Der Aktionstag des Freien Netz Süd am 30.03.2013

Die bayerische militante Neonaziszene hatte versucht, konspirativ für einen bayernweiten Aktionstag am Ostersamstag zu mobilisieren. Durch mehrere Veröffentlichungen von antifaschistischer Seite konnten jedoch die meisten Kundgebungen und Aufmärsche im Vorfeld bekannt gemacht werden. In den meisten Städten schlug den Nazis Protest entgegen, die Aufmärsche wurden durchweg versucht zu blockieren.

Der 30.03. in chronologischer Reihenfolge

Die erste Kundgebung des Tages gegen 9 Uhr in Ingolstadt. Ca. 12 Nazis hielten hierbei Reden und versuchten Flugblätter zu verteilen. Viel Beachtung fand die Aktion, wohl auch aufgrund des zeitigen Beginns, nicht.

Um 10 Uhr startete die zweite Kundgebung im niederbayerischen Straubing. 12 Personen aus dem Umfeld des “Nationalen Bündnis Niederbayern” nahmen daran teil.

Um 11 Uhr sollte eine weitere Kundgebung in Schwabmünchen starten. Der Beginn verzögerte sich allerdings, da Gegendemonstranten den Kundgebungsplatz besetzt hielten. Leider wurde die Besetzung freiwillig aufgegeben, so dass die Nazis schlussendlich beginnen konnten. In Schwabmünchen gab es den ersten spürbaren Protest gegen das Auftreten der Nazis.

Ebenfalls um 11 Uhr begann eine Kundgebung in Nürnberg. Bis 11:30 Uhr fanden sich 39 Nazis unter starkem Polizeischutz und umsäumt von etwa 500 Nazigegnern am Nelson-Mandela-Platz ein. Öffentlichkeit konnten die eingekesselten Nazis auch in Nürnberg zu keinem Zeitpunkt herstellen. Aus Oberfranken nehmen unter anderem Jan Blümig (Hof/Oberprex), Karsten Singer (Hof), Niko Fritsch (Feilitzsch), Tobias Wunderlich (Wunsiedel) und Lutz Passon (Niedermirsberg) teil. Aus den Reihen der RNJ Vogtland sind Kevin Pahnke (Auerbach), Rico Döhler (Ellefeld) und Steve Stock (Reumtengrün/Dresden) anwesend. Unter den mittelfränkischen Nazis befanden sich beispielsweise Rainer Biller (Nürnberg), Rene Großkopf (Nürnberg), Frank Müller (Fürth), Sascha Kudernatsch (Erlangen- Höchstadt), Martin Hofstetter (Nürnberg) sowie die Anti-Antifa-Aktivisten Stefan Meier (Nürnberg), Sebastian Schmaus (Nürnberg) und Kai- Andreas Zimmermann (Fürth). Als Redner fungierten Matthias Fischer (Fürth) und Uwe Meenen (Würzburg/Berlin)

Für 12 Uhr war ein Aufmarsch im oberbayerischen Freising angekündigt. 22 Neonazis (darunter die 12 die vorher in Ingolstadt in Erscheinung traten) marschierten vom Bahnhof zum verhüllten Kriegerdenkmal und von dort aus zurück zum Bahnhof. Es gab kleinere Blockadeversuche, allerdings leitete die Polizei die Nazis an diesen vorbei.

Kurz nach 13 Uhr erreichte die Gruppe, welche in Schwabmünchen die Kundgebung abhielt Augsburg und begann mit der Aktion dort. Um die 150 Gegendemonstranten fanden sich in Augsburg ein.Entgegen anderslautenden Polizeiberichten versuchte eine größere Personengruppe die Nazis anzugreifen. Das bayerische USK konnte diesen Angriff in letzter Sekunde durch den massiven Einsatz von Pfefferspray abwehren.

Gegen 13:10 Uhr begann die niederbayerische Kleinstgruppe eine Kundgebung in Landshut mit 15 Personen. Auch wenn der Gegenprotest hier recht schmal ausfiel, gab es dennoch Menschen, die den Nazis Paroli boten.

Kurz nach 14 Uhr kam der Zug aus Nürnberg in Kitzingen an und der dortige Aufmarsch sollte beginnen. Da die ursprüngliche Route der Nazis blockiert wurde, musste der Aufmarsch eine geänderte Streckenführung hinnehmen. Der Weg führte einmal um den Bahnhof, die Zahl der Nazis war inzwischen auf ca. 70 angewachsen. Unter den Nazis befanden sich mittlerweile auch Personen aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof kam es ebenfalls zu Blockaden, an denen die Polizei die Nazis allerdings wieder vorbeileitete. Zu den Nazis stossen hier unter anderem die unterfränkischen Aktivisten Matthias Bauernfeind (Himmelstadt), Marcel Finzelberg (Schonungen), der designierte Bezirkstagskandidat der NPD Ralf Mynter (Kist) und der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen NPD Kreisverbandes Deutsche Weinstrasse Klaus Armstroff (Weidenthal).

Um 16 Uhr erreichte der südbayerische Teil der Nazis ihren Endpunkt: Die Agentur für Arbeit in München. Bis zu 50 Neonazis hielten einige Redebeiträge, abgeriegelt von der Polizei und lautstark umgeben von Nazigegnern.

Gegen 16:30 fanden sich die 70 Nazis die zuvor in Kitzingen maschierten in Würzburg ein. Da die Polizei sämtliche Blockaden auflöste, konnten die Nazis ihre geplante Strecke ungestört zurücklegen. Etwa 600 Menschen protestierten entlang der Route gegen die Nazis.

Zudem liefen mehrere Meldungen über den Twitteraccount der Nazis, die von Flugblattverteilungen in diversen Städten berichteten. Da der für uns überprüfbare Teil nicht stattfand, kann davon ausgegangen werden, dass hier teilweise lediglich Aktivität vorgetäuscht wurde.

Die Bewertung der Naziaktivitäten

Etwa 120 Neonazis beteiligten sich an insgesamt 10 Kundgebungen/Aufmärschen in ganz Bayern. Auch wenn es einer gewissen organisatorischen Leistung bedarf einen solchen Aktionstag in dieser Form durchzuführen, dürften die Teilnehmerzahlen an den einzelnen Versammlungen weit hinter den Zielen der Organisatoren zurückgeblieben sein. Es ist dem Freien Netz Süd offensichtlich nicht gelungen, seine eigenen Kreise für diesen Kundgebungsmarathon entsprechend zu motivieren. Insbesondere aus Oberfranken und der Oberpfalz waren extrem wenig Teilnehmer zu verzeichnen. Wenn die Nazis im direkten Anschluss an den Aktionstag von einem Erfolg sprechen, ist dies eher dem zwanghaften Herbeireden einer gelungenen Aktion, als der Realität geschuldet.

Die Bewertung der Gegenaktivitäten

Bis auf die Kundgebungen in Ingolstadt und Straubing konnte jede Aktion der Nazis im Vorfeld bekannt gemacht werden. Trotzdem kam es, außer in Augsburg, zu keiner direkten antifaschistischen Aktion gegen die Nazis, die meisten Gegenaktivitäten hatten einen bürgerlichen Charakter. Da die Nazis zum Teil sehr weite Wege mit dem Zug zurücklegen mussten, wäre an dieser Stelle eine effektivere Behinderung der Naziaktionen möglich gewesen.

Fotos aus Nürnberg auf flickr.com

Fotos aus Kitzingen auf flickr.com

Fotos aus Würzburg folgen