Corona Infektionen unter Erntearbeiter_innen in Niederbayern

Aktualisierung 5.8.20: Nachdem zunächst 52 Arbeiter_innen negativ getestet wurden, waren sie letztlich doch positiv auf Corona. Somit haben sich über 220 Arbeiter_innen infiziert. Derweil scheiterte der Bauer vor Gericht den Betrieb wieder aufzunehmen und die negativ Getesteten wieder für sich schuften zu lassen.
Nach den Reihentests im Landkreis infolge des Ausbruchs auf dem Gemüsehof wurden nun auch in einer Mamminger Konservenfabrik 166 von 600 Arbeiter_innen positiv getestet.

Wieder ein Ausbruch in der Lebensmittelindustrie. Wieder trifft es prekär Beschäftigte und wieder sind es migrantische Kolleg_innen. Ein namentlich nicht genannter Hof im niederbayerischen Mamming, wo hauptsächlich Gurken angebaut werden, hat Hygienevorschriften, v.a. Abstände, nicht eingehalten. Zudem müssen die Erntearbeiter_innen aus Rumänien, Bulgarien und der Ukraine in beengten Containern leben, wo ein Schutz vor Infektion gar nicht gewährleistet werden kann. Von den allgemeinen hygienischen Missständen ganz zu schweigen.

Nachdem sieben Arbeiter_innen ein positives Testergebnis hatten, wurde bei Reihentests mittlerweile bei 174 von 480 Kolleg_innen eine Infektion mit dem Corona Virus festgestellt. Die zuständigen staatlichen Stellen haben bisher außer verbalen Absichten keine Maßnahmen zum Schutz ergriffen. Weder nach Ausbrüchen in der Fleischindustrie im März, nach dem Skandal bei Tönnies Ende Juni oder nach einem wilden Streik der migrantischen Erntearbeiter_innen bei Spargel Ritter in Bornheim im Mai, als es neben nicht bezahlten Löhnen auch um die katastrophalen Wohnbedingungen ging. Die seit Jahren bekannte Ausbeutung durch körperlich harte Arbeit, legal abgesichert durch Konstrukte aus Werkverträgen, wird im Kapitalinteresse nicht angetastet und geht es nach den Arbeitgeberverbänden soll das auch so bleiben. Waren es in der Hochphase der Pandemie zuerst die als systemrelevant betitelten Arbeiter_innen, die trotz des Risikos einer Infektion durch mangelnden Schutz weiter arbeiten mussten, sind nun auch migrantische Arbeiter_innen in den öffentlichen Fokus gerückt. Nur eben ohne Konsequenz. Man darf behaupten, dass es sich nicht nur um prekär Beschäftigte handelt, sondern schlicht und ergreifend um Arbeiter_innen zweiter Klasse.

Die Arbeiter_innen in Mamming wurden auf dem Gelände des Hofs unter Quarantäne gestellt, die positiv getesteten von den restlichen isoliert. Ein Sicherheitsdienst überwacht die Einhaltung mit Unterstützung der Polizei. Jetzt werden auf Höfen im Landkreis Reihentests durchgeführt und Teststationen eingerichtet. Die Bevölkerung bangt auch um ihre Gesundheit, aber man hat schon hinzugefügt, dass die Erntearbeiter_innen relativ isoliert von der Dorfbevölkerung gelebt haben. Na was für ein Glück! Hier wäre mal besser ein deutliches Zeichen der Solidarität nötig. Und die Arbeiter_innen sind gut beraten sich ein Beispiel an ihren Kolleg_innen bei Spargel Ritter nehmen.