Bundesweit größtes Nazikonzert 2013 findet in Bayern statt – Der Hass live in Mittelfranken

Am Samstag, dem 12.10.2013, fand wieder einmal ein großes Nazikonzert in Bayern statt. Etwa 1000 Neonazis feierten in der Diskothek Nachtwelt im mittelfränkischen Scheinfeld bei einer Veranstaltung mit dem Namen „Live H8“ (ausgesprochen: Live Hate). Als Veranstalter fungierte dieses mal das neonazistische Projekt „FSN-TV“, eine Art Nazi-Internetfernsehsendung in Kooperation mit der bayerischen NPD. Nach Recherchen des art-nb soll der Geburtstag des Landesgeschäftsführers der NPD Bayern Axel Michaelis, der am 10. Oktober seinen 48. Geburtstag feierte, als offizieller Anlass bei der Anmeldung des Konzertes genannt worden sein.

FSN-TV/Radio FSN

Das Projekt FSN-TV existiert seit Ende 2012 und ist ein Nachfolgeprojekt des Internetradios und Communityprojekts „Radio FSN“. Führende Köpfe hinter beiden Entwürfen sind die beiden oberpfälzischen Naziaktivisten Patrick Schröder (Mantel) und Daniel Franz (Weiden). Schröder tritt in den Sendungen von FSN-TV unter dem Pseudonym „H8“ auf, Franz vermummt mit einer Guy Fawkes-Maske unter dem Pseudonym „Anonymous“. Co-finanziert wird FSN-TV unter anderem von der bayerischen NPD.

Patrick Schröder bewegt sich seit 2005 in neonazistischen Kreisen. Er war Mitglied der Kameradschaft „Weiße Wölfe Roding“ und ist zur Zeit Mitglied des Parteivorstandes der bayerischen NPD, Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Weiden sowie Ansprechpartner für die Neonazikleidungsmarke „Ansgar Aryan“. Die Kundendaten von „Ansgar Aryan“ stellte Schröder der NPD zu Wahlkampfzwecken zur Verfügung. Daniel Franz hingegen ist für die technische Umsetzung der oben genannten Projekte verantwortlich.

Radio FSN beziehungsweise FSN-TV sind allerdings in Neonazikreisen nicht unumstritten. Das bayerische Kameradschaftsnetzwerk „Freies Netz Süd“ wirft Schröder und Franz „unkameradschaftliches und unloyales Verhalten“ vor. Sie sollen mit staatlichen Verfolgungsbehörden zusammengearbeitet und so andere Neonazis strafrechtlich belastet haben. Das FNS versuchte auch im Vorfeld des Konzertes mehrere Bands davon zu überzeugen ihre Auftritte abzusagen.

Das Konzert

Insgesamt sechs Bands sollten offiziell auf dem konspirativ geplanten Konzert auftreten.

Act of Violence (Gewalttat) existiert seit 2003. Die Band um den Sänger Stefan Schneider aus Laupheim (Baden-Württemberg) bewies ihre Nähe zu „Blood & Honour“ mit einem Auftritt am 26. Februar 2005 auf dem Blood and Honour-Festival im schwedischen Vara. Zudem hat Act of Violence 2005 eine CD bei der Gjallarhorn Klangschmiede veröffentlicht. Diese wird von dem Chef der europäischen Hammerskinsektion Malte Redeker aus Ludwigshafen geleitet.

Division Germania ist eine Ein-Mann-Band des Neonazis und Hammerskins Andreas Koroschetz aus Mönchengladbach. Der 1983 geborene Andreas Koroschetz war Mitglied der militanten, neonazistischen Kameradschaft Aachener Land. Des Weiteren war er einst Schlagzeuger der Rechtsrock-Band Sleipnir und hat zwei Alben der neonazistischen Berliner Band Macht & Ehre eingespielt. Derzeit ist Andreas Koroschetz zusätzlich als Gitarrist und Texter in der Nazipunkband Rotte Charlotte aktiv. Bisher wurden insgesamt drei Alben der Gruppe von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert. Aufgrund eines Autounfalls konnte Division Germania jedoch nicht wie geplant auftreten.

White Resistance (Weißer Widerstand) aus Schneeberg (Westerzgebirge/Kreis Zwickau) gehört zum Umfeld der verbotenen „Blood & Honour Division Deutschland“. 2006 wurde auf dem Rückweg von einem „Blood & Honour“-Konzert in London die Band am Flughafen Altenburg-Nobitz von Beamten der Bundespolizei Leipzig und Staatsschützern des Landeskriminalamts Sachsen durchsucht. Die Bandmitglieder sowie weitere vier mitgereiste Personen sind auch wegen der gefunden und beschlagnahmten Utensilien dem Netzwerk von „Blood & Honour“ bzw. deren Umfeld zuzurechnen. Konfisziert wurden im Zuge der Polizeiaktion damals unter anderem die Musikinstrumente von White Resistance. Dass es bei Auftritten der Band immer wieder zu Straftaten, kommt zeigt beispielsweise ein Video auf der Internetplattform youtube. Aus der Menge der Zuschauer werden mehrere Hitlergrüße gezeigt.

Überzeugungstäter aus dem sächsischen Vogtland existiert seit 2010. Die erste und bisher einzige Veröffentlichung der Band, das 2012 erschienene Album “Nachkriegs-Schweigen”, wurde von der BPjM indiziert. In einem Interview für eine neonazistische Internetseite äußert sich die Band zu legalen Demonstrationen folgendermaßen: „Sagen wir es mal so. Man sollte defintiv präsent bleiben! Aber ich verurteile niemanden der sich der demorkatischen Möglichkeit der “freien Meinungsäußerung” entgegenstellt. Mir wäre es lieber wenn sich unsere Idee wirklich im Volkskörper verankern würde und dies passiert nun einmal nicht auf Demonstrationen. Für dieses System ist eine unerkannte gesunde Persönlichkeit in der Mitte dieser Gesellschaft viel gefährlicher. Auch wenn man oft gegen gewissenlose Wände redet…“ (Rechtschreibfehler im Original)

Sachsonia aus Dresden existiert seit 13 Jahren und zählt damit zu einer der dienstältesten rechten Rockbands in Deutschland. Seit 1999 tritt die Band von “Udo, Bocki, Carsten, Manu, Karsten” vorrangig in Sachsen auf, absolviert aber auch Konzerte im bundesweiten und europäischen Raum, beispielsweise bei dem Blood and Honour-Netzwerk zuzuordnendem Ian-Stuart-Memorial in Kiew. Ihre Mitglieder nehmen ebenfalls an neonazistischen Demonstrationen teil und sind integriert in der lokalen rechten Dresdner Subkultur um die Freien Kräfte Dresden. Textlich bietet die Band eine Fortsetzung neonazistischer Ideologiefragmente. Titel und Songtexte sprechen für sich: “Stoppt Multi-Kulti”, “Unvergessen” (ein Lied über Horst Wessels) oder “Die linke Neustadt brennt”. Im Song “Amok” heißt es: “Ich sitz hier im Gerichtssaal und seh’ euch ins Gesicht, was ich gleich mit euch mache, das wisst ihr zum Glück noch nicht. Das Urteil ist gefallen, kein Mensch kann es versteh’n, doch in ein paar Minuten werdet ihr den Himmel nie mehr seh’n. Und plötzlich fallen Schüsse, Panik macht sich breit, Blut spritzt nach allen Seiten, es ist endlich soweit: Ich laufe Amok!”. Ihre Sicht auf Deutschland äußerten sie in einem Interview mit dem spanischen “Skinhead Magazine”: “The song is about our people’s situation. That is occupied by Jews, that they make all the laws, …”. Sachsonia kam kurzfristig zu den auftretenden Bands hinzu und wurde von den Veranstaltern nicht angekündigt.

Nordglanz, eine NSBM (National Socialist Black Metal)-Combo, fungierte als Überraschungsband. Die Band aus Frankfurt am Main wurde 1999 gegründet und hat bis dato sechs eigene Alben veröffentlicht. Die Texte drehen sich hauptsächlich um die genretypische völkisch-heidnischen Thematik. Aber auch neonazistische Anklänge sind zu finden, so wird in dem Lied „Wotan strafe England“ der verurteilte Kriegsverbrecher und Stellverteter Adolf Hitlers, Rudolf Heß, als Friedensbringer und Märtyrer stilisiert.

Weiterhin sollte die uns unbekannte Band „Faustrache“ auftreten.

Die „Händlermeile“

Mehrere Verkaufsstände neonazistischer Labels und Projekte wurden von den Veranstaltern angekündigt. Das oben erwähnte Label Gjallarhorn Klangschmiede, das Label PC Records des Neonaziaktivisten Yves Rahmel aus Chemnitz sowie Patrick Schröders Projekte FSN-TV und Ansgar Aryan.

Fazit

Wie durch mehrere Presseberichte bekannt wurde, wussten die zuständigen Behörden seit Donnerstag, dem 10.10.2013, von dem Konzert. Die mittelfränkische Polizei und das örtliche Landratsamt hätten jedoch beschlossen keine Information an die Öffentlichkeit zu geben um „eine Eskalation zu verhindern“. Wer diese Eskalation im mittelfränkischen Hinterland hätte herbeiführen sollen ist jedoch unklar. Auch die Rolle der bayerischen Bürgerinformationsstelle gegen Extremismus (BIGE), ein Zusammenschluss von Landeskriminalamt und Verfassungsschutz, ist bisher im Dunkeln. Es ist üblich, dass diese Stelle bei derartigen Anlässen die betroffenen Kommunen berät.

Das Polizeipräsidium Mittelfranken spricht in einer Pressemitteilung vom 14.10.2013 verharmlosend von „Bandgruppierungen, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden können“. Die Gemeinde Scheinfeld kündigte an die Diskothek einer Überprüfung zu unterziehen. Laut den Nürnberger Nachrichten sollen Schanklizenz, Betriebsgenehmigung und Mietvertrag geprüft werden.

In jedem Falle ist Patrick Schröder, mit behördlicher Hilfe, ein Triumph über seine bayerischen Widersacher aus den Reihen des „Freien Netz Süd“ gelungen. Diese scheiterten erst Ende August mit dem Versuch, ein internationales Rechtsrockfestival im unterfränkischen Ansbach zu veranstalten.