing Veranstaltung mit allen, die in Dachau Rang und Namen haben, oder sich denen zugehörig fühlen, statt. Dort sollte, jedenfalls laut Einladung, jede_r Bürger_in ihre_seine Stimme für am Herzen liegende Anliegen abgeben können. Der von der Stadt engagierte Moderator brachte zum Anfang gleich einen Spruch bezüglich der im statistischen Vergleich niedrigeren Anzahl an Sozialhifeempfänger_innen im Landkreis Fürstenfeldbruck. Er fragte in die Runde: „Gibt´s da vielleicht weniger Aussiedlerheime?“ Ein billiger, geschmackloser Witz, der aber die Stimmung wie beabsichtigt lockerte. Am offenen Mikro forderte eine Gruppe Jugendlicher ein selbstverwaltetes JUZ. Danach gab´s keinen Applaus, sondern es wurde schnell das Thema gewechselt. Frustriert verlangten die Jugendlichen noch einmal das Mikro und wiesen darauf hin, dass sich im „Roxy“, der Kneipe gleich nebenan sich regelmäßig rechte und rechtsextreme Jugendliche treffen können und, dass sie einen Ort benötigten, wo sie Rechten den Zutritt verwehren könnten. Der Moderator erwiderte daraufhin, man solle schon toleranter sein. was ihm einen gehörigen Applaus einbrachte. (Quelle: Antifa)