Chronik 2008

Zum Jahreswechsel 07/08 bezieht ein neuer Pächter die „Lokalbahn“ am Stadtbahnhof. Nazis wollen dort scheinbar nicht mehr verkehren, da es sich um einen dunkelhäutigen Menschen handelt. Im Januar werden die gesamten hölzernen Außenausstattungen der „Lokalbahn“ Richtung Bahnsteig zertrümmert. (Quelle: Antifa)

Am 1. März wird das selbstverwaltete JUZ Freiraum in der Brunngartenstr. eröffnet. In den Wochen darauf tauchen vom Fuß des Karlsbergs bis zur Amper–Brücke Aufkleber der Kameradschaft „Freie Nationalisten München“ mit der Aufschrift „München wird deutsch“ auf. (Quelle: Antifa)

Bei den Kommunalwahlen am 2. März verliert das, zuletzt für die „Republikaner“ gewählte, Kreistagsmitglied Gernot Jellinek seinen Sitz, da er nicht mehr kandidiert hat.*

Im April wird am Petershausener Bahnhof eine junge Frau von fünf Rechten angepöbelt.(Quelle: Antifa)

Die Dachauer SZ berichtet am 5. April über antifaschistische Aufkleber, die immer wieder die Gedenktafeln des Wegs des Erinnerns am Bahnhof „verunzieren“. Eine Meldung über die Nazi-Schmierereien des Vorjahres war der SZ anfangs keine Meldung wert. (Quelle: Dachauer SZ)

Ende Mai wird Dachauer NS Arzt Hans Joachim Severing vom „Berufsverband der Deutschen Internisten“ ausgezeichnet. Severing, der 1933 der SS, 1934 der NSDAP beitrat, betreute als SS–Arzt die „Heil- und Pflegeanstalt“ in Schönbrunn bei Röhrmoos. Dort war er auch verantwortlich für Patient_innen-Verlegungen ins Bezirkskrankenhaus Haar, welche dort dem Euthanasie Programm zum Opfer fielen. Historiker_innen schätzen, dass 900 Pfleglinge aus Schönbrunn ums Leben gekommen sind. Severing behauptet bis zum heutigen Tag nichts davon gewusst zu haben. Nach 1945 trat er der CSU bei und war zeitweise Präsident der Bundesärztekammer. Der einzige öffentliche Protest kam vom Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer. (Quelle: Dachauer SZ)

Seit Ende August mobilisiert das Bündnis von Bürgerinitiativen gegen die 3. Startbahn „aufgeMUCkt“ für eine Demonstration am 6. September in München unter dem rechtspopulistischen Motto: „Wir sind Bayern – Großdemonstration für die Bewahrung unserer Heimat“. Kritische Anfragen an „aufgeMUCkt“ wurden allesamt ignoriert. Auch nach der Demonstration läuft die Kampagne unter dem Motto weiter. (Quelle: aufgeMUCt)

In der Nacht vom 2. auf den 3. September tauchen in Dachau und im Landkreis (Schwabhausen, Oberroth, Vierkirchen, Röhrmoos) mehrere hundert Wahlplakate der NPD auf. Hauptsächlich an den Einfall–Straßen, sowie in der Nähe der KZ–Gedenkstätte. Dafür flächendeckend an jedem geeigneten Punkt. In der Schleißheimerstraße und der Theodor Heuss Straße werden dazu noch Aufkleber der NPD Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten (JN)“ mit der Aufschrift „Kampf der Rotfront – Anti Antifa organisieren“ verklebt.

Die Welle der bürgerlichen Empörung ist größer als erwartet. Politiker_innen sämtlicher Parteien, außer der CSU natürlich, melden sich zu Wort. Die einzig glaubhaften Äußerungen kommen wieder einmal von Max Mannheimer.

Groteskerweise bittet die Stadt die NPD einige Plakate wieder zu entfernen und behauptet sogar sie wäre dem nachgekommen. Doch es war nicht die NPD. Jugendliche und Antifaschist_nnen erledigten das selbst. Binnen weniger Tage sind alle Plakate restlos verschwunden! Das hat bei der Dachauer Bevölkerung einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen, als das offizielle Gesülze. Der Stadtrat beschließt im Oktober ein Plakatierungsverbot in der Gegend um die Gedenkstätte.(Quelle: Antifa, Dachauer SZ)

Im September wird ein Jugendlicher abends am Dachauer Bahnhof von 2 Rechtsextremen tätlich angegriffen, konnte sich aber erfolgreich zur Wehr setzen. (Quelle: Antifa)

In der Nacht des 25. Oktober kommt es in Dachau zu einem Übergriff, als zwei Personen einen Bekannten besuchen wollen. Die beiden sind stark alkoholisiert und fallen in den Gartenzaun einer Pizzeria über der sich die Wohnung des Bekannten befindet. Als eine Mitarbeiterin an der Tür klingelt brüllen sie „Scheiß Itaker“ aus dem Fenster. Dann kam der dort wohnhafte mit zwei Stuhlbeinen bewaffnet nach draußen, wobei er eines sofort auf die Mitarbeiterin warf und sie im Gesicht verletzte. Ihr zur Hilfe geeilter Vater konnte den Angreifer entwaffnen und ins Gebüsch werfen. Bei Ankunft der Polizei riefen die Täter „Heil Hitler“. (Quelle: Dachauer SZ)

Am 8. November berichtet die Dachauer SZ über ein Mitglied des rechtsextremen „Front National“ aus Belgien, der im internen Kreis ein Schmählied über ein jüdisches Mädchen im Dachauer KZ gesungen hat. (Quelle: Dachauer SZ)

Im November wird ein Jugendlicher aus Dachau verurteilt. Er hatte auf dem Dachauer Volksfest im Zuge einer Pöbelei nach seinem Rausschmiss „Sieg Heil“ gerufen. (Quelle: Dachauer SZ)

Ebenfalls im November tauchen in der Rothschwaige zwischen Dachau und Karlsfeld Aufkleber des „Wikinger Versandes“ aus Geiselhöhring auf. (Quelle: Antifa)

* Richtigstellung vom 16.02.2012 – Der vorherige Text lautete: Bei den Kommunalwahlen am 2. März verlieren die restlichen fraktionslosen „Republikaner“ Robert Konopka und Gernot Jellinek ihre Sitze im Stadt- bzw. Kreistag. (Quelle: Landratsamt Dachau)