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Zur Vorbeugung, vielleicht bereits aufgetretener, Missverständnisse:

aaud ist keine Organisation
aaud ist ein Zusammenhang, eine Chiffre, alllerhöchstens eine Karikatur einer Organisation.
Es gibt weder Satzung, Protokolle oder gar eingetragene Mitgliedschaft.

Die [aaud] unterstützt und initiiert soziale Kämpfe im vermeintlich ruhigen Hinterland. Unsere Sprache ist vielleicht Einigen zu vulgär oder nicht anspruchsvoll genug. Wer hoch vergeistigte Pamphlete erwartet, ist hier an der falschen Stelle. Wenn wir nicht täglich mit dem „verdienen“ unseres Lebensunterhalts beschäftigt wären, sähe das eventuell anders aus. Die soziale Frage ist für uns beantwortet bevor sie gestellt wurde. Wir setzen uns mit der Geschichte der Ausbeutung auseinander, weil wir sie ertragen müssen und nicht länger ertragen wollen.

„Autonom hieß für uns: autonom von politischen Gruppen, autonom von den Gewerkschaften, autonom von den Parteien.“ (Gianni Sbrogió, Aktivist der Arbeiter_innenautonomie Porto Marghera)

politische Grundsätze
Die herrschende Klasse behauptet stetig, dass mit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation des weltweiten, allumfassenden Kapitalismus das Ende der Geschichte erreicht wäre. Mit der bürgerlichen „Demokratie“ als Zusatz, sind in diesem System jedoch nur die Freiheiten der Ausbeutenden gesichert. Innerhalb des Systems ist keine Gerechtigkeit möglich, da das kapitalistische System auf Besitz der Produktionsmittel in den Händen einer Minderheit basiert, die eine Einteilung der Menschen in „Ober“- und „Untermenschen“ voraussetzt, Ausbeutung zu ihrem Prinzip macht. Politischer Einfluss wird nur durch die alle paar Jahre stattfindende Wahl der Intensität der Ausbeutung gewährt und soll letztendlich nur verschleiern, dass politische Interessen den ökonomischen untergeordnet waren und sind.
Eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse kann nur durch die Beseitigung ihrer Ursachen langfristig gelingen:
Durch eine soziale Revolution! Die Abschaffung der Herrschaft des Menschen über den Menschen. Für eine klassenlose, herrschaftsfreie Gesellschaft

Arbeiter_innenkampf
…trifft den Kapitalismus an seinen Wurzeln!! Hier soll der reibungslose Ablauf des kapitalistischen Ausbeutungs- und Verwertungsprozesses garantiert werden. Die grundsätzlichen Widersprüche treten dort oft sehr offen zu Tage.
Wir kämpfen in den Betrieben für die Stärkung der Klassensolidarität, versuchen in unserer Arbeit die psychische Unterjochung aller Lohn abhängigen Menschen durch direkte Aktionen anzugreifen und durch Tageskämpfe den sozialen Status unserer Kolleg_innen zu erhalten und auszubauen. Wir versuchen von innen einen selbstorganisatorischen Prozess in Gang zu setzen und nicht das vorhandene Potential zu institutionalisieren, wie Gewerkschaften es praktizieren. Auch wenn es punktuell zu Zusammenarbeit mit Betriebsräten und Gewerkschaft kommt, werden wir nicht bei der klassischen Forderung nach z.B. mehr Lohn stehen bleiben und die restlichen Bedürfnisse unserer Kolleg_innen außer Acht lassen, die weit über die Missstände am Arbeitsplatz hinausgehen und -wirken (Miete, Schulden, familiäre Probleme, soziale Isolation…). Der Kapitalismus endet nicht vor der Haustür! Wir kämpfen gegen jede Vereinnahmung von Arbeiter_innenkämpfen durch betriebsferne Kräfte, für die Selbstorganisation von unten und die Autonomie im Kampf. Wir wollen alles!

„Arbeitskraft bezeichnet die ArbeiterInnen als variables Kapital, Produktionsfaktor, der ausgebeutet wird. ArbeiterInnenklasse hingegen ist die Eroberung einer kollektiven politischen Macht durch die Verweigerung der Verausgabung von Arbeit.“

Antifaschismus
Dachau ist die Stadt mit dem ersten Konzentrationslager in der Herrschaft des Nationalsozialismus. Das im März 1933 errichtete KZ Dachau wurde zum Prototyp für die spätere systematische Vernichtung von Millionen Menschenleben.
Mittlerweile hat sich in der offiziellen Stadtpolitik ein Konsens etabliert, Dachau als „Lern- und Erinnerungsort“ zu präsentieren. Vergessen scheint die Zeit bis Mitte der Neunziger Jahre als durch die Bank v.a. konservative Lokalpolitiker_innen ihre geschichtliche Vergesslichkeit permanent betonen mussten. Ohne diese Entwicklung per se als negativ zu verurteilen, reichen diese Bekenntnisse unseres Erachtens nicht aus. Es ist Geschichtspolitik im Sinne der herrschenden Klasse. Wird hier lokal der kommunistische/sozialdemokratische Dachauer Aufstand gekonnt ignoriert, werden bundesweit Deutschnationale, wie die Gruppe Wehrmachtsoffiziere um Stauffenberg, als „Widerstandskämpfer“ im Sinne des „neuen Deutschlands“ abgefeiert.
Ebenso doppelzüngig verhält es sich mit rassistischen bis offen neonazistischen Vorfällen im hier und jetzt. Wie die jüngste Vergangenheit in Dachau gezeigt hat tun sich viele schwer die Dinge beim Namen zu nennen. Daher behalten wir uns vor gegen Rassismus, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und Neonazismus konsequent und offensiv vorzugehen. Der moderne Neonazismus gibt sich gerne rebellisch, „revolutionär“, sogar „sozialistisch“. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch ganz schnell, dass es sich ausschließlich um leere Worthülsen handelt. Faschistoides Gedankengut war noch niemals revolutionär. Es war stets der Superlativ des Status quo, die Absolutheit von Ausbeutung und Patriarchat, Unterdrückung und militaristischer Aggression. In die sogenannte „Volksgemeinschaft“ wurden und werden Menschen hinzu und heraus definiert.
Unter diesen Gesichtspunkten erscheint uns eine offensive antifaschistische Gegenbewegung auf allen gesellschaftlichen Ebenen mehr als nur notwendig.

Freiräume
Die Erkämpfung eines selbstverwalteten JUZ vor Ort war als Rückzugsgebiet gedacht, wo sich Jugendliche fernab des Konsumwahns austauschen, informieren und auch organisieren, eigene Ideen verwirklichen, können. Selbstverwaltung als ein für alle ständig lehrreicher Aspekt für ein solidarisches Miteinander in einer leider entsolidarisierten Gesellschaft. Außerdem bietet ein minimaler Freiraum die Möglichkeit des verbesserten Austauschs verschiedener sozialer Kämpfe und einen verbesserten Umgang der einzelnen Subkulturen. Dennoch soll der FREIRAUM nicht zum bloßen Partykeller mit alternativem Touch verkommen. Er wurde erkämpft und nicht erbettelt. Eine, wenn auch erkämpfte, Nische um ihrer Selbstzweck Willen kann nicht das Ziel sein. Ein Freiraum kann höchstens Ausgangspunkt für weitere soziale Emanzipation sein. Ob gegen existierende Armut, rassistische Ausgrenzung von Flüchtlingen und Migrant_innen, oder den Dachauer Mietwucher.

All die genannten Anstrengungen sind gleichermaßen wichtig und doch reichen sie bei weitem nicht aus. Statt in Theoriezirkeln zu versauern oder in blinden Aktionismus zu verfallen, haben wir uns entschlossen von der Basis aus langfristig Veränderungen herbeizuführen. Wir wollen weder verklärte „Arbeiterromantik“ noch selbstgerechtes „Szene-Ghetto“, weder vor Moral triefende Gerechtigskeitsapelle, noch eiskalten Ökonomismus. Wir wollen leben und gegen die ganze Scheiße (auch kapitalistischer Normalzustand genannt) etwas unternehmen. In einer älteren Schrift steht, wir hätten nichts zu verlieren außer unsere Ketten. Deshalb schreien wir mit all unserer Wut, Leidenschaft und Phantasie:
„Die Revolution ist großartig! Alles andere ist Quark.“

“Die von mir gemeinte Autonomie ist die Klassenautonomie…Autonomie in der doppelten Form: als Klassenbewegung, die Bewegung der Arbeitskraft gegen das Kapital, die Bewegung des Arbeiters als Subjekt der Produktion gegen seine gleichzeitige als Objekt der Verwertng. Aber auch und zugleich über den Fabrikbereich hinausgehend: als Tendenz oder Bewegung der abhängigen Massen gegen den Versuch des Kapitals, diese abhängigen Massen als Objekte der Umsetzung des Mehrwerts in Profit, als Konsumobjekte zu betrachten. In beiden Fällen bedeutet Autonomie den Versuch….der Klasse in ihrem Kampf um die Befreiung sich selbständig von der Kapitalbewegung, von der Zyklenbewegung des Kapitals zu machen…Klassenautonomie bedeutet…daß die Klassenbewegung als Emanzipationsbewegung, als Bewußtwerdungsprozess völlig unabhängig vom ökonomischen Zyklus verläuft…Während in der BRD in der Fabrik der Aufstand der Arbeiter gegen die Verwertung immer noch sehr zurück ist…hat in der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion der Aufstand der Gebrauchswertorientierung gegen die Tauschwertorientierung eher konkretere Formen angenommen…Autonomie von der Kapitalbewegung kann sich ausdrücken, wie in der BRD, als Absage an die Tatsache, daß ein jeder von uns eingespannt ist in den Realisierungsprozess auf dem Markt und sich dagegen wehrt…Autonomie bedeutet…nicht eine Absage an das Organisationsprinzip, wohl aber eine Absage an irgendeine Organisation, die ein eigenes Organisationsinteresse entwickelt, das nicht mehr das Klasseninteresse ist…Was ich sagen will: Klassenautonomie ist nicht organisationsfeindlich. Vielmehr sind die traditionellen Organisationen nicht mehr in der Lage, Klasseninteressen zu vertreten”
( Johannes Agnoli )