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Redebeitrag: AK Antisexismus

Am vergangenen Wochenende fanden in München die alljährlichen Proteste gegen die NATO-Sicherheitskonferenz statt. Auf der Großdemonstration am Samstag war auch ein Redebeitrag des AK Antisexismus zu hören, den wir an dieser Stelle dokumentieren wollen:

Der AK Antisexismus München hält es für wichtig, in einem Antikriegs-Kontext auf die fundamentale Bedeutung einer patriarchalen Gesellschaftsordnung für Kriegsfähigkeit und Militarismus aufmerksam zu machen. Eine emanzipatorische Antikriegspolitik ist für uns nur im Zusammenhang mit Widerstand gegen die vorherrschende Geschlechterordnung möglich.

Wie und was eine Frau oder ein Mann zu sein hat entspricht keiner natürlichen Ordnung, sondern ist sozial konstruiert. Die jeweiligen Rollenbilder, und die Erwartungen, die mit ihnen verknüpft sind implizeren eine soziale Hierarchie.

Wer sich nicht diesem System zuordnen lässt, oder lassen will, wer nicht zu Genüge den Erwartungen an einen richtigen Mann oder eine richtige Frau entspricht,muss in den meisten Gesellschaften mit Ausgrenzung rechnen und oft sogar um seine physische oder psychische Unversehrtheit fürchten.

Die Militarisierung einer Gesellschaft verschärft diese Tendenz der Normierung gemäß einer bipolaren Geschlechterhierarchie.

Kriegsmobilisierung, Drill und militärisches Selbstverständnis funktioniern über die Kategorisierung in Mann und Frau, also über die tägliche Rollenzuweisung in ein Oben und Unten. Diese patrarchalen Dualismen sind überall als Norm gefestigt, wo Militär präsent ist, und fundamental für die Fähigkeit, Kriege zu führen.

Dass mittlerweile auch biologische Frauen militärische Funktionen ausüben dürfen, ist nur ein scheinbarer Widerspruch: Im modernisierten Patriarchat sind Frauen für das Militär verwendbar, solange die patriarchale Logik gewahrt bleibt. Wenn eine Frau durch ihr Sozialverhalten die gesellschaftliche Hierarchie weiterhin stützt, ist ihr biologisches Geschlecht nebensächlich.

Denn das Prinzip einer bipolaren Geschlechterordnung ist immer noch zentral für die Fähigkeit von Gesellschaften zu Kriegen zu mobilisieren, gleichzeitig verschärft jede Militarisierung einer Gesellschaft den Druck, der durch diese Ordnung auf die einzelnen Individuen ausgeübt wird.
Das bezieht sich nicht nur auf staatliche Systeme mit regulären Armeen, sondern sondern auf jede Gesellschaft, die nach patriarchalen und militaristischen Logiken funktioniert. Aus diesem Grund lehnen wir eine Solidarisierung mit solchen Gruppierungen grundsätzlich ab.

Kriege beginnen nicht erst zu dem Zeitpunkt, wenn zu den Waffen gegriffen wird. Sie sind die Eskalation eines Normalzustandes, dessen Verschärfung in einzelnen Veränderungen sichtbar gemacht werden kann. Aus Ethnizität wird nationalistisches Bewusstsein, aus nationalistischem Bewusstsein Krieg.
Im Krieg wird der extremste Ausdruck der patriarchalen Geschlechterordnung besonders deutlich: Die Ausübung sexualisierter Gewalt durch Männer, die ihren Körper als Waffe zum Zwecke der Unterwerfung einsetzen. Mit dem Einsatz der Waffe „Körper“ werden täglich aufs neue Machtansprüche und Verfügungsgewalt über Frauen und Kinder durchgesetzt. In Kriegsgebieten zählt der Handel mit Frauen meistens zu den wichtigsten ökonomischen Zweigen.

Wir betrachten die herrschenden Geschlechterverhältnisse als grundlegendes Moment für Militarisierung und Kriegslogik. Diese Sichtweise ist keineswegs selbstverständlich. In der Antikriegs- und Antiglobalisierungsbewegung tauchen die Gewaltverhältnisse oft nur als Nebensache und Exzess auf, wenn auf Frauen und Kinder als Opfer von Kriegen aumerksam gemacht wird. In diesem Kontext bleiben Frauen Objekte, die Hierarchisierung wird fortgeschrieben.

Eine antipatrarchale Antikriegsposition muss das Mann-Frau-Konzept als Fundament für Kriegsfähigkeit und Mobilisierbarkeit politisch und praktisch sabotieren!

Unterstützung von kriegerischen Handlungen durch Staaten oder antiemanzipatorische bewaffnete Organisationen können kein positiver Bezugspunkt für uns sein!

Fight war! Fight sexism!


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