Nazi-Terrorzelle “Legion Werwolf”? – Ableger auch in Bayern

In der Schweiz sorgt die Neonazigruppierung “Legion Werwolf” derzeit für großes Aufsehen. Am 17.07.13 wurden mehrere Wohnungen, Haftzellen und Geschäftsräume in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden durchsucht. Schweizer Medien reden von einer “terroristischen Vereinigung“. Einer der Köpfe der Vereinigung, der Schweizer Sebastien Nussbaumer, befindet seit Mai 2012 wegen einer Schiesserei im Kanton Zürich in Untersuchungshaft. Doch auch in Bayern existiert die “Legion Werwolf”.

Mertingen (Lkr. Donau-Ries), eine Gemeinde im bayerischen Schwaben, ist der Geschäftssitz des Nazimodelabels “Bloodline Streetwear“. Inhaber Harald Frank ist gleichzeitig der Gründer und Präsident der “Legion Werwolf Schwaben“. Die Neonazigruppierung gebärdet sich nach außen wie ein Motorradclub. Brustaufnäher, die eine geografische Zugehörigkeit ausdrücken und überdimensionale Rückenaufnäher die einen Wolfskopf zeigen, sind der Rockerszene entlehnt. Auch der Wahlspruch der Legion (L.F.F.W./ Legion forever forever Werewolf), entspringt diesem Millieu. Über “Bloodline Streetwear” ist auch die offizielle Bekleidung der “Legion Werwolf” zu beziehen.

Bekleidung der “Legion Werwolf” im Onlineshop von “Bloodline Streetwear”

Bekleidung der “Legion Werwolf” im Onlineshop von “Bloodline Streetwear”

Harald Frank hat in seinen 31 Jahren Lebenszeit bereits einige Erfahrungen mit Polizei und Justiz sammeln können. Rund zwei Dutzend Eintragungen weist sein Vorstrafenregister auf, unter anderem wegen NS-Wiederbetätigung, Nötigung und Körperverletzungsdelikten. Und nach wie vor bewegt sich Frank in der militanten Naziszene. So fuhr er am 15.06.2013, zusammen mit dem verurteilten Rechtsterroristen Martin Wiese, zum „Thüringentag der nationalen Jugend“ nach Kahla. Martin Wiese war 2003 aufgrund eines geplanten Sprengstoffattentats auf das Jüdische Zentrum München zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Harald Frank (links) und Martin Wiese (mitte) auf dem Thüringentag in Kahla am 15.06.2013

Harald Frank (links) und Martin Wiese (mitte) auf dem Thüringentag in Kahla am 15.06.2013

Aktivisten der “Legion Werwolf” beteuern derweil die “Sektion Legion Werwolf Helvetia” existiere seit geraumer Zeit nicht mehr. Auch jegliche Bezüge zu der nationalsozialistischen Freischärlerbewegung “Werwolf” werden von ihnen abgestritten. Die Organisation “Werwolf” wurde im September 1944 vom Reichsführer-SS Heinrich Himmler ins Leben gerufen und hatte zum Ziel, Sabotageanschläge zu verüben und die Bevölkerung von einer Zusammenarbeit mit den alliierten Truppen abzuhalten. Diese Distanzierung gelingt Harald Frank nur dürftig. Noch am 11.07.2013 veröffentlichte er auf Facebook ein Propagandabild der historischen Werwolf-Bewegung mit den Worten “So schauts aus!!!“.

Ursprüngliches Logo der nationalsozialistischen "Werwolf"-Bewegung

Ursprüngliches Logo der nationalsozialistischen “Werwolf”-Bewegung

Historisches "Werwolf"-Bild, gepostet von Harald Frank

Historisches “Werwolf”-Bild, gepostet von Harald Frank

Auch nach den Razzien gegen den Kameradschaftsdachverband “Freies Netz Süd” ist Bayern Rückzugsraum für militante Neonazistrukturen. Von der europaweiten Razzia am 17.07.2013, war Harald Frank nicht betroffen. Stattdessen ist die Eröffnung eines Ladengeschäftes von “Bloodline Streetwear” im Landkreis Donau-Ries geplant.