Wilder Streik und Kranbesetzung auf Regensburger Baustelle


Wilder Streik geht auch in Bayern. Am 4.8.20 besetzten im Regensburger Stadtteil Königswiesen drei Bauarbeiter zwei Kräne, da sie seit zwei Monaten ihre Löhne nicht bekommen. 20 Kollegen aus Ägypten und Italien traten in einen spontanen Streik, drei von ihnen erklommen schließlich die Kräne und schlugen mit Eisenstangen auf die Verstrebungen, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie wollen erst herunter kommen, wenn alle ihre Kohle erhalten. So wird‘s gemacht!

Update 13.8.2020
Die Arbeiter sind bei einem italienischen Subunternehmen beschäftigt, dieses bekam für die geleistete Arbeit kein Geld und bezahlte die Arbeiter nicht bzw. nur wenige. Die legten daraufhin die Arbeit nieder. Spontan kamen einige Leute aus der lokalen radikalen Linken zusammen und unterstützten die Streikenden mit einer Solidaritätskundgebung. Streikende gesellten sich dazu, ein Kollege ergriff auch das Wort, allerdings ohne Übersetzung. Die Streikenden berichteten von Anwohner_innen mit Wasser und Essen unterstützt worden zu sein.

Die deutschen Arbeiter waren da allerdings weniger solidarisch, sie arbeiteten einfach weiter als wäre nichts und wurden von den Unterstützer_innen des Streikbruchs bezichtigt. Diese behaupteten die anderen würden ja nur für ihren Chef streiken. So kann man sich auch raus reden. Sie streikten natürlich für ihr Geld, was ihnen unbestritten zusteht. Dazu wäre die Unterstützung der deutschen Kollegen hilfreich gewesen. Es scheint mehr Solidarität und Willen zur Durchsetzung bei unseren migrantischen Kolleg_innen zu geben. Ein Aspekt, der in letzter Zeit deutlich auffällt und der bezüglich der Rolle der deutschen Arbeiter auf der Regensburger Baustelle künftig beachtet werden muss, wenn man Dinge in größerem Ausmaß ins Rollen bringen möchte. Ebenso den Umstand, dass sich im Nachgang die IG BAU der Sache annehmen will. Als den Arbeitern die Auszahlung des Lohns versprochen wurde brachen die Streikenden die Besetzung mach 23 Stunden ab. Es wurde zwar immer noch nicht die volle Summe ausbezahlt, die IG BAU denkt über weitere Streikmaßnahmen nach. Wir wissen ja, was dann raus kommt: Nichts. Aber so wird alles wieder in geordnete Bahnen gelenkt.
Unterm Strich gab es also Spaltungslinien unter der Belegschaft anhand von Subunternehmen, Werkverträgen und Leiharbeit, aber auch unter den Arbeitern selbst, anhand unterschiedlicher Herkunft. Bzw. die deutschen Arbeiter verhielten sich ignorant oder wollten keinen Ärger, spielten dabei aber der Gegenseite in die Hände. Dennoch: Dieser kleine wilde Streik war ein spontaner Akt von Selbstermächtigung, ein Fünkchen Autonomie. Da wollen wir hin!

Medienberichte
https://www.br.de/nachrichten/bayern/protestaktion-in-regensburg-bauarbeiter-besetzen-kraene,S6nfdeE
https://www.br.de/nachrichten/bayern/regensburger-bauarbeiter-wird-heute-wieder-gestreikt,S7WtYAC