25.06. Internationales Straßenfest – gegen Ausgrenzung und Rassismus (update)

UPDATE: Bericht vom Straßenfest auf Indymedia hier

Zusammen wollen wir zeigen, dass praktische Solidarität konkrete Veränderung beinhaltet. Auch in einer wohlhabenden Stadt wie Dachau stellen soziale Missstände eine Tatsache dar. Ob die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in der Unterkunft für Asylsuchende in der Kufsteinerstraße, Mietwucher und hohe Lebenserhaltungskosten, schlechte und prekäre Arbeitsbedingungen oder der ignorante Umgang mit alltäglichem Rassismus und geschichtlichem Revanchismus. Es gibt hier Menschen, die diese vermeintlich normalen Zustände nicht akzeptieren.

Neben kulinarischen Köstlichkeiten wird es Informationsstände, musikalische und künstlerische Darbietungen geben. Am Abend findet im Anschluss ein Konzert im Freiraum statt.
Unterstützt von:
> Freiraum Dachau
> Mieterverein Dachau
> AK Asyl
> Assoziation Autonomer Umtriebe Dachau
> Arbeiterkultur- und Bildungsverein Dachau
> Unabhängige Betriebsgruppe AmperKliniken Dachau
> Move Together
> Stadtkeller

Gemeinsam gegen Abschiebung – Lager – Residenzpflicht – Arbeitshetze – Mietwucher
KEIN MENSCH IST ILLEGAL

Gegen die Herrschaften der falschen Freiheit [MUC]

Für Samstag den 4. Juni ist in München der Gründungsparteitag des bayerischen Landesverbands der rechtspopulistischen Partei DIE FREIHEIT geplant. Gegründet wurde DIE FREIHEIT im Oktober 2010 in Berlin von dem ehemaligen CDU-Abgeordneten René Stadtkewitz. Dieser war zuvor einer der Hauptakteur_innen der rassistischen Kampagne gegen einen geplanten Moscheebau in Berlin. Seit 2008 ist er stellvertretender Vorsitzender der rassistischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE).

Ab heute Abend wird es ein Infotelefon mit einer Ansage (vom Band!) geben, die euch darüber informiert, wo die Veranstaltung der Rassist_innen stattfindet. Es kann unter Umständen sein, dass erst sehr kurzfristig bekanntgegeben wird, wo sich der genaue Veranstaltungsort befindet. Die Nummer des Infotelefons lautet: 0170 9403580

Update des Artikels bei der antifa-nt
ursprünglicher Artikel bei der antifa-nt

Tod dem Tyrannen – Über den Haile Selassie Kult im Reggae

Wer sich mit Reggae beschäftigt, wird sich bei näherer Betrachtung mit diversen Widersprüchen konfrontiert sehen. Vom vermeintlichen „One Love“ ist bei vielen, streng nach dem Kodex der Rastafari lebenden, schnell nichts mehr so vorzufinden wie es am Anfang schien. Der absolute Gipfel ist dann die weit verbreitete Homophobie, welche in vertonten Mordphantasien Ausdruck findet. Auf den „spirituellen“ Begründer der Rastafari, Haile Selassie I., letzter König von Äthiopien, bezieht sich selten Kritik. Wer ist der alte Mann, der uns auf Fahnen und Bildern begegnet, dem so frenetisch gehuldigt wird?

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Bericht zur Antifa-Demo in Bad Reichenhall

Am Samstag, den 21. 5. 2011 demonstrierten über 200 Menschen im oberbayrischen Kurort Bad Reichenhall für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung des Ortes. Die Demonstration war der bisherige Höhepunkt einer Kampagne des Bündnis RABATZ, deren Ziel es ist, auf die geschichtsrevisionistische, militaristische und den Nationalsozialismus glorifizierende Grundstimmung in Bad Reichenhall und der Region aufmerksam zu machen und dagegen zu intervenieren. So ist die lokale Gebirgsjägerkaserne in Reichenhall noch immer nach dem Nazigeneral Konrad benannt, einem der maßgeblichen militärischen Verantwortlichen für den Vernichtungskrieg auf der Krim, alljährlich Mitte Mai gedenken Altnazikameradschaften, Neonazis, Bunderwehrsoldat_innen und lokale Politprominenz, wie der Reichenhaller Bürgermeister Herbert Lackner dem deutschen Überfall auf Kreta vom 20.5.1941, wo sich auch Reichenhaller Gebirgsjäger an den zahlreichen Massakern an der kretischen Bevölkerung beteiligten. So zum Beispiel auch die 5. Gebirgsjägerdivision aus Reichenhall, die am 1.August 1941 das Dorf Skines zerstörte und 148 kretische Zivilist_innen ermordete. Ein Gedenken an die Opfer der Nazis sucht mensch in Bad Reichenhall jedoch vergeblich.

weiterlesen auf linksunten.indymedia.org

21.05.11 VON MITTENWALD NACH BAD REICHENHALL – Für die Entnazifizierung und Entmilitarisierung Bad Reichenhalls

Antifaschistische Demonstration
Termine / Treffpunkte / Programm
- 11:15 Uhr München, Zugtreffpunkt: Hauptbahnhof, Große Anzeigetafel
- 12:15 Uhr Rosenheim, Zugtreffpunkt: Bahnhof
- 14:00 Auftaktkundgebung, Bahnhof Kirchberg (Bad Reichenhall)
- 14:30 Demostart, Bahnhof Kirchberg (Bad Reichenhall)

Aufruf
Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstörte. Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta rufen wir dazu auf, am Sa, 21.05.2011 in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand zu demonstrieren.

Weiterlesen auf badreichenhall.org

Die Dachauer Polizei im Kampf gegen das Böse – Hubschrauber-Einsätze gegen Sprayer

Am Nachmittag des Sonntag, den 20. Februar wurde das ruhige Dachau durch das Geknatter eines Polizei-Hubschraubers in nur ein paar Metern Höhe erfüllt. Man war nicht etwa auf der Spur eines Bankraubs oder dergleichen. Nein, ein Lokführer beobachtete zwischen Dachau und Karlsfeld zwei Leute beim Sprühen. Als pflichtbewusster Bürger verständigte er selbstverständlich die Polizei, welche sich mit konventionellen Methoden bei der Verfolgung der Flüchtigen überfordert sahen. Einen der beiden konnten sie mittels Streifenwagen sofort zu fassen bekommen. Der zweite floh zur Fuß. Also forderten sie einen Hubschrauber der Bundespolizei an. So konnten sie ihm auch habhaft werden. Respekt! Mit soviel Einsatz kann ja nichts mehr schief gehen.

Und weil es so gut geklappt hat machte dieses Beispiel Schule, als keine zwei Woche später in Dachau-Ost am Abend des 2. März, so berichteten die „Dachauer Nachrichten“ am folgenden Tag, die Dachauer Polizei einen „Aufklärungsflug“ über dem Stadtteil durchgeführte, da dort in letzter Zeit vermehrt Sprühereien auftauchen würden. Bei derartig apokalyptischem Vandalismus sehen sich die Augen des Gesetzes genötigt zum Schutze der Bürger_innen vor optischer Belästigung Maßnahmen zu ergreifen, die uns eher aus Actionfilmen bekannt sind.

Wie weit der Verfall in Dachau in Richtung französischer Banlieues fortgeschritten ist, zeigt auch ein Artikel in der Dachauer SZ ein paar Tage nach dem ersten Hubschrauber-Einsatz. Die Polizei wurde benachrichtigt als in einer Grünanlage in der Lovis-Corinth-Straße ein Mülleimer angezündet wurde. Die eintreffenden Beamten fanden diesen allerdings nur noch rauchend vor. Ohne zu zögern klingelten sie am nächstbesten Haus und baten um einen Eimer Wasser, mit welchem sie furchtlos die Glut löschten und so noch einmal weiteres Unheil verhinderten. Sogar der Mülleimer blieb intakt.

Das ist der Stoff aus dem Held_innen gemacht werden.

Aber Spaß beiseite. Vielleicht liegt dem Aufwand mitunter auch die Tatsache zugrunde, dass in Dachau in den letzten Jahren die Sprühereien zunehmen und die früher so stolz präsentierte hohe „Aufklärungsquote“ dieser „Delikte“ schon lange passe ist. Da reicht ein einfaches TatüTata nicht mehr aus. Um das Chaotentum konsequent zu bekämpfen werde zukünftig „versucht, alle Einsatzmittel auszuschöpfen“. Da wird auch gleich das geschundene Polizei-Image wieder ein wenig aufpoliert, das ist ja zum Wohle aller und nur ganz böse Geister machen sich da drüber lustig….

Beschäftigte der Amper Kliniken AG protestieren gegen ihre Arbeitsbedingungen

Artikel auf ungesundleben.org

Beschäftigte der Amper Kliniken AG protestieren gegen ihre Arbeitsbedingungen

Am 5. Dezember organisierten die Dachauer KollegInnen einen Infostand in der zu dieser Jahreszeit gut besuchten Dachauer Altstadt. Unter dem Motto “Wir wehren uns – Dachauer Klinikbeschäftigte” sollte der sozialen Kälte eingeheizt und an die Kämpfe europäischer KollegInnen angeknüpft werden.

Die Beteiligung von Krankenhauspersonal war z.B. in Griechenland, Frankreich oder zuletzt in Tschechien völlig normal. In der BRD kam der Protest gegen sogenannte Sparpakete nicht über symbolische Latschdemos hinaus. Der vom DGB versprochene “heiße Herbst” wird im Aufruf der DachauerInnen als “laues Lüftchen” bezeichnet.

Aber es sollte auch nicht “große Politik” gemacht werden. Ausgehend von der eigenen Lage, sollten alle ArbeiterInnen ohne das Kommando ihrer vermeintlichen StellvertreterInnen, sich selbst zusammenschließen, organisieren und für ihre Belange eintreten. Am Beispiel der Praxis des Konzerns Rhön Klinikum AG, dem die Amper Kliniken AG zu 95% gehört, wurden die daraus resultierenden Arbeitsbedingungen, Kürzungen und die demgegenüber gestellten jährlich steigenden Gewinne des Konzerns an einem konkreten Beispiel der Öffentlichkeit dargestellt. An einer Stelltafel mit Zeitungsartikeln der letzten sechs Jahre konnten die PassantInnen die schrittweisen Einschnitte des Klinikpersonals nachverfolgen.

Fazit: “Wir wollen nicht warten bis uns jemand zur Hilfe eilt – Wir müssen uns selbst helfen”

Das verteilte Flugblatt: Rhön Klinikum AG – Amper Kliniken AG – Und die Beschäftigten
Weitere Infos zur Betriebsgruppe: www.betriebsgruppen.de/bgak

Chronik rechter Vorfälle 2010

In der zweiten Januarwoche wird die Gedenkstätte am ehemaligen „SS Schießplatz“ in Hebertshausen geschändet. Das Mahnmal sowie mehrere Gedenktafeln werden besprüht. Ein rechtsextremer Hintergrund lag nicht vor. Die Täter_innen sind der Sprayerszene zuzurechnen, sie hinterließen das Kürzel „BGS“. (Quelle: Dachauer SZ, Antifa)

Seit Anfang März werden in Dachau massiv neonazistische Sticker verklebt. Im Gebiet um den Dachauer Bahnhof Richtung Schleißheimerstraße tauchen täglich 10 bis 20 neue Aufkleber der NPD-Jugend JN („Junge Nationaldemokraten“, der Münchner Kameradschaften „Freie Nationalisten München“, „Nationale Solidarität Bayern“, sowie Motive einer „Anti Antifa“ auf. Auch das den Titel „Schule mit Courage gegen Rassismus“ tragende Ignaz Taschner Gymnasium wird mehrfach zum Ziel. Ende April ist ein plötzlicher Rückgang zu verzeichnen. (Quelle: Antifa)

In der Nacht vom 26. auf den 27. März wird das selbstverwaltete JUZ FREIRAUM in der Brunngartenstraße ebenfalls mit besagten Stickern beklebt. (Quelle: Antifa)

Am Nachmittag des 27. März veranstaltet eine Gruppe von 30 Punks am Dachauer Bahnhof ein Punk´s Picknick. Im Verlauf des Abends wird dort ein Punk, der sich alleine von der Gruppe entfernt, von einer Gruppe Rechter durch Faustschläge im Gesicht leicht verletzt. (Quelle: Antifa)

Während des Indersdorfer Volksfestes vom 7. bis 16. Mai tauchen zwischen Festwiese und Bahnhof Aufkleber aus JN und Kameradschaftsspektrum auf. (Quelle: Antifa)

Im Mai werden Tags einer „Gang Blue Army“ (1860) in der Unterführung der Frühlingsstraße am Dachauer Bahnhof geschmiert. Dort fordern sie einen „National Riot“. (Quelle: Antifa)

Anfang Juni wird einem 19 Jährigem Puchheimer gerichtlich eine Führung durch die KZ Gedenkstätte in Dachau verordnet. Der Jugendliche hatte im Februar während einer Busfahrt nach Puchheim eine dunkelhäutige Frau und ihr Kind mit Aussagen wie „Negerschlampe“, „Du bist eine Rassenschande“, „Mischlingskinder sind Scheiße“ bedrängt. Obwohl die restlichen Insassen nicht einschritten setzte sich die Betroffene verbal zur Wehr. Daraufhin zeigte der 19 Jährige den Hitlergruß. (Quelle: Dachauer SZ, Dachauer Nachrichten)

Am 18. Juni stirbt der ehemalige Dachauer Arzt Dr. Hans Joachim Sewering im Alter von 94 Jahren. Sewering trat 1933 der SS bei und war als SS Arzt in Schönbrunn beschäftigt. 1943 war er an der Verlegung von Behinderten ins Krankenhaus Haar beteiligt, wo sie der Euthanasie zum Opfer fielen. Sewering bestritt bis zum Schluss jegliche Verantwortung dafür. Seiner späteren Karriere hat es nicht im geringsten geschadet. Nach 1945 wurde er Mitglied der CSU, bekleidete das Amt des Präsidenten der Bundesärztekammer. Unter öffentlichem Druck verzichtete er 1993 auf einen Posten im Präsidialamt des Weltärztebundes. Der Berufsverband der Deutschen Internisten verlieh ihm noch 2008 seine höchste Auszeichnung. (Quelle: Dachauer SZ)

Am Karlsfelder Siedlerfest vom 26. Juni bis 5. Juli wurde ein einzelner 19 jähriger Kosovare auf dem Nachhauseweg von einer Gruppe Deutscher als “Scheiß Kanacke” beschimpft. Der 19 jährige holte daraufhin sein Radkreuz aus dem Auto, ging damit zu der Gruppe zurück und gab dem, der ihn beleidigt hatte eine Ohrfeige. Der Geohrfeigte sprühte dann, von der Situation überrascht, mit Pfefferspray auf seinen Angreifer. Das Gericht bestrafte aber groteskerweise den Kosovaren mit einem Wochenendarrest. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

Im Zeitraum Juni bis August hängen unregelmäßig rechte Jugendliche am Bach hinter dem Sparkassenplatz ab. Zur gleichen Zeit müssen auch vereinzelte Aufkleber des neonazistischen „Freien Netz“ aus Thüringen/Sachsen entfernt werden. Später dominieren wieder Punks und migrantische Jugendcliquen den Platz.(Quelle: Antifa)

Anfang Juli wird ein 42 Jähriger Dachauer vom Amtsgericht zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er seine Frau geschlagen, getreten und gewürgt hatte. Vor Gericht erscheint der wegen mehrerer rechtsextremer Delikte Vorbestrafte in einem T Shirt mit der Aufschrift „Schwerttag ist Bluttag – Streiter Wotans“. (Quelle: Dachauer SZ)

Am ersten Wochenende des Dachauer Volksfestes sind am 7. August vereinzelt Personen aus dem rechtsextremen Spektrum anwesend. (Quelle: Antifa)

Im Gespräch mit der Lokalpresse springt der Dachauer Unternehmer und SPD Stadtrat (Referent für Integration) Horst Ullmann am 4. September auf einen fahrenden Zug, indem er den Aussagen von Thilo Sarrazin „teilweise recht“ gibt. Sarrazin hatte mit antisemitischen, rassistischen Bekundungen eine Tür im bürgerlichen Diskurs aufgestoßen und rassistische Ressentiments bedient. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

In einer Meldung vom 21. September behauptet das neonazistische „Freie Netz Süd“ auf ihrer Homepage, an der Berufsschule Dachau mit Parolen („Kein deutsches Blut für fremde Interessen“ versehene Papierschnipsel gegen die Bundeswehr verteilt bzw. geworfen zu haben. (Quelle: Antifa)

Am ersten Wiesn-Wochenende pöbelt am 24. September ein Dachauer Oktoberfest-Besucher am Bahnhof Dachau eine asiatische Frau mit den Worten „Drecks Schlitzaugen“ an. Die Rechnung kam jedoch prompt: Ein Jugendlicher wirft ihm einen vollen Cola Becher ins Gesicht und verschwindet in der S Bahn. (Quelle: Antifa)

Ebenfalls am 24. September wird am Josef Effner Gymnasium Dachau eine Toilettenkabine im Jungenklo mit Hakenkreuz und neonazistischen Parolen („Entweder Juden und Türken gehen freiwillig oder wir helfen ihnen. Nazis haben recht. Wir töten euch. Raus“, „Tötet alle Juden und Türken“ beschmiert. Die Schule schaltet den Staatsschutz ein. (Quelle: Antifa, Dachauer SZ)

Am 15. Oktober meldet das neonazistische „Freie Netz Süd“ Flugblätter in Allach verteilt zu haben. Darin fordern sie „Keinen Cent für Griechenland“. (Quelle:Antifa)

Nach einem wissenschaftlichen Symposium zur Verstrickung der katholischen Kirche in das „Euthanasie-Programm“ der Nazis in Schönbrunn am 28. Oktober gerät das dortige Franziskuswerk schwer unter Druck. .Mit einer Arbeit der LMU Mitarbeiterin Annemone Christians werden bereits gängige Annahmen durch vorherige Forschungen noch weiter untermauert, dass der damalige Direktor Prälat Josef Steininger mit den Nazis kooperierte und wusste, dass die Deportationen von geistig behinderten Menschen aus Schönbrunn nach Haar deren Tötung zur Folge haben würde. Auch die Rolle des kürzlich verstorbenen SS Arztes Hans Joachim Sewering kommt zur Sprache. Er soll an neun Deportationen nachweislich beteiligt gewesen sein, was dieser bis zu seinem Tod im Juni 2010 kategorisch abstritt (siehe oben). Von über 1000 Bewohner_innen 1939 überlebten 1945 nur 293 die Euthanasie. Das Franziskuswerk an der Prälat Steininger Straße in Schönbrunn ist mit über 1000 Beschäftigten einer der größten Betriebe im Landkreis Dachau und feiert dieses Jahr sein 100 jähriges Bestehen. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

In einem ausführlichen Artikel in der Dachauer SZ vom 2. November werden die Kooperationen von Prälat Steininger und Sewering mit den Nazis präziser verdeutlicht. Steininger habe sich bereits vor dem Beginn des „Euthanasie-Programms“ 1940 der Nazi-Herrschaft bei Zwangssterilisationen von geistig behinderten Menschen „als Vorbild“ gezeigt. Weiter: „Sicher ist nach den nun vorliegenden Forschungsergebnissen nur eines: Weder Steininger noch Sewering versuchten jemals Leben zu retten.“ Landrat Hans Jörg Christmann (CSU) wollte sich zu den Vorwürfen gegen seinen ex-Parteikollegen nicht äussern. Nur, dass er ihn als “väterlichen Freund” in Erinnerung habe. (Quelle: Dachauer SZ)

In der Nacht vor dem Neonaziaufmarsch am 13. November in München werden am Petershausener Bahnhof Sticker mit der Aufschrift “Antifa Gruppen zerschlagen” verklebt. (Quelle: Antifa)

Ein 19 jähriger Schüler hatte im Rahmen des Kunstunterrichts ein Hakenkreuz auf braunem Untergrund gemalt. Bei der Gerichtsverhandlung im November beteuerte er kein rechtes Gedankengut zu pflegen. Der Jugendrichter lässt das Verfahren im Einvernehmen mit der Staatsanwältin einstellen. Der Schüler muss nur 100 Euro an die Lagergemeinschaft Dachau zahlen und an einer Führung durch die KZ Gedenkstätte teilnehmen. (Quelle: Dachauer SZ)

Vergessene Hausbesetzung in Röhrmoos/Landkreis Dachau

Von 1993 – 94 wurde das Bahnhaus am Röhrmooser Bahnhof von einer Gruppe Jugendlicher besetzt und über ein Jahr lang gehalten. Das Objekt konnte wohl größtenteils deshalb länger gehalten werden, da die Besetzung bewusst nicht sofort an die Öffentlichkeit getragen wurde (so genannte stille Besetzung). Das ist zwar nicht so spektakulär wie die großen Beispiele aus den groooßen Metropolen, aber es muss bedacht werden, dass auch Mitte der Neunziger in der Post-F.J.Strauß-Ära in Bayern weiterhin die 24 Stunden-Regel galt und bis heute gilt. Diese besagt, dass kein Gebäude länger als 24 Stunden besetzt sein darf, was ihre Räumung unter meist paramilitärischen Mitteln zur Folge hat.

Schaut man sich im Umkreis München nach Besetzungsversuchen um, wird’s schnell dürftig. Die Initiative Robin Haus versuchte 2003 ein Gebäude an der Donnersberger Brücke zu besetzen und nach der 24h-wegräumen-Regel mit einer Freiraum Tage-Kampagne vergeblich weiter dafür zu mobilisieren. Vor 3 Jahren besetzte eine kleine Gruppe Punks ein Haus in der Münchner Westendstraße (http://hausbesetzerinnensoli.blogsport.de/). Nachdem sie sich militant gegen die Räumung zur Wehr setzten, hocken die Aktivist_innen immer noch im Jugendknast. Aktuell ist mit dem Wagenplatz Stattpark Olga an der Dachauer Str./Schwere Reiter Str., ein Projekt mit Kreativität, Durchhaltevermögen und etwas Glück, in München wieder ein Grund zur Hoffnung vorhanden.

In Dachau gibt es eigentlich nichts, was es wert wäre, an dieser Stelle erwähnt zu werden, natürlich mit Ausnahme des selbstverwalteten Freiraum-Dachau, allerdings wurde dieser nicht mittels einer Besetzung durchgesetzt, auch wenn dies zeitweise in Erwägung gezogen wurde. Das Haus am Bahnhof in Röhrmoos ist dort fast niemandem mehr ein Begriff. Das soll sich hiermit ändern.

Ein Gespräch mit einem damals Beteiligten:

Kannst Du kurz etwas zur Vorgeschichte erzählen wie es dazu kam?
*Eine Gruppe Röhrmooser Jugendlicher, hat sich – teilweise inspiriert von den Hausbesetzer_innen der 80er und 90er Jahre, teilweise aus Mangel an Freizeitangeboten – Anfang der 90er entschlossen, die leerstehende Bahnmeisterei am Röhrmooser Bahnhof als Ort für selbstbestimmte Freizeitgestaltung zu nutzen. Natürlich waren weder Bahn noch Gemeinde sonderlich begeistert und immer häufiger bekamen wir Besuch von der Polizei. Ich stieß erst im Jahre 1994 dazu.*

In welcher Weise wurde das Haus genutzt (z.B. täglich)? Wurde nur abgehangen oder gab es auch Veranstaltungen oder gar andere Initiativen?
*Es war eine wenig politische Angelegenheit, es ging im wesentlichen um selbstbestimmte Freizeitgestaltung. Eine S-Bahn-Station weiter war das Ballroom. Ein Lokal mit Konzertsaal, die sich zu einer zentralen Location der Region für Alternative Events entwickelt hatte. Zu Konzerten und Parties der Schwarzen Szene reisten die Leute teilweise bis aus Hamburg und Hannover an. Und das war kein Einzelfall. Vor allem aber ging dort der Punk ab. Viele Konzertbesucher_innen von außerhalb schliefen nach dem Konzert im Haus, wenn keine S-Bahn mehr fuhr*

Welchen subkulturellen und politischen Background hatten die Besetzer_innen?
*Obwohl man es vielen nicht ansah, zählten sich die meisten zur Punk-Szene oder deren Ausläufern. Aber man war tolerant, auch ein Raver, ein Hiphopper und ein Metaller aus dem Hinterland gehörten dazu. Es gab wohl vereinzelt Kontakte zur Antifa und zur PDS in München, aber politisch aktiv werden wollten die meisten nicht. Aber Interesse und Grundhaltung der meisten konnte man schon als politisch eindeutig links bezeichnen. Wir waren geprägt vom Ende der DDR, Hafenstraße, Mainzer Straße, Mölln, Solingen, Rostock-Lichtenhagen und natürlich den Chaostagen von Hannover.*

Wie wurde von offizieller Seite, also der Gemeinde Röhrmoos, auf das Projekt reagiert? Gab es Schikanen, Räumungsandrohungen bzw. -versuche?
*Ständig. Es gab immer wieder Drohungen seitens der Gemeinde, sinnlose Gespräche. Im Zuge der Trassenerweiterung für den ICE war das Schicksal des Gebäudes ohnehin besiegelt. Die Angebote der Gemeinde waren nicht attraktiv für die meisten Röhrmooser Jugendlichen. Und für die Nicht-Röhrmooser_innen erst recht nicht.

Hat das Haus auch andere Jugendliche angesprochen?
*Ja. Wie gesagt knüpften wir Kontakte zu Punks von außerhalb und hatten immer wieder Besucher_innen aus allen Teilen des Landes und ein großer Teil der Stammclique war aus der Kreisstadt oder anderen Gemeinden. Einige sogar aus München. Leider zog es auch weniger sympathische Zeitgenoss_innen an. Leute mit harten Drogen, Randalierer_innen, Gewalttäter_innen…*

Gab es Probleme mit Faschos?
*Das Haus war mehrmals Ziel von Angriffen durch Rechtsextreme. Einmal gerieten eine Horde von 30 Nazi-Schweinen an eine unserer Geburtstagsparties. Wir waren 20, die Hälfte davon Mädchen. Im Laufe des Abends eskalierte die Situation. Einer der Nazis schoss mir dabei mit der Gaspistole ins Gesicht. *

Warum ist das ganze dann zu ende gegangen, bzw. hätte der Abriss verhindert werden können?
*Vandalismus und verantwortungsloses Verhalten der Jugendlichen hatten zwischenzeitlich dazu beigetragen, dass das Haus immer mehr verfiel. Es war unorganisiert und wild und die meisten verweigerten sich der Verantwortung, die aus dem Betrieb eines solchen Hauses ergibt. Wir hatten auch keinerlei ausgeprägten theoretischen Background, sondern machten einfach was wir wollten, so ergab es sich, dass es keine “letzte Schlacht” um das Haus gab. Es gab einige Monate zuvor lediglich einen Angriff auf einen Zug voller neuer BMWs, die sich auf der Fahrt nach Ingolstadt befand und ca. DM 20.000.- Sachschaden verursachte. Der Güterzug wurde vom Haus aus mit Steinen und Dachziegeln beworfen. Der komplette Zug musste zurück nach München, repariert und neu lackiert werden. Leider wurden einige der angeblich Beteiligten verurteilt.*