Chronik rechter Aktivitäten 2018 in Dachau und Umgebung

Januar

Am 14. Januar nehmen drei Künstler an einer englischsprachigen Führung durch die KZ Gedenkstätte teil. Der Guide bewertet die Grenzschließung der Schweiz im zweiten Weltkrieg als positiv und vergleicht dies mit der heutigen Situation. Er fordert die Grenzschließung Deutschlands und warnt vor einer „Übervölkerung“ durch „Ausländer“. (Quelle: Antifa)

Nach einer Meldung der Presse vom 15. Januar verliert Florian Jäger (Olching) den Bezirksvorsitz der AfD Oberbayern an Franz Bergmüller (Feldkirchen-Westerham). Anfang 2016 wurde in Bergmüllers „Landgasthof Bergmüller“ die „Ortsgruppe Mangfalltal“ der völkisch rassistischen „Identitären Bewegung“ gegründet. (Quelle: SZ Bayern, Antifa)

Am 20. Januar gibt die völkisch rassistische „Identitäre Bewegung“ (IB) per Facebook bekannt, am Vortag in Fürstenfeldbruck eine Ortsgruppe gegründet zu haben. Geleitet wird das als Gründungsstammtisch deklarierte Treffen vom IB Regionalleiter Philipp Mosig (München). Neben dem Ortsgruppenleiter der IB Mangfalltal Florian Sch. (Feldkirchen-Westerham) nehmen auch weitere externe Aktivist_innen aus Bayern teil. Die Veranstaltung findet in Räumlichkeiten des TuS Fürstenfeldbruck statt. (Quelle: Antifa)

In den Lokalmedien erscheint daraufhin eine kritische Berichterstattung. Philipp Mosig beklagt in einer auf Facebook veröffentlichten Erklärung den Versuch „Stimmung gegen unbescholtene Patrioten zu machen.“ (Quelle: Antifa, SZ Fürstenfeldbruck)

Als auch die SPD Fürstenfeldbruck die Gründung der extrem rechten Gruppe thematisiert, reibt sich die IB Bayern in einigen Polemiken daran und wirft der SPD am 26. Januar in einer auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten Erklärung vor, Deutschland abschaffen zu wollen. (Quelle: Antifa)

Nach dem Mord an einer 15-jährigen im pfälzischen Kandel, mutmaßlich begangen durch einen Geflüchteten, formiert sich unter der Schirmherrschaft der baden-württembergischen AfD Landtagsabgeordneten Christina Baum ein extrem rechtes Netzwerk. Zu den Kandel Demonstrationen können mehrere Tausend Teilnehmende aus sämtlichen Spektren der extremen Rechten mobilisiert werden. Es kommt zu Übergriffen von Neonazi Hooligans auf Gegendemonstrant_innen.
Die ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon (Germering) hält dort auf einer Demonstration am 28. Januar einen Redebeitrag. Amon wird dem völkischen „Flügel“ innerhalb der AfD zugerechnet, trat aber im Zuge eines beruflichen Skandals (siehe Chronik 2017 April) im April 2017 vom Kreisvorsitz zurück und seitdem auch nicht mehr für die AfD öffentlich in Erscheinung. Dafür ist sie ab diesem Zeitpunkt bundesweit als Rednerin auf extrem rechten Veranstaltungen unterwegs. (Quelle: Antifa, Kandel gegen rechts)

Am 30. Januar meldet die IB Bayern, vor dem Büro der SPD Fürstenfeldbruck Flyer verteilt zu haben. Dazu wird ein Foto veröffentlicht, das Philipp Mosig und zwei weitere Aktivisten mit riesigen Flyer-Stapeln vor dem SPD Schild zeigt. (Quelle: Antifa)

Februar

Die AfD Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) Dachau-Fürstenfeldbruck hält am 9. Februar einen Stammtisch in Dachau ab. Den Ort gibt die JA nicht bekannt, denn „nach den Erfahrungen des letzten Stammtisches können wir zum Schutz unserer Gäste und der Lokalität den Veranstaltungsort nicht mehr veröffentlichen.“ Zuletzt fand ein JA Stammtisch im Hotel Fischer am Dachauer Bahnhof statt, siehe Chronik 2017 November. (Quelle: Antifa)

Am 15. Februar findet ein Stammtisch des AfD Ortsverband Dachau im Augustenfelder Hof in der Schleißheimer Straße statt. (Quelle: Antifa)

Am 22. Februar findet in Harners Wirtshaus in Sixnitgern eine Veranstaltung des AfD Ortsverband Odelzhausen statt. Referent ist der rechte Autor und Verleger Peter Haisenko, welcher diverse verschwörungstheoretische Schriften verfasst hat, z.B. „Ist Deutschland ein souveräner Staat?“. Geleitet wird die Veranstaltung vom Ortsvorsitzenden Timo Schmidt und dem Pressesprecher des AfD Ortsverband Dachau Karl Hermann Behrens. Es nehmen über 50 Gäste teil. (Quelle: Antifa)

März

Die ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon nimmt am 3. März an einer rassistischen Demonstration in Kandel teil. (Quelle: Antifa)

AfD Veranstaltung am 8. März im Daxerhof in Olching mit dem bayerischen AfD-Landesgruppenchef im Bundestag, Rainer Kraft, zum Thema „Oppositionsarbeit im Deutschen Bundestag“. Kraft gehört laut eigener Aussage dem parteiinternen völkischen Zusammenschluss „Der Flügel“ an. Gegenüber dem Münchner Merkur erklärt er, im Februar auf seine Sympathien für die rassistische „Identitäre Bewegung“ (IB) angesprochen, er befinde die Aktionen der IB als „kreativ, intelligent und gewaltfrei.“ Moderiert wird die Veranstaltung von Florian Jäger (Olching). (Quelle: Antifa, Münchner Merkur 20.02.)

Die Neonazipartei „Der Dritte Weg“ klebt in Ober- und Unterschleißheim am Wochenende des 16./17. März Plakate für ihren 1. Mai Aufmarsch in Chemnitz. Des weiteren behaupten die Neonazis, sie hätten mehrere Hundert Flyer verteilt. (Quelle: Antifa)

Die ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon hält am 17. März einen Redebeitrag auf einer Demonstration der extrem rechten Gruppierung „Zukunft Heimat“ in Cottbus.
Seit Jaunar 2018 gehört sie der strömungsübergreifenden extrem rechten Gruppierung „Kandel ist überall“ an. Amon wird in Cottbus auch als „Linda aus Kandel“ vorgestellt. „Kandel ist überall“ organisiert rassistische Demonstrationen im deutschsprachigen Raum, auf welchen Geflüchtete und Migrant_innen pauschal als Vergewaltiger und Gewalttäter dargestellt werden. Unter den Teilnehmenden der Demonstrationen befinden sich sämtliche Schattierungen der extremen Rechten. Auch kam es dort bereits mehrfach zu Übergriffen durch Neonazis.
Ähnlich verhält es sich mit „Zukunft Heimat“ aus Cottbus. Die treibenden Kräfte dahinter sind AfD Aktivist_innen, unterstützt von der neurechten Vernetzungsinitiative „Ein Prozent“. Als Redner_innen treten Vertreter_innen von AfD, Pegida, „Identitäre Bewegung“ und „Ein Prozent“ auf. Führende Figuren pflegen Kontakt zu Neonazis. Die Cottbusser Neonazi-Szene nimmt regelmäßig ungehindert teil. Aus den Aufmärschen heraus kam es mehrfach zu rassistischen Übergriffen. (Quelle: Antifa, Antifaschistisches Infoblatt Nr.118 April 2018)

Der AfD Ortsverein Dachau kündigt für den 21. März eine Veranstaltung im Ludwig-Thoma-Haus mit dem Chefredakteur des „Deutschland Kurier“, David Bendels, an. Er soll zum Thema „AfD – die neue Volkspartei“ referieren. Das ehemalige CSU Mitglied Bendels steht außerdem dem „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“ vor, welcher die AfD mit Millionenbeträgen mittels Zeitungen und Werbeplakaten flächendeckend unterstützt. Als Bendels kurzfristig absagt, springt für ihn erneut der rechte Autor Peter Haisenko ein. Die AfD schreibt in einem Bericht, die Kernaussage Haisenkos sei die Forderung, dass mit dem „Schuldkult, der in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg gepflegt“ werde Schluss sein müsse. Der AfD Ortsvorsitzende Christoph Steier hält eine Begrüßungsrede. Die Veranstaltung wird wie gewohnt vom Pressesprecher Karl-Hermann Behrens moderiert. Einige linke und alternative Jugendliche, die den Vorträgen zuhören, erregen das Missfallen von AfD Anhänger_innen. Sie werden daraufhin von der Veranstaltung ausgeschlossen. (Quelle: Antifa)

Am 23. März werden Aufkleber der „Identitären“ in der Münchner Straße, Brunngartenstraße und Schleißheimer Straße geklebt. (Quelle: Antifa)

AfD Stammtisch am 26. März im Daxerhof in Olching. (Quelle: Antifa)

„Identitäre“ Aufkleber am 30. März am Dachauer Bahnhof mit der Aufschrift „Linke Schläger demaskieren.“ (Quelle: Antifa)

April

Stammtisch der „Jungen Alternative“ (JA) Dachau-Fürstenfeldbruck am 5. April im Hotel Fischer am Dachauer Bahnhof. Erneut wird der Veranstaltungsort nicht bekannt gegeben, die Einladung erst am 2. April veröffentlicht. Es nehmen lediglich drei Personen teil, darunter das Mitglied im JA Landesvorstand Oliver Raatz. (Quelle: Antifa)

Linda Amon (Germering), ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck, hält am 14. April eine Rede auf einer Kundgebung des rassistischen Bündnisses „Kandel ist überall“ in Wien. (Quelle: Antifa)

Am 18. April demonstrieren 150-200 Geflüchtete in Fürstenfeldbruck gegen die dort vorherrschenden Lebensbedingungen in der so genannten Erstaufnahmeeinrichtung mit 1000 Menschen. Anlass ist u.a. die Streichung von Taschengeldern seit Jahresanfang, was vom Landratsamt bestätigt wird. Auch die Security wird beschuldigt, sie mache „uns jeden Tag fertig.“ Vor allem Kinder leiden unter den Bedingungen. Die Spontandemonstration zieht zum Rathaus, dort wird eine Kreuzung kurzzeitig blockiert. Die Polizei rückt mit behelmten USK Einheiten und Hunden an. Dabei kommt es zu Rangeleien. Im Lokalteil des Münchner Merkur wird der AfD Landtagskandidatin Edeltraud Schwarz eine Plattform geboten. Sie urteilt, Aktionen dieser Art seien „geeignet die Stabilität des gesellschaftlichen Lebens nachhaltig zu schädigen.“ Sie fordert Inhaftierung und Abschiebung von Geflüchteten. (Quelle: Fürstenfeldbrucker Tagblatt)

Neonazis des „Stützpunkt München-Oberbayern“ des „Dritten Weg“ behaupten am Abend nach der Protestaktion Flugblätter in Fürstenfeldbruck in der Umgebung des Rathauses und der Massenunterkunft verteilt zu haben. Ein beigefügtes Foto zeigt den Aktivisten Stefan Sch. (Puchheim), sowie den „Stützpunktleiter“ Karl Heinz Statzberger (Oberschleißheim). (Quelle: Antifa)

Der AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck teilt den Merkur Artikel auf Facebook. Neben den üblichen Rufen nach Abschiebung, Knüppel- und Hundeeinsatz, wird in den Kommentaren Schusswaffeneinsatz gegen Geflüchtete gefordert. (Quelle: Antifa)

Am 22. April meldet sich auch die IB Bayern diesbezüglich über Facebook zu Wort und bekundet unter der Überschrift „Flüchtlingsterror in Fürstenfeldbruck“, die Brucker IB Ortsgruppe setze sich „gegen den Asylwahn zur Wehr.“ Sie bringen mit Klebestreifen ein Transparent vor der Tür des Fürstenfeldbrucker Rathauses an. Der verurteilte Rechtsterrorist und „Stützpunktleiter München-Oberbayern“ des „Dritten Weg“ Karl Heinz Statzberger verlinkt darunter den oben genannten Artikel auf der offiziellen Homepage des „Dritten Weg“. Der Link wird nicht entfernt. (Quelle: Antifa)

Am 23. April hält Linda Amon („Kandel ist überall“, AfD Dachau-Fürstenfeldbruck) einen Redebeitrag bei Pegida in Dresden. Sie verhöhnt darin Henriette Reker, die als Bürgermeisterkandidatin in Köln Opfer eines neonazistischen Attentats wurde und zeigt sich erfreut, dass in Fulda ein Polizist einen Geflüchteten erschoss. Das Publikum quittiert die Aussage mit „Zugabe“ Rufen. Laut Presse wird gegen Amon eine Anzeige wegen der Rede erlassen. (Quelle: Antifa, saechsische.de)

Am 28. April nimmt die extrem rechte Aktivistin Linda Amon (Germering) an einer Pegida Demonstration des Ablegers um Michael Stürzenberger in München teil. Sie hält ein Transparent mit der Aufschrift „Frauen! Stoppt die Rassisten und Deutschlandhasser.“ (Quelle: Antifa)

Mai

Am 12. Mai nimmt Linda Amon in Stuttgart als Teil einer Delegation von „Kandel ist überall“ an einer Kundgebung der „Jungen Alternative“ (JA) gegen einen geplanten Moschee-Bau teil. (Quelle: Antifa)

Neonazis des „Dritten Weg“, darunter Stefan Sch. (Puchheim), verteilen am 13. Mai Flugblätter mit der Aufschrift „Asylflut stoppen“ in der Nähe der Geflüchteten-Unterkunft in Oberschleißheim. (Quelle: Antifa)

Der Dachauer Ortsverband der AfD hält am 17. Mai einen Stammtisch im Augustenfelder Hof in der Schleißheimer Straße ab. Dort stellt sich der Landtagskandidat und Ortsvorsitzende Christoph Steier (Karlsfeld) vor. (Quelle: Antifa)

Juni

„Kandel ist überall“ ruft für den 17. Juni den „Tag der Patrioten“ aus. Hauptsächlich wird nach Mödelreuth mobilisiert. Auf der Kundgebung in Mödelreuth hält Linda Amon (Germering) einen Redebeitrag.
Hauptredner ist das Aushängeschild der völkischen Rechten in der AfD Björn Höcke. Das Dorf mit 50 Einwohner_innen an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen war bis zur Wiedervereinigung geteilt. Obwohl Pegida, PI News, „Journalistenwatch“ usw. mobilisieren bleibt die Resonanz gering. (Quelle: Antifa)

Mit einem Infostand am 30. Juni am Unteren Markt in Dachau beginnt die AfD Dachau ihren Wahlkampf. Es ist erst der zweite Infostand in Dachau seit ihres Bestehens und der erste, der im Vorfeld angekündigt wird. Unter einem Pavillon versammeln sich der Schriftführer und ehemalige Ortsvorsitzende Markus Kellerer (Dachau), sein ehemaliger Stellvertreter Peter Braun (Dachau), Vorstandsmitglied Ilona Bobek-Leßmeister, der spätere Kreisvorsitzende Friedrich Hödl sowie der Pressesprecher Karl-Hermann Behrens. Satirischer Gegenprotest der Aerobic Freunde Dachau ist der AfD zahlenmäßig weit überlegen. Die rechte Partei ist nicht im Stande Bürger_innen mit ihrem Infostand zu erreichen und ist sichtlich frustriert. Anderer Bericht siehe (Quelle: Antifa)

Juli

Stammtisch des AfD Ortsverband Odelzhausen am 1. Juli in Harners Wirtshaus in Sixnitgern. (Quelle: Antifa)

Mitte Juli wird vor dem JUZ Karlsfeld am Karlsfelder See ein 50×50 cm großes Hakenkreuz auf den Gehweg gesprüht. (Quelle: Antifa)

Aufkleber des extrem rechten Versands „Antikomm“ an der Münchner Straße, Ecke Grenzstraße in Dachau Mitte Juli. (Quelle: Antifa)

Unter dem Motto „Der Islam in unserer Gesellschaft“ lädt der AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck am 13. Juli zu einer Veranstaltung im Kloster Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck ein. Hauptrednerin ist die rechte Aktivistin Leyla Bilke. Das AfD Mitglied Bilke gilt als Initiatorin von rechten „Frauenmärschen“.
Es sprechen außerdem die Landtagskandidatin für Fürstenfeldbruck-West/Landsberg a. Lech Edeltraud Schwarz, sowie die Pensionsbesitzerin und Bezirkstagskandidatin Heike Themel (Moorenweis). Themel behauptet über Geflüchtete pauschal: „Vor allem sind sie eins nicht, Flüchtlinge. Wenn sie fliehen, dann oft weniger vor Krieg oder politischer Verfolgung, sondern vielmehr vor der Strafverfolgung in ihren eigenen Ländern.“
Moderiert wird die Veranstaltung von der extrem rechten Aktivistin Linda Amon (Germering), die hier zum ersten Mal nach ihrem Rückzug vom Kreisvorsitz wieder für die AfD auftritt. Während Amons Rede betritt eine Person in einem Burka ähnlichem Gewand die Bühne. Es handelt sich um Christoph Steier (Karlsfeld). Dieser hält daraufhin ebenfalls eine Rede. (Quelle: Antifa)

Am 14. Juli gründet sich ein eigenständiger AfD Kreisverband Fürstenfeldbruck. Vorsitzender wird der ehemalige Kreis- und Bezirksvorsitzende Florian Jäger (Olching). Stellvertretende Vorsitzende wird Heike Themel (Moorenweis). (Quelle: Antifa)

Am 18. Juli veröffentlicht die „Identitäre Bewegung Bayern“ einen „Bayernweit Scharia Zonen eröffnet“ betitelten Artikel. Die IB bekennt sich dazu Plakate aufgehängt zu haben. In Fürstenfeldbruck tauchen mindestens zwei Plakate auf. (Quelle: AIDA Chronologie Juli 2018)

Am 19. Juli tritt der AfD Bundestagsabgeordnete und ehemalige bayerische Landesvorsitzende Petr Bystron in Harners Wirtshaus in Sixnitgern zum Thema „Nicht meine Kanzlerin“ auf. Bystron gilt als Sympathisant der „Identitären Bewegung“, welche er 2017 als „Vorfeldorganisation“ bezeichnete. Es stellen sich außerdem die Landtagskandidat_innen Christoph Steier, Ingo Hahn und Edeltraud Schwarz vor. Es gibt keinerlei Gegenproteste. (Quelle: Antifa)

Am 20. Juli wird der eigenständige AfD Kreisverband Dachau gegründet. Vorsitzender wird Friedrich Hödl, seine Stellvertreter werden Timo Schmidt (Ortsvorsitzender Odelzhausen) und Christoph Steier (Ortsvorsitzender Dachau). Der Rest des Vorstandes ist größtenteils mit Funktionsträgern der beiden Ortsverbände besetzt. (Quelle: Antifa)

Als einziger neuer Ortsverband gründet sich am 24. Juli der AfD OV Germering unter dem Vorsitz von Matthias Hintermeier. Stellvertreter wird der Aktivist der „Jungen Alternative“ (JA) und „Campus Alternative“ Roman Bothmann. (Quelle: Antifa)

Im Juli taucht ein Foto auf, das den ehemaligen Vorsitzenden des Türkisch Islamischen Kultur Vereins Dachau, Mustafa D., zeigt, wie er gemeinsam mit weiteren acht Männern den Wolfsgruß der „Grauen Wölfe“, der türkischen Faschist_innen, zeigt. Sie stehen vor einem Plakat der rassistisch und antisemitischen Partei MHP („Partei der Nationalistischen Bewegung“). Die „Grauen Wölfe“ gelten als deren paramilitärischer Ableger. Sie werden für hunderte politischer Morde in der Türkei beschuldigt. Der Türkisch Islamische Verein ist Mitglied des Runden Tisch gegen Rassismus Dachau. (Quelle: Antifa)

August

Am 5., 6. August macht die so genannte „Pro Life Tour“ Halt in Dachau. Der Marsch von München, über Dachau, Freising, Mühldorf nach Salzburg wird organisiert von der österreichischen „Jugend für das Leben“, einer christlich fundamentalistischen Gruppierung von Abtreibungsgegner_innen. Das Motto „Abtreibung Geschichte machen“ ist Kernthema des Spektrum, welches sich selbst als „Lebensschützer“ bezeichnet. Teile des Spektrums agieren gemeinsam mit Protagonist_innen der extremen Rechten. Wortführer verharmlosen den Holocaust. Siehe Beitrag hier
Der Marsch trifft am 5. August in Dachau ein. Es werden zum Teil Fahnen mit der Aufschrift „Hilfe statt Abtreibung“ mitgeführt. „Die Jugend für das Leben“ geht nicht geschlossen, sondern in kleinen Grüppchen von zwei bis fünf Personen und mit teils minutenlangen Abständen. Eine Übernachtungsmöglichkeit bietet sich den knapp 20 Jugendlichen in der Dachauer Friedenskirche, welche eigentlich mit dem Runden Tisch gegen Rassismus Dachau kooperiert. Auf öffentliche Aktionen verzichten die Marschierenden, nicht aber auf einen politischen Vortrag in den Räumlichkeiten der Friedenskirche, obwohl ihnen das ursprünglich untersagt wurde. Gegen Mittag des 6. August verlässt der Marsch Dachau in Richtung Freising. (Quelle: Antifa)

In der Nacht vom 7. auf den 8. August werden in Dachau 30 Aufkleber der „Identitären Bewegung“ und des Online-Netzwerks „Reconquista Germanica“ geklebt. Die Motive mit der Aufschrift „Coole Kids haben ein Vaterland“ und „Jeder hasst die Antifa“ werden am Dachauer Bahnhof, der Münchner Straße, am Karlsberg, sowie am Rathaus angebracht. (Quelle: Antifa)
„Reconquista Germanica“ ist online in sozialen Netzwerken aktiv. Dort versuchen sie gezielt Stimmungen zu erzeugen, Themen zu pushen oder sie inszenieren Shitstorms. Online Aktivitäten werden zeitgleich koordiniert, mit dem Ziel Algorithmen zu manipulieren. „Reconquista Germanica“ unterstützt die AfD. Von sich selbst behaupten die anonymen Akteur_innen straff organisiert zu sein und veröffentlichen dazu eine so bezeichnete Server-Rangordnung aus „Generälen“, „Offizieren“, „Gefreiten“ und „Sturm“. In einem ursprünglichen Organigramm werden die „Identitären“ und die „Junge Alternative“ als Teil des Netzwerks angegeben. (Quelle: Belltower News „Wie Reconquista Germanica auf Discord seine Troll Armee organisiert)

Am 11. August hält die AfD einen nicht angekündigten Infostand am Unteren Markt in Dachau ab. Die AfD verspricht sich am ersten Volksfest Wochenende erhöhte Aufmerksamkeit. Es kommt zum spontanen Protest zwischen Antifaschist_innen und den beiden AfD Aktivisten, in dessen Verlauf es zu Handgreiflichkeiten kommt. Die AfD beklagt im Nachgang die Beschädigung ihres Materials und spricht von linkem Terror. (Quelle: Antifa)

Am 13. August geht bei der Gemeindejugendpflege Bergkirchen ein anonymer Brief mit einem rassistischen Gedicht ein. Es beginnt mit dem Satz „Herr Asylbetrüger, na wie geht‘s?? oh, ganz gut, bring Deutschen Aids.“ (Schreibweise im Original) Unter dem Gedicht ist ein Text verfasst, in dem heißt die „Asylbetrüger“ würden „nicht nur Aids und Drogen nach Deutschland und Europa“ bringen, „sondern auch Mord, Totschlag und Vergewaltigung.“ Außerdem wird die Frage gestellt, ob „ein Krieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung“ stattfinde. (Quelle: Antifa)

Das rassistische Bündnis „Kandel ist überall“ hält am 15. August eine Kundgebung im oberbayerischen Lengriess ab. Anmelderin ist die extrem rechte Aktivistin und ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon (Germering), die dort auch einen Redebeitag hält.
Neben dem Pegida Wortführer und PI News Autor Michael Stürzenberger nimmt auch der neonazistische YouTuber Nikolai Nerling teil. Nerling berichtet unter dem Pseudonym „Volkslehrer“ von rechten Events, wie z.B. Neonazikonzerten. Am 30. Juni hielt er noch eine Rede auf einer Neonazi-Demonstration in Nürnberg zur Unterstützung von Holocaust Leugner_innen. Der in rechten Kreisen bekannte Nerling posiert gemeinsam mit Stürzenberger für die Kamera. (Quelle: Antifa, Endstation Rechts Bayern, Bayerischer Rundfunk)

Am Abend des 17. August verteilt die AfD knapp 40 Wahlkampfflyer am Karlsberg und dem unterhalb angrenzenden Parkplatz. Allerdings nicht direkt, sondern es werden Flyer unter Scheibenwischern parkender Autos angebracht. An der Tür und an Fenstern des selbstverwalteten JUZ Freiraum Dachau in der Brunngartenstraße werden ebenfalls AfD Flyer angebracht. Antifaschist_innen sammeln die Flyer wieder ein. (Quelle: Antifa)

Einen Tag darauf, am Nachmittag des 18. August, hält die AfD einen unangekündigten Infostand am Unteren Markt ab. Nach ihrem knapp zweistündigen Infostand geht die Gruppe der acht AfDler gemeinsam über die Münchner Straße Richtung Volksfest, dabei versucht die Gruppe um Markus Kellerer (Dachau) auf dem Weg befindliche Antifa Aufkleber zu entfernen. An der Außenfassade des Freiraum Dachau werden erneut AfD Flyer angebracht. (Quelle: Antifa)

Am 20. August wird auf dem Dachauer Ortsschild aus Richtung Karlsfeld Bayernwerkstraße ein 10×15 cm großer Aufkleber des extrem rechten Versands „Antikomm“ mit der Aufschrift „Antikomm Area, Fight Commies, Freiheit statt Sozialismus“ geklebt. (Quelle: Antifa)

In der Nacht vom 24. auf 25. August werden Neonazi Sticker in Dachau verklebt. Am selbstverwalteten JUZ Freiraum werden 30 Aufkleber des 2014 verbotenen bayerischen Kameradschaftsdachverband „Freies Netz Süd“ und der NPD Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) angebracht. Im Stadtgebiet Bahnhof, Sparkassenplatz, Münchner Straße, Schleißheimerstraße und am Ignaz Taschner Gymnasium werden weitere 50 Sticker geklebt, die jedoch aufgrund der Witterung schlecht haften. Überwiegend Motive eines 10 Jahre alten JN Aufklebers mit Bezug auf Rudolf Heß, sowie der seit acht Jahren aufgelösten Kameradschaft „Freie Nationalisten München“. (Quelle: Antifa)

Ende August tauchen in Haimhausen Plakate an Stromkästen auf. Sie tragen u.a. die Aufschrift „Ich bin eine tolerante, weltoffene Linke. Und wenn du dich nicht sofort vollständig meiner Meinung unterwirfst, bist du ein rassistischer, frauenfeindlicher, schwulenfeindlicher, islamfeindlicher, ewiggstriger, gewaltbereiter, faschistischer, rechtsextremer, verhetzender Nazi-Arsch.“ Ein anderes Plakat unterstellt Tagesschau und Tagesthemen „betreutesdenken“ (Schreibweise im Original). (Quelle: Antifa)

September

Am 1. September hält die AfD Infostände in Odelzhausen und Olching ab. (Quelle: Antifa)

Die „Junge Alternative“ Dachau-Fürstenfeldbruck kündigt für den 3. September einen Stammtisch an. Erneut wird der Veranstaltungsort nicht bekannt gegeben, mit der Begründung, die JA könne nicht für die Sicherheit ihrer Gäste gewährleisten. Bisherige Stammtische wurden im Hotel Fischer am Dachauer Bahnhof durchgeführt. (Quelle: Antifa)

Für den 7. September kündigt die „Junge Alternative“ Dachau-Fürstenfeldbruck eine Mitgliederversammlung in Dachau an, wie gewohnt ohne Veranstaltungsort. (Quelle: Antifa)

Anfang September beginnt die AfD mit dem flächendeckenden Aufhängen ihrer Wahlplakate. Sie beklagt in der Folge in Dachau jedes Plakat mehrfach erneuern zu müssen. (Dachauer Nachrichten)

Die extrem rechte Aktivistin Linda Amon (Germering) hält am 8. September einen Redebeitag auf einer Kundgebung des rassistischen Bündnisses „Kandel ist überall“ in Schweinfurt. (Quelle: Antifa)

Wahlkampfveranstaltung der AfD Dachau am 9. September mit Beatrix von Storch im Adolf-Hölzel-Haus in Dachau-Ost. Die Veranstaltung in dem von Migrant_innen geprägten Stadtteil gerät nach den rassistischen Aufmärschen und Übergriffen in Chemnitz zum Politikum. Während Antifaschist_innen im Viertel mobilisieren und die Bewohner_innen auffordern Rassisten aus dem Viertel zu jagen, mobilisiert der Runde Tisch gegen Rassismus Dachau zu einer Kundgebung vor dem Adolf-Hölzel-Haus am Ernst Reuter Platz mit anschließender Demonstration. Laut Presseangaben beteiligen sich bis zu 2500 Menschen am Gegenprotest. Es sprechen neben dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Ernst Grube, der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) und Vertreter des Runden Tisches.
Der Großteil der 120 Teilenehmer_innen der AfD Veranstaltung gelangt über eine von der Polizei geschützte Terrassentür auf der Gebäuderückseite in den Saal. Vor dem Eingang postieren sich neben wenigen AfD Mitgliedern auch vier Neonazis, welche sich aber vor Beginn entfernen. Der als Ordner auftretende AfD Aktivist Markus Kellerer (Dachau) unterhält sich mit den Neonazis. Eröffnet wird die Veranstaltung vom Vorsitzenden des AfD Kreisverband Dachau, Friedrich Hödel. Während der Dachauer Landtagskandidat Christoph Steier (Karlsfeld) in seiner Rede von „links-grün versifften“ Strukturen spricht, übt sich die sonst so angriffslustige Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch inhaltlich zurückhaltender.
Der im Gebäude ansässige Bunnnenwirt möchte im Vorfeld erst die AfD bewirten, entschließt sich aber später dazu den Runden Tisch zu unterstützen. Da der Bunnenwirt von außen für die Demonstrant_innen und von innen aus dem Hölzel Saal zugänglich ist bewirtet er letztendlich beide Seiten, die innerhalb der Gasstätte aufeinander treffen. Einer Teilnehmerin der Gegenproteste wird in der Gaststätte von einem älteren Teilnehmer der AfD Veranstaltung ins Gesicht geschlagen. Antifaschist_innen postieren sich nach der Demonstration mit einem Transparent am Eingang. Einige Gäste der AfD, die die Örtlichkeit nach der Veranstaltung verlassen wollen, beschimpfen die Demonstrant_innen, worauf es zu kurzen Schubsereien kommt. Später wird bekannt, dass AfD Mitglieder im Raum befindliche Plakate der Interkulturellen Wochen in Dachau-Ost zerstört haben. (Quelle: Antifa, Dachauer Nachrichten, SZ Dachau)

Am Folgetag, dem 10. September, veröffentlicht der AfD Kreisverband Dachau auf Facebook zwei Kommentare zur von Storch Veranstaltung, welche „sehr treffend die unsäglichen Zustände“ beschreiben würden. Die beiden Schreiben sind voller Beleidigungen, sowie der Bekundung von „Abscheu“ gegenüber Oberbürgermeister Hartmann, da er eine Rede bei den „Ekelpaketen“ gehalten hat. In gewohnter Manier werden Gegendemonstrant_innen als „abgeranzt“ und „versifft“ beschrieben. Der männliche Kommentator macht unter den Gegenprotesten „jede Menge Frauen mittleren Alters, vom Typ unbefriedigte Hausmutti, die sich nach dem Tod des letzten Haustieres lieber eines Flüchtlings annehmen“ aus. (Quelle: Antifa)

Die Lokalpresse berichtet am 14. September von einem AfD Großplakat vor der Geflüchteten-Unterkunft in Weichs. Es zeigt ein Jesus Kreuz und trägt die Aufschrift „Christliche Werte bewahren. Der Islam gehört nicht zu Bayern.“ Der örtliche Pfarrgemeinderat distanziert sich von dem Plakat und will sich beraten, was zu tun sei. Das Plakat ist bis dahin bereits zerstört. Landtagskandidat Christoph Steier behauptet, man habe das Plakat nicht mit Absicht aufgestellt. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

AfD Infoabend am 21. September im Landgasthof Ostermair in Kollbach mit Landtagskandidat Christoph Steier. (Quelle: Antifa)

Wandernde AfD Infostände am 22. September, beginnend mittags am Marktplatz in Altomünster, nachmittags am Indersdorfer Marktplatz und abschließend in Dachau-Ost zur „Bürgersprechstunde“ am Ernst-Reuter-Platz. (Quelle: Antifa)

Die extrem rechte Aktivistin und ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon (Germering) nimmt am 22. September an einer AfD Kundgebung am Münchner Stachus teil.
Die Kundgebung hat das Motto „Märchen von 1001 EUro-Rettungen“, Hauptredner ist der Bundestagsabgeordnete Peter Böhringer. Unter den Teilnehmenden befinden u.a. sich der „Pegida München“ Sprecher Heinz Meyer und der Pegida Aktivist Stefan Schachtl. Beide nahmen an Neonazi Veranstaltungen des „Dritten Weg“ teil und kooperieren mit ihnen im Rahmen von „Pegida München“. (Quelle: Antifa)

AfD Infostand in Sulzemoos am 23. September, wobei der Veranstaltungsort nicht bekannt gegeben wird. Anschließend ein weiterer Infostand in Pfaffenhofen a.d. Glonn. (Quelle: Antifa)

Die Lokalpresse berichtet am 27. September von einem Drohbrief gegen einen Dachauer Teilnehmer der Demonstration gegen den Auftritt von Beatrix von Storch am 9. September. Der genaue Inhalt des anonymen Briefs wird nicht veröffentlicht. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

„Infoabend“ der AfD Dachau mit Christoph Steier am 27. September in Karlsfeld. Der Veranstaltungsort wird nicht bekannt gegeben. (Quelle. Antifa)

„Infoabend“ der AfD Dachau am 28. September mit Christoph Steier im Gasthaus Amperstub‘n in Feldgeding. (Quelle: Antifa)

Der AfD Kreisverband Dachau plant für den 29. September eine Veranstaltung mit der Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alice Weidel. Des weiteren sind Landtagskandidat Christoph Steier (Karlsfeld) und der Kandidat für Fürstenfeldbruck-Ost, Ingo Hahn, als Redner angekündigt. Veranstaltungsort soll erneut das Adolf-Hölzel-Haus in Dachau-Ost sein. Die Stadt Dachau untersagt der AfD die Nutzung, da dort beim Auftritt von Beatrix von Storch am 9. September Plakate der Interkulturellen Wochen zerstört wurden und man der AfD Dachau Sachbeschädigung zum Vorwurf macht. Die AfD versucht in den Bürgersaal in Weichs auszuweichen, doch auch dort wird ihnen der Zutritt nicht gestattet. Der Bürgermeister von Weichs Harald Mundl begründet dies damit, dass im Bürgersaal grundsätzlich keine politischen Veranstaltungen stattfinden. Somit würde die AfD nicht als politische Partei gegenüber anderen Parteien benachteiligt.
Die Fürstenfeldbrucker Bezirkstagskandidatin Heike Themel (Moorenweis) behauptet auf der von ihr verwalteten Facebook-Seite „AfD deckt auf und fragt nach“, die AfD Dachau hätte eine „erpresserische“ Mail der Antifa erhalten und ruft dazu auf nach Dachau zu kommen.
Die AfD Dachau erhebt Klage gegen das Verbot im Hölzel-Haus. Den vor dem Saal gelegenen Ernst-Reuter-Platz meldet die AfD bzw. ihre Jugendorganastion „Junge Alternative (JA) für eine Kundgebung an, um Gegenprotesten wie am 9 September den Raum zu nehmen. Das Verwaltungsgericht München bestätigt am 27. September das Verbot. Die AfD sagt alle geplanten Veranstaltungen ab, inklusive der Kundgebung. Gegenüber der Presse äußert AfD Landtagskandidat Christoph Steier man habe der AfD „eine Falle gestellt.“ Die Stadt habe absichtlich eine große Anzahl Plakate der Interkulturellen Wochen aufgestellt, was die AfD „provoziert“ hätte. Auch in einer offiziell veröffentlichten Erklärung gibt die AfD zu, die Plakate „abgehängt“ und „zum Teil unbrauchbar“ gemacht zu haben. Die Stadt habe der AfD einen Schaden von 300 Euro genannt. Der Runde Tisch gegen Rassismus Dachau sagt seine geplanten Gegenproteste kurzfristig ab. (Quelle: Antifa, Dachauer Nachrichten, SZ Dachau)

Am 28. September werden Aufkleber der völkisch rassistischen „Identitären Bewegung“ (IB) am Ignaz Taschner Gymnasium, am Dachauer Bahnhof und in der Bahnhofstraße verklebt. Am selbstverwalteten JUZ Freiraum in der Brunngartenstraße werden IB Aufkleber mit der Aufschrift „Wehr dich! Es ist dein Land!“ geklebt. (Quelle: Antifa)

Am Vormittag des 29. September treffen sich eine Handvoll AfD-Mitglieder um Christoph Steier am Ernst-Reuter-Platz in Dachau-Ost, um potenziellen Gästen ihrer abgesagten Veranstaltung, die vom Verbot nichts mitbekommen haben, die Situation zu erklären. Sie bleiben unter sich. Der Runde Tisch hält am anderen Ende des Platzes einen Infostand ab. (Quelle: Antifa)

Am 29. September findet in Garmisch-Partenkirchen eine Konferenz der extrem rechten Zeitschrift „Compact“ statt. Die extrem rechte Aktivistin und ehemalige Kreisvorsitzende der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon (Germering) ist ebenfalls unter dem Gästen.
„Comapct“ Herausgeber Jürgen Elsässer beabsichtigt mit der Konferenz Wahlkampfhilfe für die AfD zu leisten. Als der erste geheim gehaltene Veranstaltungsort im Landkreis Freising aufgedeckt wird, kündigt der Wirt Elsässer den Raum, worauf die Konferenz kurzfristig nach Garmisch ausweicht. Anwesend sind neben den Pegida Aushängeschildern Michael Stürzenberger und Gernot Tegetmeyer, sowie dem österreichischen „Identitären“ Wortführer Martin Sellner auch der als Gast angekündigte Sprecher der Gewalt affinen „English Defence League“ Tommy Robinson.
Bei der Veranstaltung mit rund 350 Teilnehmenden wird offenbar auch ein Infostand der Neonazi Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ aufgebaut. Außerdem möchte Elsässer für sein „Grenzschutz“ Volksbegehren werben, welches auch von den bayerischen „Identitären“ unterstützt wird. (Quelle: Antifa, Endstation Rechts Bayern)

Ende September werden auf der Rückseite des Dachauer Bahnhofs in der Wiener Straße in Richtung der Berufsschule über die Alpenstraße zwei Wochen lang in regelmäßigen Abständen Aufkleber der „Identitären“ mit der Aufschrift „Genug jetzt! Remigration statt Asylwahn“ verklebt. (Quelle: Antifa)

Oktober

AfD Veranstaltung am 4. Oktober mit dem Landtagskandidaten für Fürstenfeldbruck-Ost Ingo Hahn in der Bürgergaststätte Sigmertshausen. Er referiert zum Thema „Energie und Umweltschutz, alternativlose Windkraftpolitik?“ (Quelle: Antifa)

AfD Infostände mit Christoph Steier am 6. Oktober am Unteren Markt in Dachau und in Weichs, wo der Ort nicht bekannt gegeben wird. (Quelle: Antifa)

Ein Bündnis um die AfD Aktivistin Leyla Bilke und Christina Baum (AfD MdL Baden-Württemberg, „Kandel ist überall“) organisiert am 6. Oktober in München einen so bezeichneten Frauenmarsch. Unter dem Vorwand für die Rechte von Frauen zu demonstrieren, geht es bei dem Marsch vorwiegend um die Verbreitung rassistischer Stereotype. Man wolle gegen die „schleichende Einführung der Sharia“ protestieren. An dem Marsch nehmen überwiegend Akteur_innen aus dem Umfeld des Pegida Ablegers von Michael Stürzenberger teil. Schilder tragen die Aufschrift „Heimatliebe ist kein Verbrechen sie ist ein Geschenk von Gott“ (Schreibweise im Original).
Die extrem rechte Aktivistin und ehemalige AfD Kreisvorsitzende Linda Amon (Germering) und die stellvertretende Vorsitzende des AfD Kreisverband Fürstenfeldbruck Heike Themel (Moorenweis) halten beide Redebeiträge. Auf der Demonstration halten sie ein Transparent des rassistischen Bündnisses „Kandel ist überall“. Themel liest mit zittriger Stimme einen Redebeitrag ab, der nahezu auf den Wortlaut identisch ist mit dem auf der AfD Veranstaltung mit Leyla Bilke in Fürstenfeldbruck am 13. Juli von ihr gehaltenen. (Quelle: Antifa)

Am 8. Oktober tauchen riesige Plakate des „Deutschland Kurier“ zur Unterstützung der AfD in Dachau auf. Das Plakat in der Mittermayerstraße trägt die Aufschrift „Familien schützen, Heimat bewahren. Jetzt eine Alternative für Deutschland wählen“, das am Zwingereck die Aufschrift „Jedes Jahr eine muslimische Großstadt mehr. Wer das nicht will, wählt eine Alternative für Deutschland.“ Die Plakate werden jedoch rasch beschädigt und unkenntlich gemacht. (Quelle: Antifa)

Auf ihrer Facebook Präsenz dokumentiert die AfD Dachau kaputte, bemalte und überklebte Plakate und Plakatständer. Gegenüber der Lokalpresse äußert der Ortsvorsitzende und Landtagskandidat Christoph Steier (Karlsfeld) in einem Artikel vom 10. Oktober, es sei „schon Wahnsinn, wie viel herunter gerissen wird.“ Laut seinen Angaben jedes Plakat mindestens einmal. In Karlsfeld seien die Plakate „zu 100 Prozent“ abgerissen worden. Man habe überlegt rechtlich dagegen vorzugehen, aber „so viele Anzeigen können wir gar nicht schalten.“ (Quelle: Antifa, SZ Dachau „Straßenkampf im Schilderwald“)

Am Vormittag des 11. Oktober fliegt ein Flugzeug mit einem Werbebanner der AfD über Dachau. (Quelle: Antifa)

AfD Infostand am 12. Oktober mit Christoph Steier am Unteren Markt in Dachau. (Quelle: Antifa)

Am 13. Oktober findet am Unteren Markt in Dachau der letzte Infostand der AfD statt. Andere Parteien halten dort ebenfalls Infostände ab. Am Unteren Markt direkt Die Linke und die FDP. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite Die Grünen und die SPD. Mehrere Menschen protestieren gegen den AfD Stand. Die einen satirisch in Form eines Fußballspiels direkt davor, was Christoph Steier und seine beiden Mitstreiter als deutlich störend empfinden, die anderen geben mit Mülltüten Passant_innen die Gelegenheit AfD Flyer direkt zu entsorgen.
Im Verlauf begeben sich anfangs zwei, dann insgesamt vier junge Leute zum AfD Stand. Bei ihnen handelt es sich um Aktivist_innen der „Jungen Alternative“ (JA) aus Rheinland-Pfalz. Unter ihnen der stellvertretende Landesvorsitzende der JA Rheinland-Pfalz und zweite stellvertretende Kreisvorsitzende der AfD Westerwald Justin Salka, der 2016 als Aktivist der „Identitären“ bundesweit und in Österreich in Erscheinung trat. Salka publiziert im JA/“Identitären“ Gemeinschaftsprojekt „Arcadi“ und in der „Jungen Freiheit“. Er beteiligte sich an den rassistischen Aufmärschen in Chemnitz und sympathisiert mit NS verherrlichenden Initiativen, wie dem „Marsch der Legionäre“, der jährlich ehemaligen SS-Verbänden in Lettland gedenkt. Ein weiterer Aktivist, Fabian P., bedrängt Gegendemonstrant_innen und versucht sie zu provozieren. (Quelle: Antifa)

Bei den Landtagswahlen am 14. Oktober bekommt die AfD im Stimmkreis Dachau 9,1% (9,2% Erststimmen). Landtagskandidat Christoph Steier (Karlsfeld) verpasst den Einzug. Ihr stärkstes Ergebnis holt die AfD wie bei der Bundestagswahl 2017 in Odelzhausen mit 11,4% (11,67% Erststimmen). Ansonsten schafft sie nur in Hilgertshausen-Tandern (10,74%, 10,34% Erststimmen) bzw. in Pfaffenhofen a.d. Glonn (10%, 9,75% Erststimmen) ein zweistelliges Ergebnis.
Im Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost erhält die AfD 8,2% (8,3% Erststimmen Ingo Hahn), in Fürstenfeldbruck-West/Landsberg a. Lech 8,3% (8,4% Erststimmen Edeltraud Schwarz).
Bayernweit bleibt die AfD mit 10,2% deutlich hinter ihren Erwartungen.
Bei den Bezirkstagswahlen scheitern Timo Schmidt (Stimmkreis Dachau) und Heike Themel (Fürstenfeldbruck-West/Landsberg a. Lech). Beatrix Neuber (Fürstenfeldbruck-Ost) erlangt einen Sitz. (Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, SZ Dachau, Antifa)

Nach erneuten Protesten von Geflüchteten in der Massenunterkunft in Fürstenfeldbruck, melden Neonazis des „Dritten Weg“ Flugblätter in Briefkästen verteilt zu haben. In einem dazu auf ihrer Homepage veröffentlichten Artikel vom 19. Oktober, voll von rassistischen Beleidigungen („Unzählige Neger laufen die Straßen auf und ab“), verklären sie dies als Tat einer „revolutionären Bewegung“. (Quelle: Antifa)

Im Dachauer Anzeigenblatt Kurier wird am 27. Oktober eine Annonce mit der Überschrift „AFD Abgeordneter sucht Büro“ veröffentlicht. Als Kontakt ist die E Mail Adresse des AfD MdL Uli Henkel angegeben. „Dringend Wahlkreisbüro für eine Mitarbeiterin außerhalb des Landtags gesucht. Jetzt oder später.“ Später erscheint die Annonce nicht mehr.
Wenige Tage später kandidiert Henkel für den Posten des Landtagsvizepräsidenten. Im Zuge dessen wird bekannt, dass der Abgeordnete vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Grund ist ein im Mai 2018 veröffentlichtes Video mit rassistischen Pauschalisierungen. (Quelle: Antifa, Bayerischer Rundfunk, SZ)

„Identitäre“ Sticker am 27. Oktober entlang des Karlsbergs mit der Aufschrift „Linke Schläger demaskieren“. (Quelle: Antifa)

Nachdem im Zuge der rassistischen Ausschreitungen von Chemnitz über eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz debattiert wird, versuchen einige Parteigänger_innen intern zur Mäßigung bezüglich aggressiv rassistischer Rhetorik zu mahnen. Dagegen wird am 28. Oktober ein so bezeichneter „Stuttgarter Aufruf“ veröffentlicht, welcher „Denk- und Sprechverbote“ kritisiert.
Zu den Erstunterzeichnenden gehört Linda Amon (Germering), ehemalige Vorsitzende des Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck und extrem rechte Aktivistin. Die beiden Vorstandsmitglieder der AfD Fürstenfeldbruck Heike Themel (Moorenweis) und Stefan Pirzer unterschreiben den Aufruf später ebenfalls.
Der „Stuttgarter Aufruf“ fordert „Widerstand gegen Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte (Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit)“, sowie „gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands.“ Das Papier weist in diesen und weiteren Punkten einen nahezu identischen Wortlaut mit der „Erfurter Resolution“ von 2015 auf. Die „Erfurter Resolution“ wird als Gründungsdokument des völkisch nationalistischen „Flügel“ in der AfD gewertet. (Quelle: Antifa)

In einem Beitrag auf ihrer Homepage vom 30. Oktober nimmt die Neonazipartei „Der Dritte Weg“ erneut Bezug auf den als „Negeraufstand“ bezeichneten Protest von Geflüchteten in der Massenunterkunft Fürstenfeldbruck. (Quelle: Antifa)

November

In der Nacht vom 1. auf den 2. November wird ein Gerätehäuschen auf dem Gelände des griechischen Fußballvereins AEG Dachau Ziel eines rassistischen Angriffs. Es wird „Fuck Greece“ an die Fassade gesprüht und das Vereinslogo durchgestrichen. Der Verein macht den Vorfall selbst öffentlich. (Quelle: Antifa)

Anfang November werden in der Gegend um den Waldkindergarten in Hebertshausen mehrmals Aufkleber der extrem rechten Zeitschrift „Compact“, sowie der „Identitären Bewegung“ verklebt. (Quelle: Antifa)

10 Aufkleber der „Identitären Bewegung“ (IB) am 11. November am Dachauer Bahnhof. (Quelle: Antifa)

Am 12. November erneut IB Aufkleber in der Frühlingstraße und am Bahnhof, sowie auf der Bahnhofrückseite in der Wiener Straße. (Quelle: Antifa)

Am 13. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße. (Quelle: Antifa)

Am 14. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße und am Bahnhof. (Quelle: Antifa)

Am 15. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße. (Quelle: Antifa)

Am 16. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße, am Bahnhof und auf der Bahnhofrückseite in der Wiener Straße. (Quelle: Antifa)

Am 17. November 15 IB Aufkleber in der Martin-Huber-Straße, Frühlingstraße und am Bahnhof. (Quelle: Antifa)

Am 18. November 10 IB Aufkleber in der Martin-Huber-Straße, Frühlingstraße und am Bahnhof. (Quelle: Antifa)

Am 19. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße, am Bahnhof, in der Schleißheimerstraße, Martin-Huber-Straße und der Thoma Wiese. (Quelle: Antifa)

Am 20. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße. (Quelle: Antifa)

Die Neonazis des „Dritten Weg“ veröffentlichen am 20. November einen Beitrag auf ihrer Homepage mit dem Titel „Marxistische Jugend organisiert Negerdemo in Fürstenfeldbruck“, in dem sie behauptet, es sei am Rande der Demonstration „zu Ausschreitungen“ gekommen. Der Artikel hat hauptsächlich Beleidigungen zum Inhalt. Es wird versucht möglichst oft das Wort „Neger“ zu benutzen. (Quelle: Antifa)

Am 21. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße und am Bahnhof. (Quelle: Antifa)

Am 22. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße. (Quelle: Antifa)

Am 28. November AfD Aufkleber in der Martin-Huber-Straße, Ludwug-Thoma-Straße, Augsburger Straße mit der Aufschrift „Migrationspakt stoppen“. (Quelle: Antifa)

Am 30. November IB Aufkleber in der Frühlingstraße und Martin-Huber-Straße. Außerdem AfD Aufkleber mit der Aufschrift „Migrationspakt stoppen“ in der Konrad-Adenauer-Straße, Zwingereck, Burgfriedenstraße, Amper Brücke und Münchner Straße. (Quelle: Antifa)

Dezember

Am 14. Dezember knapp 70 IB Aufkleber in der Frühlingstraße, am Dachauer Bahnhof, Münchner Straße bis zur Brunngartenstraße, Ludwig-Thoma-Straße, Thoma Wiese und an der Schleißheimerstraße. Außerdem AfD Aufkleber am Taschner Gymnasium und von dort in Richtung Bahnhof. (Quelle: Antifa)

Am 15. Dezember erneut 25 IB und AfD Aufkleber („Migrationspakt stoppen“) in der Mittermayer Straße, Ludwig-Thoma-Straße und Augsburger Straße. (Quelle: Antifa)

Bis Ende Dezember tauchen nur noch vereinzelt „Identitäre“ Aufkleber auf. Vorwiegend in der Frühlingstraße und am Bahnhof, aber auch im Bereich der Münchner Straße. (Quelle: Antifa)