Chronik 2017 zu rechten und rassistischen Vorfällen in Dachau und Umgebung

Am 14. Januar wird in der Frühlingsstraße auf ein geparktes Auto mit polnischem Kennzeichen ein Hakenkreuz auf die schneebedeckte Motorhaube gemalt. (Quelle: Antifa)

Der Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck der „Alternative für Deutschland“ (AfD) hält am 16. Januar in Maisach einen Stammtisch ab. Geladen ist der Kreisvorsitzende Nürnberg/Schwabach und jetzige bayerische Landeschef Martin Sichert. Er referiert über das Thema „Soziale Alternative – wie wir unseren Sozialstaat erhalten“. Erst wenige Tage davor wird bekannt gegeben, dass die Veranstaltung im Bräustüberl Maisach stattfindet. Sichert steht, wie die Kreisvorsitzende Linda Amon (Germering) und Aushängeschild Florian Jäger (Olching) der innerparteilichen völkischen Strömung „Der Flügel“ nahe. Ebenfalls anwesend ist der „Flügel“ Mann Thomas Thiel (Würzburg), sowie Wilfried Biedermann (AfD München-Ost) und Bernhard Ziemniok (AfD München-West). (Quelle: Antifa)

Die Dachauer AfD hält am 26. Januar einen Stammtisch im Augustenfelder Hof in der Schleißheimer Straße ab. Es wird nicht in sozialen Netzwerken geworben. (Quelle: Antifa)

Die rassistische Kleinstgruppierung „Der Schild“ um den ehemaligen Dortmunder Neonazi-Aktivisten und verurteilten Schläger Lukas Bals bekennt sich dazu, in der Nacht des 26. Januar auf dem Schulhof des Ignaz Taschner Gymnasiums an der Schleißheimer Straße Papierschnipsel mit der Aufschrift „Islamisierung tötet“ verteilt zu haben. Auf Facebook veröffentlicht „Der Schild“ ein unscharfes Foto mit den am nassen Boden liegenden Schnipseln. Begründet wird die Aktion damit, dass das Taschner Gymnasium Geld für Flüchtlingsklassen gespendet hat und den Titel „Schule mit Courage gegen Rassismus“ trägt. Man gehe gegen „Multikulti Indoktrinierung“ vor. Am selben Abend findet im 100 Meter weiter gelegenen Augustenfelder Hof ein AfD Stammtisch statt. Der Dachauer AfD Ortsvorsitzende Markus Kellerer setzt unmittelbar nach Veröffentlichung sein „like“ unter das Facebook-Bekennerschreiben. Lukas Bals folgt Kellerer daraufhin auf seinem anonymen Twitter Profil. Lukas Bals wurde 2014 in Dortmund als Mitglied der Neonazi-Partei „Die Rechte“ verurteilt, da er nachweislich an einem Übergriff von Neonazis auf eine Wahlparty im Dortmunder Rathaus beteiligt war. Er zog später nach München und bewegt sich seitdem in AfD Kreisen. (Quelle: Antifa)

Am 26. Januar fährt der Neonazi Christian L. („Der Dritte Weg“) aus Arnbach gemeinsam mit einem Freund mit der S2 Richtung Dachau. Als in Schwabhausen ein dunkelhäutiger junger Mann zusteigt, geht L. sofort auf diesen zu und droht ihm Gewalt an, falls er sich setze. Dieser bleibt daraufhin stehen. L. bedrängt ihn die gesamte Fahrt über. Die wenigen Fahrgäste schreiten nicht ein. (Quelle: Antifa)

Im Januar werden auf der Rückseite des Petershausener Bahnhof, wie auch im Sommer 2016, Aufkleber des Dortmunder Neonazi Portals „widerstand.info“ verklebt. „widerstand.info“ diente für Online Publikationen des verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“, danach der Nachfolgestruktur „Die Rechte“. Außerdem werden Aufkleber der NPD Jugendorganisation JN („Junge Nationaldemokraten“) geklebt. (Quelle: Antifa)

Kurdische Aktivist_innen starten am Vormittag des 1. Februar eine Demonstration am Dachauer Bahnhof. In einem Sternmarsch wollen sie gegen Repression und gewalttätige Übergriffe in der Türkei protestieren. Sie tragen Fahnen der zu diesem Zeitpunkt in der BRD noch nicht verbotenen syrischen Kurdenmiliz YPG. Als sich die rund 30 Aktivist_innen an der Frühlingsstraße sammeln. finden sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite vier Männer ein, die mit einer türkischen Fahne und ausgestreckten Mittelfingern die Demonstrant_innen provozieren wollen. Die etlichen anwesenden Zivilpolizist_innen unterbinden dies nicht. Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzt, bleiben die türkischen Nationalisten am Straßenrand zurück. (Quelle: Antifa)

Am 11. Februar moderiert die AfD Kreisvorsitzende Dachau-Fürstenfeldbruck Linda Amon eine AfD Veranstaltung der „Freunde des Flügels“ in Würzburg. Auf der Einladung wird neben dem Würzburger „Flügel“ Mann Thomas Thiel mit dem „Überraschungsgast“ Alice Weidel geworben, welche dann aber nicht erscheint. Vorträge werden gehalten von den „Flügel“ nahen AfD Funktionären Martin Sichert (Nürnberg) und Hans Jörg Müller (Traunstein). (Quelle: Antifa)

Im Februar tauchen an der Münchner Straße vereinzelt die ersten Aufkleber der völkisch rassistischen Aktionsgruppe „Identitäre Bewegung“ auf. (Quelle: Antifa)

In der Nacht von 18. auf 19. Februar werden Aufkleber der „Identitären Bewegung“ mit der Aufschrift „Wehr dich, es ist dein Land“ am Dachauer Bahnhof, am Tengelmann in der Schleißheimer Straße und an der Amperbrücke geklebt. (Quelle: Antifa)

Im Zeitraum von 17. bis 24. Februar berichtet die Lokalpresse über „Reichsbürger“ im Landkreis Dachau. Diese seien im Landkreis aktiver als anderenorts. Die „Heimatgemeinde Dachau“ sei seit Oktober von 15 auf 20 Personen gewachsen. Jene „Heimatgemeinde Dachau“ trat 2015 in Petershausen zum ersten Mal in Erscheinung und habe Mitglieder in mehreren Landkreisgemeinden. Der Artikel beruft sich auf das Landesamt für Verfassungsschutz. Das Thema „Reichsbürger“ wird am 22. Februar im Dachauer Stadtrat thematisiert. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

AfD Stammtisch im Bräustüberl Maisach am 20. Februar mit dem Landesvorsitzenden des AfD Mittelstandsforums Peter Felser zum Thema „Bäuerliche Landwirtschaft“. Wie immer hält die AfD den Veranstaltungsort bis kurz zuvor geheim. (Quelle: Antifa)

Einzelne Aufkleber der „Identitären Bewegung“ (IB) am 4. März an der Hintertür des selbstverwalteten JUZ Freiraum Dachau in der Brunngartenstraße mit der Aufschrift „Sichere Grenzen statt Asylwahn“. Auch in der Brunngartenstraße, u.a. am Gebäude der Dachauer Tafel, werden IB Sticker verklebt. (Quelle: Antifa)

Am 8. März werden am Ignaz Taschner Gymnasium erstmals Aufkleber der „Identitären Bewegung“ verklebt. (Quelle: Antifa)

Der AfD Ortsverband Dachau führt am 9. März eine Veranstaltung im Augustenfelder Hof durch. Gäste sind die Deggendorfer Kreisvorsitzende Katrin Ebner-Steiner und der Vorsitzende des AfD Mittelstandsforums Hans Jörg Müller (Traunstein). Sie referieren über „Mut zur Familie“ bzw. „Mittelstand und kleine Leute – zum Abschuss freigegeben“. Ebner-Steiner kündigt auf ihrem Facebook-Profil Müllers Vortrag unter dem Titel „Der Bevölkerungsaustausch zerstört den Mittelstand“ an.
Das ursprünglich angemietete Bürgerhaus Karlsfeld lädt die AfD Ende Februar wegen Sicherheitsbedenken wieder aus, daraufhin nimmt der Augustenfelder Hof in Dachau die rechte Partei auf. Es werden in den konservativen Dachauer Nachrichten einseitig pro AfD Leserbriefe veröffentlicht, nachdem das Blatt das Verbot in Artikeln aufgreift. In den Leserbriefen ist von Gegendemonstrant_innen als „geifernde Chaoten“ und von „versifften 68ern“ die Rede. Eine weitere Schreiberin fürchtet wegen vergangener Gegenproteste gar um ihr Leben. Der Pressesprecher der AfD Dachau Karl Hermann Behrens kann auch einen eigenen Leserbrief veröffentlichen, in welchem er die Dachauer Nachrichten für ihre „ausgewogene und neutrale Berichterstattung in Sachen AfD“ lobt.

Antifaschist_innen rufen für den 9. März zu Protesten vor dem Augustenfelder Hof auf. Der Runde Tisch gegen Rassismus meldet auf der gegenüber liegenden Straßenseite eine stumme Protestaktion an. Rund 100 Menschen beteiligen sich und halten Schilder mit der Aufschrift „Dachau ist bunt nicht braun“. USK Einheiten versperren den Eingang des Augustenfelder Hofs. Der verurteilte Neonazi Schläger Lukas Bals nimmt an der AfD Veranstaltung teil und ist dem Anschein nach in organisatorische Tätigkeiten eingebunden. Er kommt mit eigenem Rollkoffer, tauscht sich intensiv mit dem Dachauer Ortsvorsitzenden Markus Kellerer aus und fotografiert Gegendemonstrant_innen. Kellerer hetzt gegenüber der Lokalpresse gegen das selbstverwaltete JUZ Freiraum Dachau und den Runden Tisch gegen Rassismus. Beide seien mit Steuergeldern finanziert und es sei „nicht tolerierbar“, dass sie „Stimmung und Hetze“ gegen die AfD betreiben. Zur AfD Veranstaltung kommen gerade 30 Anhänger_innen. (Quelle: Antifa, Dachauer Nachrichten, SZ Dachau)

Wenige Tage später gibt der AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck bekannt am 19. März um 10 Uhr einen politischen Frühschoppen mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Alexander Gauland abhalten zu wollen. Unter dem Motto der „strategischen Ausrichtung“ sind neben Gauland und dem erneut eingeladenen Hans Jörg Müller, die lokalen Aushängeschilder und „Flügel“ Unterstützer_innen Florian Jäger (Bezirksvorsitzender Oberbayern, Aspirant zur Bundestagswahl, Olching) und Linda Amon (Kreisverbandsvorsitzende, Germering) angekündigt.
Der Veranstaltungsort wird wie immer geheim gehalten. Interessierte müssen sich per E-Mail anmelden. Antifaschist_innen decken auf, dass der Frühschoppen im Bräustüberl Maisach stattfindet.
Es protestieren über 60 Menschen gegen die Veranstaltung. Im Gegensatz zu Dachau dürfen Gegendemonstrant_innen direkt vor der Gaststätte stehen. Auch fällt der bürgerliche Protest wesentlich deutlicher und lauter als in Dachau aus. Die Gäste der AfD betreten das Gebäude durch den Hintereingang. Dieser wird von einer USK Einheit abgeschirmt. Dennoch posieren der Vorsitzende des Ortsverband Dachau Markus Kellerer (Dachau) und Matthias Mestmacher (Gröbenzell) als Ordner mit verschränkten Armen an der Tür. Antifaschist_innen versuchen mit Transparenten zum Hintereingang zu gelangen, werden aber vom USK abgedrängt. Roman Bothmann (Vorstandsmitglied der „Jungen Alternative“ Dachau-Fürstenfeldbruck , Ansprechpartner der „Campus Alternative“ für Augsburg, Beisitzer im Vorstand des KV Dachau-Fürstenfeldbruck) versucht sich unter die Gegendemonstrant_innen zu mischen, wird aber sofort erkannt und eindeutig zum Verlassen aufgefordert. Das AfD Publikum ist überdurchschnittlich im Rentenalter. Mit Ausnahme des verurteilten Nazi Schlägers und rassistischen Aktivisten Lukas Bals, der kurz vor Beginn eintrifft.
Da sich die Gegendemonstrant_innen sehr früh sammeln, müssen die meisten AfD Gäste bereits zwei Stunden vorher im Bräustüberl auf den Beginn gewartet haben. Dirk Driesang (Bundesvorstandsmitglied, Eichenau) und der bayerische Landeschef Petr Bystron sind eher nicht gern gesehene Gäste. Driesang, weil er einen Parteiausschluss gegen den im Kreisverband beliebten Star der extremen Rechten Björn Höcke unterstützt. Bystron, weil ihm politischer Opportunismus vorgeworfen wird. Dennoch drängt er sich ans Rednerpult und hält seine Rede, in der er die völkisch rassistische „Identitäre Bewegung“ als „tolle Organisation“ und „Vorfeldorganisation der AfD“ bezeichnet. Nach dieser Aussage wird Bystron vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet werden. (Quelle: Antifa)

Erneut einzelne Aufkleber der „Identitären Bewegung“ am 7. April in der Brunngartenstraße. (Quelle: Antifa)

Die AfD Dachau möchte am 11. April im Ludwig-Thoma-Haus in der Dachauer Altstadt eine Veranstaltung mit dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der Bild-Zeitung Nicolas Fest zur „Schicksalswahl für Deutschland“ abhalten. Da die AfD mit Gegenprotesten rechnet, meldet sie gegenüber prophylaktisch eine Gegendemo zur Gegendemo an. Der Dachauer OB Florian Hartmann widerruft die zuerst erteilte Genehmigung. Die AfD wirft Hartmann Rechtsbruch vor und kündigt an rechtliche Schritte einzuleiten. Dieser begründet seine Entscheidung mit der angemeldeten AfD Gegen-Gegen Demo. Die AfD Kreisvorsitzende Linda Amon sieht die Ursache in „bestimmten Antifa-Gruppen, die mit den Parteien und Verbänden am Runden Tisch sitzen.“ Damit steht die AfD neben der Stadthalle Germering und dem Bürgerhaus Karlsfeld, erneut vor verschlossenen Toren. Auch in den ansonsten beliebten Augustenfelder Hof kann diesmal nicht ausgewichen werden. Da weder im Landkreis Dachau noch im Landkreis Fürstenfeldbruck eine Gaststätte gefunden werden kann, muss die Veranstaltung nach Gilching (Landkreis Starnberg) ausgelagert werden. Der dortige „Flügel“ nahe Kreisvorsitzende Martin Hebner, ein Verbündeter Amons, muss unterstützend eingreifen. Natürlich wird der Veranstaltungsort wieder bis zuletzt nicht öffentlich gemacht. Diesmal allerdings aus anderen Gründen. (Quelle: Antifa, Dachauer Nachrichten, SZ Dachau)

Mitte April bekommt die AfD mit ihrer Klage vor dem Verwaltungsgericht München Recht, im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau Veranstaltungen abhalten zu dürfen. (Quelle: SZ Dachau)

Im Vorfeld ihrer 1. Mai Demonstration in Gera mobilisiert die Neonazi-Kaderpartei „Der Dritte Weg“ am 22. April zu einem „Antikapitalistischen Aktionstag“, mit einer Abschlussdemonstration in Nürnberg. Dazu werden im Vorfeld Flyer verteilt, welche die Neonazis laut Eigenangabe auch in Petershausen verteilt haben möchten. (Quelle: Antifa)

Ende April wird bekannt gegeben, dass die AfD Kreisvorsitzende für Dachau-Fürstenfeldbruck, Linda Amon, von ihrem Posten zurückgetreten ist. Amon war beruflich in Bedrängnis geraten. Die Journalistin hatte für eine Krebs-Klinik in Burghausen Werbematerial verfasst. NDR und andere Medien deckten auf, dass die dort angeblich erfolgreich therapierten Patient_innen tot waren. Der Pressesprecher des AfD Ortsverband Dachau Karl Hermann Behrens bestreitet einen Zusammenhang. Als Nachfolger wird das ehemalige CSU Mitglied Maximilian Dachauer (Gröbenzell) gewählt. Neu im KV Vorstand ist u.a. Heike Themel (Moorenweiß). (Quelle: Antifa, SZ Dachau, NDR)

Am 26. April gerät Heike Themel als Beisitzerin im AfD Kreisvorstand in der Lokalpresse in Kritik. Auf ihrem Twitter Profil hatte Themel während des AfD Bundesparteitag in Köln ein Foto veröffentlicht, das offensichtlich eine Fotomontage darstellte. Ein Foto von einer Demonstration der autonomen Linken in Hamburg 2007 wurde dargestellt, als wäre es ein aktuelles Foto von Gegenprotesten aus Köln. Auch der Spruch auf dem Fronttransparent wurde in „Bunt, gewaltfrei, weltoffen, tolerant“ verändert. Themel weist die Kritik von sich. Sie habe das Foto nur geteilt. (Quelle: SZ Dachau)

In der ersten Maiwoche tauchen entlang der Münchner Straße einzelne Aufkleber der „Identitären Bewegung“ (IB) auf, welche größtenteils nur das Lambda Logo der IB abbilden. (Quelle: Antifa)

Anfang Mai wird in der Kreispolitik über Anzahl und Gefährlichkeit von „Reichsbürgern“ im Landkreis Dachau diskutiert. Dabei kommen widersprüchliche Zahlen zu tage. Der bayerische Innenminister Hermann bezeichnete im Februar im Landtag Dachau als einen von vier regionalen Schwerpunkten in Bayern. Er bezieht seine Informationen vom bayerischen Verfassungsschutz. Bereits im Februar wurde in der Lokalpresse über die keineswegs homogene „Reichsbürger“ Szene berichtet. Dabei hieß es, dass allein die „Heimatgemeinde Dachau“ im Vergleich zum Vorjahr von 15 auf 20 Mitglieder gewachsen sei (siehe Februar). Im Kreistag berichtet der Abteilungsleiter für Sicherheit und Ordnung Michael Holland von 10 aktenkundigen Personen. In „der Verwaltungspraxis des Landratsamts“ hätte es „bisher einen relevanten Fall gegeben.“ Was seltsam anmutet, da „Reichsbürger“ vorrangig ihre Fehden mit Ämtern austragen und Holland explizit Kontakte von „Reichsbürgern“ mit Landratsamt und Gemeinden geklärt haben möchte. Der Dachauer Polizeichef wird in der Presse mit der Aussage zitiert, es seien 24 Personen eindeutig identifiziert. Zwei davon gelten als gefährlich. Wenn allerdings in Bayern insgesamt 1700 bekannte „Reichsbürger“ und 1600 „Prüffälle“ bekannt sind, wie kann der Landkreis Dachau mit der genannten Anzahl als „Schwerpunkt“ gelten? Trotz der Widersprüche sehen das nicht alle problematisch. Edgar Forster (Freie Wähler Dachau) meint: „Dann können wir ja beruhigt sein.“ (Quelle: SZ Dachau, Dachauer Nachrichten)

Neonazis des „Dritten Weg“ halten in der Nacht des 8. Mai in Oberbayern mehrere kleine „Gedenken“ ab. Am Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus bekennen sie sich offen zu diesem. Neben München, Ingolstadt, Manching und Jetzendorf (Landkreis Pfaffenhofen) stellen die Neonazis auch in Petershausen und Vierkirchen Kerzen vor Kriegsdenkmäler. An das Denkmal in Petershausen kleben sie einen mit Filzstift beschrifteten Zettel mit der Aufschrift „8. Mai 1945, kein Tag der Befreiung“. (Quelle: Antifa)

Bericht in der Lokalpresse am 16. Mai über einen Prozess gegen einen 22 jährigen Mann, der in Vierkirchen im Zeitraum von August bis September 2016 gezielt Flüchtlinge geschlagen hatte. Er wird vor dem Dachauer Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Im August 2016 fragte er an der Brücke in der Nähe des Vierkirchener Bahnhofs einen Geflüchteten, ob dieser aus Afghanistan stamme. Als dieser bejahte, schlug er ihm ins Gesicht. Noch am selben Tag beging er eine ähnliche Tat, diesmal mit zwei weiteren Männern. Einen Monat später ging er vor die Flüchtlingsunterkunft in Vierkirchen und schlug und trat ohne Vorwarnung auf einen Geflüchteten ein. Die Angegriffenen setzten sich nicht vehement zur Wehr, da sie um ihren Aufenthalt fürchteten. Der 22 jährige gestand alle Taten. Rechtsradikal sei er nicht. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer „Abneigung“. Von Rassismus spricht niemand (Quelle: SZ Dachau)

Im selben Zeitraum taucht an der Treppe zum Bahnsteig am Bahnhof Vierkirchen ein in schwarzer Farbe gesprühtes Hakenkreuz auf. (Quelle: Antifa)

Am 16. Mai veranstaltet der AfD Ortsverband Dachau eine Lesung mit dem als Buchautor und Dokumentarfilmer vorgestellten Christian Jung. Die Veranstaltung darf nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts München wieder im Ludwig-Thoma-Haus stattfinden. Die erforderliche Anmeldung muss per E Mail erfolgen. Jungs Buch und Film „Der Linksstaat, Enthüllt: Die perfiden Methoden der Antifa und ihrer Helfershelfer in Politik und Medien“, welches er am 16. Mai vorstellt, ist ein realitätsfernes Sammelsurium von Absurditäten.
Schon in der Ankündigung der Dachauer AfD steht: „Wußten Sie, daß es in München eine Art „Stadt-Stasi“ gibt, die direkt dem Oberbürgermeister unterstellt ist“, „daß linke Aktivisten massenhaft und illegal Ausländer nach Deutschland einschleusen und sich dafür mit staatlich finanzierten Preisen überhäufen“ (alle Fehler im Original).
Der Autor Christian Jung ist keineswegs nur Buchautor. Er war an dem rassistischen Blog „Politically Incorrect News“ (PI News) beteiligt, gründete den bayerischen Landesverband der islamophoben, rassistischen Partei „Die Freiheit“ und war deren erster Landesvorsitzender. Nach einem persönlichen Zerwürfnis mit PI News gründete er mit „Blu News“ (heute „metropolico“) seine eigene Plattform. Der Bezirksvorsitzende der AfD Oberbayern Florian Jäger (Olching) freut sich auf „eine spannende Veranstaltung“, da gezeigt werde, „warum die größte Gefahr für unsere Demokratie von den etablierten Parteien“ ausgehe. Dabei bringt Jäger auch persönliche Kenntnisse mit ins Spiel. Er war selbst Mitglied der Partei „Die Freiheit“.
Zur Veranstaltung kommen gerade knapp über 30 Personen. USK Einheiten bewachen die Zufahrt. Hinter dem USK stehen der Dachauer Ortsvorsitzende Markus Kellerer und Matthias Mestmacher mit Ordnerbinden. Der Runde Tisch gegen Rassismus veranstaltet auf dem Rathausplatz ein Kulturfest mit rund 200 Teilnehmer_innen, ohne näher auf die AfD einzugehen. Es wird untersagt ein Transparent, das eine Zeile gegen die AfD enthält, aufzuhängen. Die Zeile muss verdeckt werden. 30 Antifaschist_innen ziehen vor Beginn der AfD Veranstaltung in einer spontanen Demonstration vom Rathaus zum Thoma-Haus. (Quelle: Antifa)

Die Neonazi-Kaderpartei „Der Dritte Weg“ behauptet am 26. Mai in Röhrmoos und dem angrenzenden Großinzemoos Flyer verteilt zu haben. Auf der Homepage des „Dritten Weg“ steht einen Tag später ein Zweizeiler, samt dem bei solchen Aktionen obligatorischen Foto vom Ortsschild in der Nacht. Man habe in „Großinzenmoos“ (sic) und Röhrmoos verteilt, um „die Ziele unserer Partei dem Volk näher zu bringen“. (Quelle: Antifa)

Veranstaltung des AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck am 31. Mai im Daxerhof in Olching zum Thema „Gesundheit – wer soll das bezahlen?“ Referent ist der Sprecher des „Landesfachausschusses Gesundheit und Pflege“ der AfD Bayern Martin Sidamgrotzki. (Quelle: Antifa)

In der Nacht von 31. Mai auf 1. Juni werden erneut ganze Straßenzüge mit Aufklebern der „Idenitären Bewegung“ (IB) im Gebiet Bahnhof, Bahnhofstraße, Martin Huber Straße, Altstadt, über den Karlsberg und die Münchner Straße nach Dachau Süd beklebt. Neben den üblichen Motiven und Parolen der IB, „Wehr dich es ist dein Land“, „Sichere Grenzen statt Asylwahn“, sind diesmal auch Motive aus dem Sortiment des IB eigenen „Phalanx Europa“ Versand dabei, v.a. solche, die sich direkt gegen Antifaschist_innen richten: „Jeder hasst die Antifa“ sowie eine Adaption eines linken Motivs „Still not loving Antifa“. (Quelle: Antifa)

Am 22. Juni veranstaltet der AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck im Ludwig-Thoma-Haus eine Wahlkampfveranstaltung mit fünf Bundestagskandidaten: Florian Jäger für Dachau-Fürstenfeldbruck und der bayerische Spitzenkandidat Martin Hebner für Starnberg sind Unterstützer des völkischen „Flügel“. Außerdem treten Johannes Huber (Freising-Pfaffenhofen), Bernd Zimniok (München-West) und Rainer Kraft (Augsburg-Land) auf. Die Veranstaltung ist mit 30 Teilnehmenden mäßig besucht. Auch die Gegenproteste fallen gering aus. Markus Kellerer (Dachau) und Matthias Mestmacher (Gröbenzell) treten wieder als Ordner auf. Die Veranstaltung findet erstmals ohne größeren USK Schutz statt. Stattdessen stehen vermehrt Streifenpolizist_innen in schusssicheren Westen vor dem Thoma-Haus. (Quelle: Antifa)

In der Nacht des 22. Juni wird im Stadtgebiet eine erhebliche Anzahl von Aufklebern der völkisch rassistischen „Identitären Bewegung“ verklebt. Ausgangspunkt ist dabei eindeutig die Altstadt, wo am selben Abend eine AfD Veranstaltung stattfand (siehe oberhalb). Es werden Straßenzüge von der Altstadt Wieninger Straße (gegenüberliegend vom Thoma-Haus) und am Widerstandsplatz über den Karlsberg, Ludwig Dill Straße, Gröbenrieder Straße nach Dachau Süd beklebt. Auf dem Gelände des ASV Dachau werden ebenfalls Sticker angebracht. In Dachau Süd am Spielplatz an der Gröbenrieder Straße und am Bahnhof wird außerdem das Lambda Symbol der IB gesprüht. (Quelle: Antifa)

Am 26. Juni werden erneut Aufkleber der „Identitären Bewegung“ in Dachau verklebt. In der Augustenfelder Straße und am Ignaz Taschner Gymnasium. Von dort über die Rückseite des Bahnhofs über die Zugspitzstraße und Grenzstraße zur Brücke über die Münchner Straße in die Josef Scheidl Straße. Das übliche IB und „Phalanx Europa“ Sortiment („Unser Land unsere Werte“, „Still not loving Antifa“) ist erweitert um Motive aus dem extrem rechten „Konmo“ Versand, wie etwa der Wirmer Fahne, welche bei Pegida Demonstrationen beliebt ist. Der „Konmo“ Versand vertreibt neben Pegida Devotionalien auch schwarz-weiß-rote Reichsfahnen. (Quelle: Antifa)

Eine diesmal geringe Menge an „Identitären“ Aufklebern taucht am 12. Juli am Ignaz Taschner Gymnasium, in der Grenzstraße und der Augustenfelder Straße auf. Überwiegend mit der Aufschrift „Still not loving Antifa“. (Quelle: Antifa)

Der AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck führt am 13. Juli eine Veranstaltung im Ludwig-Thoma-Haus mit dem AfD Gründungsmitglied Konrad Adam durch. Sein Thema ist „Merkels schönes Neues Deutschland“ (Fehler im Original). Es findet zu ersten Mal keinerlei Gegenprotest statt. An der AfD Veranstaltung nehmen knapp 30 Personen teil. (Quelle: Antifa)

Vereinzelt „Still not loving Antifa“ und „Islamists not welcome“ Aufkleber der „Identitären“ am 16. Juli am Dachauer Bahnhof und in der Brunngartenstraße Richtung Freiraum. (Quelle: Antifa)

Am 16. Juli wird ein in orangener Farbe gesprühtes Hakenkreuz am Mühlkanal entdeckt. (Quelle: Antifa)

Gegen den „Reichsbürger“ Ableger „Bundesstaat Bayern“ wird am 18. Juli eine bayernweite Razzia durchgeführt. Eine der Razzien richtet sich gegen einen als Führungskraft bezeichneten Mann aus Schwabhausen. Er soll im Auftrag des „Bundesstaat Bayern“ deren Pseudo-Ausweise und Urkunden hergestellt und verkauft haben. Es werden Papier und Datenträger beschlagnahmt. Der Schwabhausener Bürgermeister Josef Baumgartner bestätigt Vorfälle mit „Reichsbürgern“: „Wir hatten schon Fälle, da sind Reichsbürger in die Verwaltung gekommen und wollten ihren Reisepass abgeben und von uns eine Bestätigung bekommen.“ (Quelle: SZ Dachau)

Aufkleber der „Identitären Bewegung“ am 20. Juli vom Bahnhof zum Ignaz Taschner Gymnasium, ausschließlich mit der Aufschrift „Still not loving Antifa“. (Quelle: Antifa)

Am 21. Juli erhalten Anwohner_innen des überwiegend von Migrant_innen bewohnten Teil von Karlsfeld um die Rathausstraße Postwurfsendungen der AfD. Die Broschüre trägt den Titel „Der Islam gehört nicht zu Deutschland, die Alternative für Deutschland bekennt sich zur deutschen Leitkultur.“ (Quelle: Antifa)

Erneut Aufkleber der „Identitären Bewegung“ am 26. Juli auf dem Schulhof des Ignaz Taschner Gymnasiums, in der Schleißheimer Straße bis zur Pollnstraße. Ausschließlich mit der Aufschrift „Still not loving Antifa“. (Quelle: Antifa)

Am 28. Juli werden vom Karlsberg aus, die Münchner Straße entlang bis zur Ruckteschell Villa Aufkleber der „Identitären“ mit der Aufschrift „Der Antifa eine kleben“ und „Heimat, Freiheit, Tradition“ geklebt. (Quelle: Antifa)

Die AfD Dachau-Fürstenfeldbruck führt am 28. Juli eine Veranstaltung mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Alexander Gauland im Bürgerhaus Gröbenzell durch. Unter dem Motto „Bürger an die Macht“ und „Hol dir dein Land zurück“ soll der Bundestagskandidat Florian Jäger (Olching) unterstützt werden. Der Pressesprecher des Ortsverband Dachau Karl Hermann Behrens moderiert die Veranstaltung. 120 Bürger_innen protestieren dagegen. (Quelle: SZ Fürstenfeldbruck)

Die Neonazi-Kaderpartei „Der Dritte Weg“ führt am 29. Juli einen bundesweiten Aktionstag gegen „Homopropaganda“ durch. Einen Tag später verteilen Neonazis Flyer in Briefkästen in Petershausen und Vierkirchen („Familien schützen, Homo-Propaganda stoppen“). (Quelle: Antifa)

In der Nacht vom 31. Juli auf 1. August werden mehrere hundert Aufkleber der „Identitären Bewegung“ vom Bahnhof aus, über die Münchner Straße und Amperbrücke in die Brungartenstraße geklebt.
Eigentliches Ziel ist das selbstverwaltete JUZ Freiraum Dachau. Allein dort werden knapp 200 Aufkleber auf sämtliche Flächen angebracht. V.a. ab der Brunngartenstraße überwiegen Anti-Antifa Motive. Die siebenköpfige, in Lederhosen gekleidete männliche Gruppe der „Identitären“, wird an der Amperbrücke von einem Passanten erwischt. Als dieser sie anspricht, flüchten sie panisch in die Ludwig Dill Straße. (Quelle: Antifa)

Am 1. August erhält der Kreisjugendring Dachau eine Postkarte mit der Aufschrift „Dachau kein Platz für Multi-Kulti-Schweine. (Volksverräter)“ (Schreibweise im Original). (Quelle: Antifa)

Wahlkampfveranstaltung des AfD Kreisverband Dachau-Fürstenfeldbruck am 4. August im Bürgerhaus Gröbenzell. Geladen sind neben dem lokalen Kandidaten Florian Jäger, der bayerische Spitzenkandidat Martin Hebner (Wahlkreis Starnberg), Johannes Huber und Rainer Kraft. Es finden keinerlei Gegenproteste statt. (Quelle: Antifa)

Die Dachauer Nachrichten veröffentlichen am 8. August einen Artikeln, in dem der Sprecher des Runden Tisch gegen Rassismus, Alexander Erdmann, porträtiert wird. Es werden die zunehmenden „Identitären“ Sticker thematisiert. Erdmann wird als ein Bürger vorgestellt, der diese entfernt, indem er sie mit seinem Schlüssel abkratzt. Auch der Übergriff auf den Freiraum Dachau wird erwähnt. „Die Laternen und Schilder in Dachaus Straßen werden immer mehr zu einer Kampfarena der Meinungen“.
In der Folge werden von den Dachauer Nachrichten Leserbriefe veröffentlicht, in denen man dem Blatt vorwirft man berichte einseitig, da man über Antifa Aufkleber und Graffiti nicht berichte. Erdmann wird in einem Leserbrief vom 10. August vorgeworfen, dass er mit „Linksextremismus“ sympathisiert. Auch der Pressesprecher der AfD Dachau, Karl Hermann Behrens darf erneut einen Leserbrief veröffentlichen, in dem er Kenntnis über die Anzahl an „Identitären“ Stickern offenbart: „Sticker der Autonomen, der Antifa, Hassparolen wie „F… Afd“ und sonstige Schmutzeleien sind kaum seltener an den Laternenmasten zu finden als Sticker der Identitären Bewegung (IB).“ Zwar schiebt er nach, dass AfD Bundes- und Landesverband eine Zusammenarbeit mit der IB ausschließen, stellt ihnen aber im selben Atemzug einen Persilschein aus, indem er den „Identitären“ prinzipielle Gewaltfreiheit attestiert.
Unter der Online Version werfen Leser_innen Erdmann anonym Sachbeschädigung vor, da er fremdes Eigentum mit seinem Schlüssel beschädige. Auch auf der Facebook Seite der Dachauer Nachrichten wird über den Artikel diskutiert. Über seinen anonymen Account schreibt der Dachauer AfD Ortsvorsitzende Markus Kellerer in der Kommentarspalte: „Harter Job für Alexander, der nur ca. 1,55 m klein ist“ und behauptet „Übrigens sind die IB nicht rechtsextrem, aber wen interessiert schon die Wahrheit.“ Kellerer, der sich nicht traut mit vollem Namen als Ortsvorsitzender genannt zu werden, der kein Foto von sich auf die offizielle Homepage der AfD Dachau-Fürstenfeldbruck stellen lässt, inszeniert sich als Opfer, fühlt sich von Linken bedroht. Ein User erwidert ihm: „Sie fühlen sich also politisch verfolgt. Und dann immer schön pauschalisieren. „Ihr Linken bedroht und beleidigt anonym… immer schön maskiert und vermummt..“ Das werfen SIE als Anonymer MIR vor. Ist das jetzt unfreiwillige Komik von Ihnen?“ (Quelle: Dachauer Nachrichten, Antifa)

An der Eingangstür des selbstverwalteten JUZ Freiraum Dachau in der Brunngartenstraße werden am 9. August offizielle Aufkleber der „Alternative für Deutschland“ mit der Aufschrift „Antifa Ausstieg jetzt“ verklebt. (Quelle: Antifa)

Zwei Tage später, am 11. August, veröffentlichen die Dachauer Nachrichten ein kurzes Interview mit dem Spitzenkandidaten der AfD, Florian Jäger. Er gibt den britischen Rechtspopulisten Nigel Farage als politisches Vorbild an. Seine Lieblingsbücher reichten von Hesse bis zum homophoben Autor Akif Pirincci, der mehrmals bei Pegida Aufmärschen auftrat. Auf die Frage was das wichtigste Thema für seine Antrittsrede im Bundestag wäre, antwortet er: „Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss Linksextremismus, der die Verbindungen zwischen Altparteien und organisiertem Linksextremismus behandelt.“ (Quelle: Dachauer Nachrichten)

Am 14. August tauchen in Gröbenzell extrem rechte Sprühereien auf. Neben „Fuck Islam“ wird auch eine Parole gegen die „Identitäre Bewegung“ umgeschrieben. Aus „Nazi Hipster verjagen, Fuck IB“ wird „Patrioten Hipster verjagen Islamisten, love IB“. Auch Wahlplakate werden beschmiert. (Quelle: ffbaktiv.de)

Am 17. August werden Aufkleber der „Identitären Bewegung“ am Widerstandsplatz geklebt. Der Widerstandsplatz in der Altstadt erinnert an den antifaschistischen Dachauer Aufstand vom 28.4.1945 gegen die NS Herrschaft. Weitere Aufkleber tauchen am Karlsberg, dem Gasthaus Drei Rosen und dem daneben liegenden Parkplatz auf. (Quelle: Antifa)

In den letzten Tagen des Dachauer Volksfests hängen „Identitäre“ ein Banner mit der Aufschrift „Terrorangst auf‘m Volksfest, Grenzen schließen“ von der Schlossmauer herunter. 14 überwiegend in Lederhosen gekleidete Aktivist_innen stellen sich mit Fahnen der IB auf die Mauer. Die kurze Aktion wird von der Amperbrücke, sowie von der Volksfestwiese aus fotografiert, um die Aktion später am 24. August auf der Facebook Seite der bayerischen „Identitären“ zu veröffentlichen. (Quelle: Antifa)

Die Lokalpresse berichtet am 21. August über gezielte Attacken auf Wahlplakate des SPD Kandidaten Michael Schrodi, v.a. in Gröbenzell. Es werden Parolen wie „Fuck Islam“ auf die Plakate gesprüht. Direkt daneben Parolen wie „Lügenpresse? Nein danke“, darunter die URL des rassistischen Blogs „PI News“. Diese taucht auch auf mehreren Schildern in und um Gröbenzell auf. SPD Gemeinderat Peter Falk vermutet „Identitäre“ hinter den Taten, was naheliegend ist, da in einer Schmiererei am Bahnhof Gröbenzell mit der selben Farbe der Youtube Kanal des österreichischen „Identitären“ Sprechers Martin Sellner beworben wird. Die Grünen Kandidatin Beate Walter-Rosenheimer möchte die Taten nicht Rechtsextremen zuordnen. Laut dem Inspektionsleiter der Gröbenzeller Polizei Karl Heinz Prangerl könne es sich auch um einen „schlechten Scherz“ handeln. Wobei er Wert darauf legt, dass dies seine Privatmeinung sei. Auch die Kripo Fürstenfeldbruck sieht in den Schmierereien „keine staatsfeindlichen oder politischen Aktivitäten Rechter“. (Quelle: SZ Fürstenfeldbruck, Kreisbote, ffbaktiv.de)

Die Berichterstattung in der Lokalpresse über die Beschädigung oder Zerstörung von Wahlplakaten geht in den folgenden Tagen weiter. Diesmal ist es die AfD, die die gezielte Zerstörung ihrer Plakate beklagt. Im Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck steche v.a. die Stadt Dachau hervor. Dort würden über 80 Prozent der Plakate zerstört, zum Teil sogar unmittelbar. Spitzenkandidat Florian Jäger setzt eine Belohnung zur Ergreifung der Verursacher_innen aus. Der Bezirksverband, dem Jäger selbst vorsteht, habe 20.000 Euro Budget zur Verfügung gestellt und stellt eine Belohnung von 400 Euro „für jeden überstellten Straftäter“ in Aussicht. Allerdings an eigens beauftragte Security Dienste. Ob die Prämie je ausgezahlt wurde oder man Verdächtige gefasst habe, darf bezweifelt werden. Hätte die AfD dies doch medial ausgeschlachtet. Sie rufen v.a. in Dachau dazu auf, dass Mitglieder und Sympathisant_innen die Plakate bewachen sollten. Dabei kommen sie in Dachau mit dem Plakatieren nicht mehr nach und verzichten zunehmend auf Kleister. Unabhängigen Schätzungen zu Folge beläuft sich der Schwund an AfD Plakaten dort auf über 90 Prozent. (Quelle: Fürstenfeldbrucker Tagblatt, Antifa)

Ohne Ankündigung im Vorfeld führt die AfD am frühen Vormittag des 26. August am Ernst-Reuter Platz im migrantisch dominierten Dachau Ost und in Altomünster erstmals kurze Infostände durch. (Quelle: Antifa)

„Diesmal hat unser Ortsverband Dachau und Umgebung zum Halali geblasen“. Veranstaltung der AfD Dachau am 7. September im Augustenfelder Hof mit dem rechten Buchautor Peter Haisenko. Thema des Abends ist „Wie die AfD mit ‚politischer Korrektheit‘ in die Verteidigungsfalle gelockt wird“. Wie gewohnt, wird die Veranstaltung erst wenige Tage vorher bekannt gegeben. Diesesmal auch nicht in sozialen Netzwerken. Im Vorfeld wird die Fassade des Augustenfelder Hof mit einer weißen Substanz beworfen.
Peter Haisenko publiziert im rechten „Anderswelt Verlag“ Bücher, wie etwa „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“. Der Verlag veröffentlicht Bücher mit Titeln wie „Ist Deutschland ein souveräner Staat“ oder „Auf nach Germania“. Die AfD resümiert auf ihrer Homepage „Seiner (Haisenkos Anm.d.A.) Ansicht nach sollte man besser angreifen, statt sich immer in die Verteidigungsposition drängen zu lassen. Aktuelles Beispiel: Die Bemerkung Gaulands über die Integrationsbeauftragte Özoğuz („… in Anatolien entsorgen.“)“. Moderiert wird die Veranstaltung vom Pressesprecher des Dachauer Ortsverbands Karl Hermann Behrens. Der Bundestagskandidat Florian Jäger halt eine Rede.
Ebenfalls anwesend ist der Vorsitzende des AfD Kreisverband Aichach-Friedberg Paul Traxl. Traxl gehört zu den Erstunterzeichner_innen der „Erfurter Resolution“ des völkischen „Flügel“. Einen Monat später wird Paul Traxl eine Schifffahrt auf dem Main-Donau Kanal mit dem Star der völkischen Rechten in der AfD Björn Höcke organisieren. (Quelle: Antifa)

Am 16. September führt die AfD Dachau-Fürstenfeldbruck im Ludwig-Thoma-Haus ihre Wahlkampfabschlussveranstaltung unter dem Motto „Hol dir dein Land zurück“ durch. Als Gast ist Beatrix von Storch geladen. Von Storch ist Mitbegründerin der AfD, Europaparlamentsmitglied und Mitglied des AfD Bundesvorstands. Sie vertrat die Ansicht, dass an den Grenzen auf Geflüchtete geschossen werden dürfe. Dabei nahm sie Kinder und Frauen explizit nicht aus. Die Aussagen sorgten 2015 für bundesweite Empörung. Hauptanliegen von Storchs sind das Propagieren reaktionärer, traditioneller Familienstrukturen und Geschlechterrollen mit Ablehnung der Ehe für Alle. Sie stellt sich gegen Feminismus an sich.
Vor dem Thoma-Haus protestieren rund 130 Menschen gegen die Veranstaltung. Im antifaschistischen Aufruf wird neben den kontinuierlichen rassistischen Tabubrüchen und der Person von Storchs, auch auf den AfD Kreisverband eingegangen, deren Protagonist_innen innerhalb der rechten Partei am rechten Rand anzusiedeln sind. Es werden Plakate mit der Aufschrift „Ihr seid nicht rassistisch? Da brat mir doch einer n Storch“ gehalten und mit Helium Ballons steigen gelassen. Einige Plakate nehmen auch direkten Bezug auf die in der Vergangenheit mit Torten beworfene AfD Politikerin. Über einer Papptorte steht „Torturing Antifeminists“. Es gesellen sich auch spontan Menschen zu den Gegenprotesten, der diesmal auch lauter als gewöhnlich ausfällt. Der Aufgang zum Thoma Haus wird wieder von USK Einheiten bewacht. Markus Kellerer und Matthias Mestmacher stehen mit Ordnerbinden an der Tür. Die knapp 70 Teilnehmenden der AfD Veranstaltung sind sichtlich genervt. Moderiert wird die Veranstaltung vom Pressesprecher der AfD Dachau Karl Hermann Behrens. Neben dem Spitzenkandidaten des Wahlkreises Florian Jäger hält auch der neue Kreisvorsitzende Maximilian Dachauer (Gröbenzell) eine Ansprache. (Quelle: Antifa)

Am selben Abend werden in Dachau Aufkleber der „Identitären Bewegung“ (IB) verklebt. Vom Papierfabrikberg über die Mittermayerstraße, Karlsberg, entlang der Münchner Straße beidseitig. Auf der Strecke werden auch Plakate von SPD, Linke und Grünen abgerissen und zertreten bzw. Plakate des SPD Kandidaten Michael Schrodi mit IB Aufklebern beklebt. (Quelle: Antifa)

In der Nacht von 21. auf 22. September werden entlang der Münchner Straße erneut Wahlplakate beklebt. Die 30 cm langen Aufkleber mit der Aufschrift „Arbeiterverräter“ werden auf SPD und Linke Plakate geklebt. Grünen Plakate mit „Kinderficker“. (Quelle: Antifa)

Bei der Bundestagswahl am 24. September erhält die rechte „Alternative für Deutschland“ (AfD) im Landkreis Dachau 12,33% der Zweitstimmen (10.471 Stimmen). Spitzenkandidat Florian Jäger (Olching) bekommt 10,87% der Erststimmen. Sie liegt damit über dem Landkreis Fürstenfeldbruck, wo die AfD 10,93% Zweit- und 9,7% Erststimmen erhält.
Am stärksten ist die AfD bei den Zweitstimmen in den Gemeinden in Odelzhausen (14,74%), Bergkirchen (14,34%), Markt Indersdorf (14,17%) und Hilgersthausen-Tandern (14,06%). In der Stadt Dachau liegt sie bei 11,87%. Die Lokalpresse zitiert Jäger in Bezug auf das Aushängeschild der völkischen Rechten in der AfD Björn Höcke: „An Herrn Höcke ist nichts rechtsextrem“. Landrat Löwl freue sich „über jede Stimme für eine demokratische Partei“, „außer AfD und Linke“.
Die neonazistische NPD bekommt 0,17% Zweitstimmen, die extrem rechten Kleinstparteien „Deutsche Mitte“ 0,15% und „BüSo“ 0.01%. (Quelle: Landratsamt Fürstenfeldbruck, SZ Dachau)

Anfang November werden in der Felix Dahn Straße in Dachau Süd Aufkleber mit der Aufschrift „Good night islamistic pride“ verklebt. Das dem linken Good night white pride entlehnte Motiv wird ausschließlich von Neonazi-Versänden, wie dem „Nationalen Versandhaus“ vertrieben. (Quelle: Antifa)

Ein Jahr nach ihrer Gründung und genauso langer Inaktivität, führt die „Junge Alternative Dachau-Fürstenfeldbruck“ am 10. November im Gasthof Fischer gegenüber des Dachauer Bahnhofs einen Stammtisch durch. Es kommen lediglich sieben Personen. Neben den JA Aktiven Roman Bothmann und Oliver Ratz nimmt außerdem der Landesvorsitzende der JA Bayern und Mitglied des Bundesvorstand Christoph Steier teil. Der Stammtisch findet in einem separaten Hinterzimmer statt. Als die JAler entdecken, dass sie beobachtet werden, springt Steier auf und rennt nach draußen, bremst aber wieder ab als er sich einer Gruppe von Antifaschist_innen gegenüber sieht. (Quelle: Antifa)

Am 18. November wird ein AfD Ortsverband Odelzhausen gegründet. Laut Angabe des Kreisverbands soll der Ortsverband die weit abseits liegenden Gemeinden Altomünster, Sulzemoos, Pfaffenhofen, sowie Egenhofen und Erdweg mit vertreten. Als Vorsitzender wird Timo Schmidt gewählt. Ämter im Vorstand bekleiden Dietmar Renner, Heike Behrens und Peter Banholzer. Als Beisitzer im Vorstand ist, neben der Betreiberin eines Pflegedienstes, der Pressesprecher des AfD Ortsverband Dachau Karl Hermann Behrens. (Quelle: Antifa)

Am 18. November werden im Untergeschoss der Dachauer Bahnhofs, an der Treppe zum Bahnsteig, sowie am Bahnsteig selbst Aufkleber der „Identitären“ geklebt. (Quelle: Antifa)

Von 24. auf 25. November werden am Dachauer Bahnhof erneut vereinzelt Aufkleber der „Identitären Bewegung“ verklebt. (Quelle: Antifa)

Am 10. Dezember wählt auch der AfD Ortsverband Dachau einen neuen Vorstand. Einzig Karl Hermann Behrens wird als Pressesprecher bestätigt. Neuer Ortsvorsitzender wird der bayerische Landesvorsitzende der „Jungen Alternative“ (JA) Christoph Steier. Sein Stellvertreter wird Christoph Venjakob, der sich nicht mit Foto präsentieren möchte. Der bisherige Ortsvorsitzende Markus Kellerer ist nur noch Schriftführer. (Quelle: Antifa)

In der zweiten Dezemberwoche muss sich ein 20 jähriger Dachauer vor dem Amtsgericht Dachau verantworten. Er war in der 179 Mitglieder starken Whatsapp-Gruppe „arische Bruderschaft“. Es wird zweifelsfrei bestätigt, dass von seinem Handy Bilder von Adolf Hitler, „Sieg Heil“ Grüße und Hetze gegen Geflüchtete, Jüdinnen und Juden verbreitet wurden. Gepostet werden menschenverachtende Aussagen, wie „wir machen uns einen Spaß und häuten sie so, dass sie daran nicht sterben. Dann Salz über sie!“ Allerdings gibt der Industriemechaniker vor Gericht an, dass sein Mobiltelefon in genau diesem Zeitraum gestohlen worden wäre. Später bekam er es im Fundbüro seiner Berufsschule wieder. Bei Erhalt habe er alle eingegangen Nachrichten ungelesen gelöscht. Ebenfalls begründet der 20 jährige seine Unschuld mit seiner kosovarischen Herkunft. Das Gericht spricht den Mann frei. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

Selbst ernannte „Patriotische Christen Deutschlands“ kleben DIN A4 Zettel an Schaufensterscheiben in der Dachauer Altstadt, am Klinikum Dachau und am Besucherzentrum der KZ Gedenkstätte Dachau. Der Aufruf richtet Forderungen an die Kirchen, ist aber eine Sammlung völkisch rassistischer und geschichtsrevisionistischer Propaganda. Das Blatt endet mit einer Drohung, dass die „Patriotischen Christen“ die „Teilnahme an kulturmarxistischen Zersetzungsprojekten seitens der Kirchen nicht länger hinnehmen“ würden. Die Kripo beurteilt den Inhalt als nicht „strafrechtlich relevant“. Es sei lediglich eine Ordnungswidrigkeit. Die Versöhnungskirche auf dem Geländer KZ Gedenkstätte veröffentlicht eine Presseerklärung. Die evangelische Stadtdekanin distanziert sich von dem Schreiben. (Quelle: Antifa, SZ Dachau)