In Gedenken an Björn Söderberg! Vor 20 Jahren von Neonazis in Stockholm ermordet


Am 12.10.1999 wurde der Gewerkschafter Björn Söderberg vor seiner Wohnung im Stockholmer Vorort Sätra von Neonazis erschossen. Söderberg war aktiv in der syndikalistischen Gewerkschaft SAC. Er fand heraus, dass der hochrangige Neonazi Robert Vesterlund zum Vertrauensmann in seinem Betrieb gewählt wurde. Söderberg machte dies publik.
Wenig später standen drei Neonazis vor seiner Haustür und richteten ihn mit 10 Schüssen hin. Es war der Höhepunkt einer Serie von Gewalt- und Terrorakten aus der schwedischen Neonazi-Szene im Jahr 1999.

Im Anschluss an ein Treffen der Neonaziorganisationen „Nationalsocialistisk Front“, „Blood & Honour“ und dem „White Power“ Musiklabel „Nordland“ im Januar 1999, kündigten diese einen „blutigen Sommer“ an¹. In der Szene kursierten Schriften von „Blood & Honour Scandinavia“, die zu terroristischen Anschlägen aufriefen. In diesen wird das Konzept des so genannten „leaderless resistance“ unter dem Label „Combat 18“ propagiert.
Ein Theaterstück Anfang Mai 1999 mit Gefängnisinsassen aus der Neonazi-Szene war als ein Akt für Resozialisierung beabsichtigt. Die dafür vorübergehend aus der Haft befreiten drei Neonazis nutzten die Gelegenheit zur Flucht. Dabei raubten sie eine Bank aus und erschossen zwei Polizisten. Am 28. Juni 1999 wurde der Journalist Peter Karlsson Ziel eines Sprengstoffanschlags. Als er mit seinem achtjährigen Sohn in sein Auto steigen wollte, explodierte eine Autobombe. Beide überlebten schwer verletzt. Karlsson recherchierte für das antifaschistische Magazin Expo, später für das Aftonbladet, über die „White Power“ Musik-Szene, deren wichtigster Knotenpunkt für Vertrieb und Produktion zu dieser Zeit Schweden war.

Als der aktive Gewerkschafter Björn Söderberg seine neue Stelle als Lagerarbeiter bei Esselte Svanström begann, stellte er fest, dass sich unter seinen Arbeitskollegen der führende Neonazi Robert Vesterlund befand und darüber hinaus sogar zum Vertrauensmann des größeren Gewerkschaftsverbandes gewählt wurde. Vesterlund war zu dieser Zeit eine zentrale Figur der schwedischen Anti-Antifa. Er betrieb die Plattform „Info 14“, damals noch als Magazin. Söderberg wandte sich zuerst an die lokale Führung der Schwestergewerkschaft, dann an die Öffentlichkeit, was zur Entlassung von Vesterlund führte. Da die Täter klar dem Umfeld von Vesterlund zugeordnet wurden, gingen Antifaschist_innen von einem klaren Racheakt aus. Die drei standen sogar unter polizeilicher Beobachtung, da sie verdächtigt wurden mit dem Autobombenanschlag auf Peter Karlsson in Verbindung zu stehen. Sie wurden auch am 12.10.99 observiert. 22 Minuten vor den Schüssen auf Söderberg brach die Polizei die Observation ab². Auch die Ermittlungen nach dem Mord verliefen alles andere als sorgfältig. Bei zwei der drei Täter wurden Listen mit über 1000 Namen von politischen Gegner_innen gefunden. Das Gericht verurteilte die drei zu vier bzw. sechsjährigen Haftstrafen wegen „Beihilfe zum Mord“. Wer die Schüsse abgefeuert hatte, konnte nicht geklärt werden. Vesterlund wurde wegen „Anstiftung zum Mord“ frei gesprochen. Björn Söderberg musste sterben, weil er sich gegen gewalttätige Neonazis einsetzte.

Vi glömmer aldrig – vi förlåter aldrig!
Wir vergessen das niemals – wir verzeihen das niemals!

Beitrag von AFA Stockholm auf antifa.se
¹ Jan Erik Petersson – Stieg Larrson eine politische Biographie
² Artikel des antifaschistischen Magazins EXPO im Antifa Infoblatt Nr.50