Chronik 2014 zu rechten und rassistischen Vorfällen in Dachau und Landkreis

In einem Interview mit der Dachauer SZ vom 14. Januar verteidigt die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt ausdrücklich ein von ihr verfasstes Papier, das Flüchtlingen aus Rumänien und Bulgarien pauschal unterstellt, Sozialleistungen zu missbrauchen. In der Wortwahl der CSU werden Flüchtlinge als „Armutsflüchtlinge“ bezeichnet. Die CSU fordert, diese abzuschieben. Hasselfeldt, die für den Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck in den Bundestag gewählt wurde, weist Kritik, dass die Debatte rassistische Ressentiments bediene, zurück. Sie meint dazu, dass „manchmal Zuspitzung nötig“ sei. Die Tatsache, dass am 8. Januar in Germering (Landkreis Fürstenfeldbruck) ein Brandanschlag auf die dortige Flüchtlingsunterkunft verübt wurde, findet in ihren Aussagen keine Erwähnung. (Quelle: Dachauer SZ)

Im Januar tobt innerhalb der Dachauer SPD ein Machtkampf. Stadtrat Horst Ullman putschte im April 2013 mit Unterstützung von „SPD Senioren“ seinen favorisierten Bürgermeisterkandidaten durch. Der Eschenrieder Bernhard Schäfer.Schäfer ist SPD Neumitglied. Er war zuvor Gründungsmitglied und Schatzmeister des Kreisverband Dachau/Fürstenfeldbruck der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD). Zum Jahreswechsel putscht die zuvor besiegte Seite ihrerseits, und gewinnt in einer Kampfabstimmung. Ullmann tritt aus der SPD aus. Die Rolle eines Ex-Mitglieds der rechtspopulistischen AfD in einer sozialdemokratischen Partei kommt in der Öffentlichkeit nicht zur Sprache. (Quelle: Dachauer SZ)

Anfang Februar ist die Neonazi-Aktivistin Vanessa Becker, zusammen mit fünf weiteren Personen, Gast im „Muddy Boot“, dem Irish Pub in der Dachauer Altstadt. Vor der Tür versucht sie Gäste politisch zu agitieren. Diese können sich verbal gut zur Wehr setzen. Während der Debatte vor der Tür kommen zwei Männer, die dem Aussehen nach offenkundig der Neonazi-Szene zugerechnet werden können, auf Becker zu und grüßen sie mit dem Hitlergruß. Vanessa Becker ist Mitglied der „Kameradschaft München“ im „Freien Netz Süd“ und Kandidatin der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ für die Stadtratswahlen in München. Zudem ist sie zu diesem Zeitpunkt, zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern der „Kameradschaft München“, Bewohnerin der Neonazi WG in Obermenzing. (Quelle: Antifa)

In der Nacht vom 11. auf den 12. Februar wird das selbstverwaltete JUZ Freiraum in der Brunngartenstraße erneut Ziel einer neonazistischen Attacke. Die Außenfassade wird mit Hakenkreuzen, SS Runen, sowie Neonazi Parolen besprüht: „Judenschweine”, „Anti Antifa”, „Wir kriegen euch alle” und „NSU“. Die Dachauer Polizei erlaubt den Betreiber_innen des Freiraums erst 48 Stunden später die Parolen zu entfernen. Erst dann bestätigt sie Fotos gemacht zu haben. Der Freiraum wendet sich an die Öffentlichkeit, aber es kommen, mit Ausnahme der Dachauer Jusos, vorerst keine Solidaritätsbekundungen. Die Berichterstattung in den Medien ist aber derart breit, dass der Vorfall schnell größere Kreise zieht. Sogar internationale Medien, bspw. in Chile, berichten über den Vorfall. Siehe Beitrag hier mit vielen Links zu Presseberichten. (Quelle: Antifa)

Am 19. Februar wird ein gesprühter SS-Schriftzug mit Doppel-Sigrune an einem Altkleidercontainer neben dem Rewe in der Theodor Heuss Straße entdeckt. (Quelle: Antifa)

Am 16. März findet in der evangelischen Versöhnungskirche ein Gedenkgottesdienst für die Opfer des NS Genozids an Sinti und Roma statt. Am Vortag wird ein Film gezeigt, der die Diskriminierung von als „Zigeuner“ bezeichneten Sinti und Roma in der heutigen Gesellschaft thematisiert. Die konservativen Dachauer Nachrichten kündigen den Termin mit der Überschrift „Gegen Zigeunerfeindlichkeit“ an. (Quelle: Dachauer Nachrichten)

In der ersten Aprilwoche werden Aufkleber des „Freien Netz Süd“ (FNS) am Bahnhof, am Ignaz Taschner Gymnasium und in der Pollnstraße verklebt. Bekannte Motive wie „Good Night Left Side“, aber auch neuere, wie ein Aufkleber mit einem Bild von Vanessa Becker und der Aufschrift „Frauen rettet euer Land“. (Quelle: Antifa)

Am Samstag, den 12. April führen 35 Neonazis des „Freien Netz Süd“ (FNS), bzw. deren Nachfolgeorganisation „Der III. Weg“, eine Kundgebung vor der Agentur für Arbeit in der Münchner Straße durch. Sie wollen damit anlässlich ihres jährlichen 1. Mai Aufmarsches, der dieses Jahr in Plauen (Sachsen) stattfindet, eine Propaganda-Veranstaltung abhalten. Das Landratsamt Dachau verschweigt die Neonazikundgebung im Vorfeld, und ist auch nach öffentlicher Kritik diesbezüglich uneinsichtig und sich keiner Schuld bewusst.
Es beteiligen sich überdurchschnittlich viele Kader des FNS bzw. des „III. Weg“ aus München, Niederbayern, Schwaben und dem Raum Mühldorf, sowie mit Karl Heinz Statzberger und Thomas Schatt zwei verurteilte Rechtsterroristen. Auch der Neonazi-Aktivist Christian L. („Kameradschaft München“) aus Arnbach, Landkreis Dachau beteiligt sich an der Kundgebung. Schnell können über 40 Menschen mobilisiert werden, die sich den Neonazis in den Weg stellen und ihre Reden übertönen. Die Dachauer Polizei, die anfangs nur mit vier Beamt_innen vor Ort ist, äußert gegenüber der Presse, sie hätte „keine Kenntnis“ davon, dass der verurteilte Rechtsterrorist Statzberger („Kameradschaft München“, „Der III. Weg“) an der Kundgebung teilgenommen hätte. Allerdings trug Statzberger eine Maske von Angela Merkel und musste zu Beginn der Kundgebung dafür seine Personalien bei der Polizei abgeben. Als die Presse das am 19. April bekannt gibt, äußert die Dachauer Polizei, sie könne dazu keine Angaben machen.
Am 14. April ziehen 60 Antifaschist_innen aus Dachau mit einer Spontandemonstration lautstark durch die Stadt und werden dabei von der Polizei gegängelt und gefilmt. Der Stadtrat fordert, künftig über rechte und „extreme“ Veranstaltungen informiert zu werden. (Quelle: Antifa, Dachauer SZ)
Siehe ausführliche Berichterstattung in den Artikeln Landratsamt verschweigt Neonazi-Kundgebung in Dachau und Stadtrat möchte über „extreme“ und rechte Veranstaltungen informiert werden

Über die Osterfeiertage 18. bis 21. April werden am Ignaz Taschner Gymnasium erneut Aufkleber des FNS mit dem Konterfei von Vanessa Becker geklebt. (Quelle: Antifa)

Am 25. April führen Neonazis in München ihre jährliche Mahnwache in Gedenken an den Altnazi Reinhold Elstner durch, der sich 1995 vor der Feldherrenhalle selbst verbrannte. Der Dachauer Neonazi-Aktivist Christian L. beteiligt sich, versucht sich jedoch mit einer Kapuze und verschränkten Armen vor dem Gesicht unkenntlich zu machen. Er kommt gemeinsam mit Vanessa Becker zur Kundgebung. (Quelle: Antifa)

Beim 1. Mai Aufmarsch der neonazistischen Kleinstpartei „Der III. Weg“ in Plauen (Sachsen) beteiligen sich die Dachauer Neonazis Christian L. und Andreas H., welche beide gemeinsam im organisierten Block des „III. Weg“ mit marschieren. L. trägt eine Fahne des „III. Weg“. Daneben läuft Stefan S. (Puchheim) mit einer Ordnerbinde. (Quelle: Antifa)

Am 2. Mai wird der über 4000 ermordeten Rotarmisten am „SS Schießplatz“ in Hebertshausen gedacht. Im Zuge der Krise zwischen Russland und der Ukraine, an deren Übergangsregierung auch die rassistische, antisemitische Partei „Swoboda“ beteiligt ist, weigert sich der ukrainische Botschafter gemeinsam mit den russischen und weißrussischen Botschaftern an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. (Quelle: Dachauer SZ)

An der Commerzbank in der Münchner Straße wird am 14. Mai ein Aufkleber mit der Aufschrift „Combat 18 – Smash the Reds“ angebracht. „Combat 18“ ist eine terroristische Neonazigruppe aus Großbritannien, die Anfang der Neunziger das internationale Neonazinetzwerk „Blood & Honour“ infiltrierte und Mitte der neunziger Jahre Anschläge auf politische Gegner_innen verübte. In der BRD ist „Blood & Honour“ seit dem Jahr 2000 verboten. (Quelle: Antifa)

Der „SS Schießplatz“ der KZ Gedenkstätte Dachau in Herbersthausen wird am 23. Mai geschändet. Es werden SS Runen und ein Hakenkreuz, sowie die Buchstaben AH (was wohl „Adolf Hitler“ bedeuten soll) mit Fichtenzapfen vor einem Mahnmal ausgelegt. Die Polizei meint dazu, es gebe noch keinen konkreten Verdacht. Es könne auch ein „dummer Jungenstreich“ gewesen sein. (Quelle: Dachauer SZ)

Am dritten Maiwochenende findet in Altstetten bei Sulzemoos ein Fest des Dachauer Motorradclubs „Chaindogs MC“ statt. Der Neonazi Christian L. ist dort als Gast anwesend. (Quelle: Antifa)

Im Wahlkampf zur Europawahl werden am Dachauer Bahnhof, und der Ecke Münchner Straße / Schleißheimerstraße Aufkleber der extrem rechten „Deutschland Bewegung“ verklebt. Darauf steht „Die Türkei den Türken – Europa den Europäern“. (Quelle: Antifa)
Die „Deutschlandbewegung“ unter ihrem Gründer Alfred Mechtersheimer, will „die Bevölkerung aufklären über die Politik fremder Mächte, die alles was deutsch ist, demontieren wollen.“ Sie grenzt sich vom Neonazi-Spektrum ab. Mechtersheimer tritt u.a. vor Burschenschaften auf. Siehe auch Chronik 2013

25. Mai: Aufkleber mit SS Totenkopf und Keltenkreuz, dem Symbol der Neonaziszene für „White Power“, am Dachauer Bahnhof. Auf russisch steht darauf „Moskauer Glatzköpfe“, was ein Titel der Moskauer Neonazi-Band „Kolovrat“ ist. „Kolovrat“ ist die älteste Neonazi-Band in Russland. (Quelle: Antifa)

Bei der Europawahl am 25. Mai bekommt die rechtspopulistische, sozialchauvinistische „Alternative für Deutschland“ (AfD) im Landkreis Dachau 9,12%. In Karlsfeld, Odelzhausen und Weichs sogar über 10%. Am besten schnitt sie in Pfaffenhofen a.d. Glonn mit 11,62% ab. Damit liegt die AfD in Dachau deutlich über dem Bundesergebnis von 7,1%.
Die „Republikaner“ unterstreichen mit 0,4% (185 Stimmen) ihre Bedeutungslosigkeit. Sie sind nicht einmal in der Lage Wahlplakate aufzuhängen. Die neonazistische NPD erhält 0,3% (142 Stimmen). (Quelle: Dachauer SZ, bundeswahlleiter.de)

13. Juni: Selbstgemachter Aufkleber an der Amperbrücke Richtung Freiraum mit der Aufschrift „Rassismus ist Notwehr einer Rasse“. (Quelle: Antifa)

Nach dem Sieg der deutschen Fußballnationalelf gegen Brasilien am 8. Juli sind auf der Fanmeile in der Münchner Straße vier als Neonazis erkennbare Personen anwesend. Einer trägt ein Trikot mit der Nummer 88. Sie sind stark alkoholisiert und versuchen durch Gesänge die anderen Anwesenden zum Mitsingen zu bewegen. Sie stimmen u.a. das Onkelz-Lied „Mexiko“ an. Einer von ihnen zeigt kurz den Hitlergruß. Wegen des starken Regens sind erheblich weniger Menschen auf der Fanmeile als üblich. Der Großteil beachtet die Nazis nicht. Man lässt sie aber gewähren. Polizei ist nur an den Absperrungen am Sparkassenplatz und an der Kreuzung zur Bahnhofstraße/Schillerstraße mit je einem Streifenwagen präsent. (Quelle: Antifa)

Anfang Juli wird in der Unterführung in der Augustenfelderstraße ein 50 x 50 cm großes Hakenkreuz in oranger Farbe gesprüht. (Quelle: Antifa)

Ebenfalls Anfang Juli startet in Dachau die Kampagne „Kein Platz für Rassismus – Dachauer zeigen Zivilcourage“. Initiiert vom selbstverwalteten JUZ Freiraum beteiligen sich mehrere zeitgeschichtliche, zivilgesellschaftliche Initiativen und Parteien. Als offiziellen Startschuss unterschreiben alle Volksfestwirte, um die Kampagne zu unterstützen. Allerdings hängt nur das „Naumann“-Zelt die Plakate auf, bzw. legt Bierdeckel der Kampagne aus. In der Erklärung der Kampagne zeigen sich die Unterstützer_innen bereit Nazis nicht zu bedienen, was aber faktisch ohne Konsequenz bleibt. Es sind natürlich durch Kleidung oder Tätowierungen als Nazis erkennbare Personen auf dem Volksfest anwesend und werden ohne weiteres bedient.
Bereits am 9. August, dem ersten Volksfesttag treffen sich 12 Nazis, zum Teil in Tracht, an dem mittlerweile geschlossenen „Niko’s Treff“ in der Bahnhofsstraße. Unter ihnen der Dachauer Nazi Sascha H.. (Quelle: Antifa)

In der Nacht des 16. August laufen sechs Neonazis, darunter Christian L., nach dem Volksfest im überfüllten Irish Pub in der Dachauer Altstadt ein. Sie sind stark alkoholisiert und treten sofort aggressiv gegenüber linksalternativen Jugendlichen auf. Da sie aber kein Bier mehr bekommen verlassen sie das Lokal. (Quelle Antifa)

Am 7. September werden in der Filiale der Volksbank in der Münchner Straße Werbebroschüren der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ entdeckt. Sie sind in Ständern mit Werbung platziert worden. Darin wird gegen „Deutschfeindiche Ausländergewalt“ und „gewaltbereite Linksextremisten“, die in „deutschen Städten bürgerkriegsähnlich Zustände“ versetzen, gehetzt. Außerdem wird zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte beklagt. Eine Polizistin wird zitiert, dass sie „täglich mit straffälligen Migranten, darunter größtenteils Muslimen“ konfrontiert sei. Rechte Gewalt wird dagegen relativiert. Die Broschüre ist zusätzlich handschriftlich mit der Webadresse des rassistischen Blogs „PI News“ versehen. Auf Nachfrage bei der Volksbank, ob ihnen das bekannt war, zeigt sich ein Mitarbeiter der Filiale desinteressiert. Er sehe auch keinen Anlass zu fragen, ob in anderen Filialen derartige Broschüren aufgetaucht sind. (Quelle: Antifa)

Am 9. September werden im Himmelreichweg in Dachau Süd alte Wahlunterlagen, Kuverts mit der Aufschrift „BMW Financial Services“, sowie Werbeprospekte mit der Parole „Salafisten raus“ in ausgesuchte Briefkästen eingeworfen. Betroffen sind drei türkische, eine iranische, eine marokkanische, eine afrikanische und eine nicht genannte Zahl deutscher Familien mit migrantisch klingenden Nachnamen. Trotz dieser offensichtlichen Bedrohung sieht die Polizei hierbei keinen Straftatbestand. Am Abend des 12. September versammeln sich am Unteren Markt in Dachau spontan knapp 30 Menschen, um gegen rassistische Hetze zu protestieren. (Quelle: Dachauer SZ, Dachauer Nachrichten, Antifa)

An der „Langen Tafel“ auf der Münchner Straße sind am 13. September drei als Neonazis erkennbare Personen unterwegs. Zwei von ihnen tragen den gleichen Pullover der Neonazimodemarke „Thor Steinar“ mit der großflächigen Aufschrift „Division Thor Steinar“. Sie sind stark alkoholisiert und verhalten sich laut, werden aber nicht behelligt. (Quelle: Antifa)

Als sich am 19. September zwei Punks aus dem Dachauer Bahnhof bewegen, werden sie aus einer Gruppe von sieben Personen heraus angepöbelt. Bei dem Wortführer handelt es sich erneut um den Neonazi Christian L., der dort mit den anderen Bier trinkt. (Quelle: Antifa)

Am 24. September tauchen am Dachauer Bahnhof die ersten Aufkleber der FNS Nachfolgeorganisation „Der III. Weg“ auf Zeitungskästen und am Bahnsteig auf. (Quelle: Antifa)

Der Kreistag beschließt Ende September eine Koordinierungsstelle für Asylsuchende einzurichten. Im Kreisausschuss behauptet der Fraktionschef der „Freien Wähler Dachau“ Sebastian Leiß, die Ankunft der Flüchtlinge verschärfe die Wohnungsnot. Diese Argumentation kommt sonst eher aus rechtspopulistischen Kreisen. Die übrigen Fraktionsmitglieder äußern sich nicht dazu. Außerdem entbehrt die Aussage jeglichen Sinns, da Flüchtlinge im Landkreis eben nicht in Wohnungen leben, sondern in Containern, einer Tennishalle, einem geschlossenen ehemaligen Pflegeheim und in Dachau in Holzbaracken. (Quelle: Dachauer SZ)

Die Neonazipartei „Der III. Weg“ veröffentlicht am 6. Oktober einen Artikel auf ihrer Homepage, in dem sie behaupten in Petershausen rassistische Flyer verteilt zu haben. Sie beziehen sich dabei auf Petershausen, da dort Flüchtlinge untergebracht sind, die sie als „kulturfremde Asylanten“ bezeichnen. Provisorische Unterkünfte für Flüchtlinge gibt es im gesamten Landkreis Dachau. In Petershausen wohnt der „III. Weg“ Aktivist Simon H.. Ihr „Aufklärungsfeldzug“ ist seltsamerweise niemandem aufgefallen und war wohl eine der üblichen hastigen Verteilungen, die im Nachhinein zu Aktionen stilisiert werden. (Quelle: Antifa)

Die Presse berichtet am 11. Oktober über den Plan, Flüchtlinge in leerstehen Klassenzimmern in der Ganztagsschule in der Steinstraße unterzubringen. Allerdings soll das nur eine Übergangslösung sein. Der Elternbeirat des Josef Effner Gymnasiums fühlt sich überrumpelt, da er nicht über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt war. Doch das eigentliche Problem liegt dem Anschein nach woanders: „Wir sind der Meinung, dass politische Versäumnisse nicht auf Kosten der Sicherheit unserer Kinder gelöst werden dürfen.“ Flüchtlinge als Sicherheitsproblem? Nicht nur. Die Elternbeiratsvorsitzende Ursula Eder weiter: „Wir haben auch große Bedenken bezüglich der Hygiene und möglicher gesundheitlicher Risiken.“ (Quelle: Dachauer SZ)

Am 19. Oktober findet in München eine nationalistische türkische Demonstration des Motorradclubs „Turkos MC“ gegen die kurdische PKK statt, die sich mehrheitlich aus Anhänger_innen und Unterstützer_innen der extrem rechten „Grauen Wölfe“ zusammensetzt. Es werden Fahnen, sowie der so genannte Wolfsgruß der „Grauen Wölfe“ gezeigt. Die Mitglieder des Motorradclubs „Turkos MC“, der den „Grauen Wölfen“ nahe steht, zeigen dort auch diesen Gruß. Auf der Demonstration sind Personen des „Turkos MC Dachau“ mit entsprechenden Kutten und Aufnähern anwesend. (Quelle: Antifa, Endstation Rechts Bayern)

In der Nacht von 1. auf 2. November wird die KZ Gedenkstätte geschändet. Die Tür am Jourhaus mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ wird gestohlen. Es ist zum einem von einer organisierten Aktion auszugehen, da ein Wachdienst siebenmal pro Nacht Runden auf dem Gelände geht, zum anderen musste die 100 kg schwere Tür von mindestens zwei Personen getragen, über eine Absperrung gehoben und mit einen Auto weg transportiert werden. Die Leiterin der Gedenkstätte, Gabriele Hammermann, spricht vom schwersten Angriff, der kein Zufall sei. Schnell werden von Überlebenden, wie Max Mannheimer, sowie den Medien Neonazis hinter der Tat vermutet. Bereits 2009 wurde die selbe Inschrift in Auschwitz von Neonazis gestohlen. Die Neonazi-Szene amüsiert sich darüber. Der „III. Weg“ schreibt einerseits verharmlosend von „Altmetall Diebstahl“, nutzt dann die Abkürzung der Nazis für die Konzentrationslager „KL“, bezeichnet den Spruch „Arbeit macht frei“ als „bekannte Losung“ und bekundet damit seine grundsätzliche Sympathie und Zustimmung zur systematischen Menschenvernichtung der Nazis. Das Dachauer Konzentrationslager war das erste seiner Art und Modell für alle anderen Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis. Über 200.000 Menschen waren hier inhaftiert, über 41.000 starben oder wurden ermordet.
In Kommentaren zum online-Artikel der „Dachauer Nachrichten“ über die Schändung, ist von „exklusiven Luxusopfern“ die Rede, eine Wortwahl aus extrem rechten Kreisen. Andere machen sich über die Reaktion der Gedenkstätte lustig. Die Kommentare werden nicht entfernt. Bereits im Mai diesen Jahres posieren zwei Dachauer Nazis vor der Tür und posten das Foto auf Facebook.
Am 9. November demonstrieren vor dem Jourhaus 300 Menschen unter dem Motto „Gedenken kann man nicht stehlen“ mit einer stillen Mahnwache. (Quelle: Dachauer SZ, Dachauer Nachrichten, Antifa)

Am 16. November wird in mehreren Internetartikeln der Neonazi Simon H. aus Peterhausen enttarnt. H. lief am Vortag auf einer Demonstration des „III. Weg“ in Wunsiedel mit. Dort hielt er zusammen mit dem verurteilten Rechtsterroristen Karl Heinz Statzberger ein Transparent der Neonazipartei. H. hat das Jahr 2014 über versucht antifaschistische Strukturen auszuspähen. (Quelle: Antifa)

Am 10.12. meldet die Neonazigruppe „Der III. Weg“, Mitglieder ihres „Stützpunkt München“ hätten in Markt Indersdorf rassistische Flugblätter gegen die Flüchtlinge in der dortigen Tennishalle verteilt. Ein Zeitraum wird nicht genannt. Es lässt sich, den Äußerungen des Breichts zu Folge, auf die erste Dezemberwoche oder Ende der letzten Novemberwoche eingrenzen. Die Tennishalle liegt im Industriegebiet, in der Nähe des Bahnhofs. Im Gebiet um die Halle, sowie im angrenzenden Wohngebiet haben Anwohner_innen und Inhaber_innen von Geschäften nichts von einer Flugblattverteilung mitbekommen. Auch fanden sie keine Flugblätter in ihren Breifkästen, was bei solchen Verteilungen üblich ist, da Neonazis meist nicht direkt verteilen. Auch in der Tennishalle selbst wurde nichts bemerkt. Die „Kameradschaft München“ ist nach dem Verbot des „Freien Netz Süd“ im Juli diesen Jahres im „Stützpunkt München“ des „III: Weg“ aufgegangen. (Quelle: Antifa)

Die Lokalpresse meldet am 20.12. Unbekannte hätten in der Nacht von 13. auf 14.12. Hakenkreuze in Dachau Süd und in der Altstadt gesprüht. Am Eduard Schleich Weg, dem Lovis Corinth Weg, dem Langer Schöller Weg und dem Adolf Lins Weg sind Hauswände und geparkte Fahrzeuge besprüht worden. In vier Fällen wurden dabei Hakenkreuze gesprüht. Ebenfalls in der selben Ńacht wird an das Parkhaus in der Altstadt ein Hakenkreuz in oranger Farbe gesprüht. (Quelle: Dachauer SZ)