Chronik 2012

Ein 29 Jähriger aus Langenbach, Landkreis Freising, zeigt am Neujahrstag in der KZ Gedenkstätte den Hitlergruß. Im April wird er dafür verurteilt. Siehe April (Quelle: Dachauer SZ)

Am 8. Januar werden am Dachauer Bahnhof der Bereich um die Fahrkartenautomaten und der Zugang zum Vorplatz mit 40 Aufklebern der NPD-Jugendorganisation JN („Junge Nationaldemokraten“) und der aufgelösten Kameradschaft „Freie Nationalisten München“ (FNM) beklebt. Reste der FNM sind mittlerweile in der „Kameradschaft München“ bzw. der „Kameradschaft München-Nord“ aktiv. (Quelle: Antifa)

Am 24. Januar tauchen 20 bis 25 der selben Aufkleber in der S2 Richtung Erding auf. (Quelle: Antifa)

Im Januar wird am Bacherner Bahnhof ein 20 cm großes Hakenkreuz in das Wartehäuschen geritzt. (Quelle: Antifa)

Der erste Aufkleber des bayerischen Kameradschaftsdachverbands „Freies Netz Süd“ taucht am 5. Februar an der Rückseite des Dachauer Bahnhofs auf. Die Aufschrift lautet „Deutschland über alles“. (Quelle: Antifa)

Die Lokalpresse berichtet am 9. Februar, dass zwei Dachauer aus dem Spektrum der extremen Rechten, wegen gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen von jeweils 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt worden sind. Sie geben vor Gericht zu, am 20.10.2009 im Lokal „Wahnsinn“ in der Sudetenlandstraße einen Barkeeper geschlagen, getreten und mit Gläsern und Flaschen beworfen, sowie ihm einen Maßkrug auf den Kopf geschlagen zu haben. Dabei wurde dieser schwer verletzt. Im Oktober 2010 wurden sie bereits in erster Instanz zu drei Jahren Haft verurteilt. Sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft gingen danach in Berufung.
Die beiden 24 und 27 Jahre alten Männer gehörten zum Dachauer Ableger der „Bootboys Crew München“, einem Fankreis der aufgelösten Münchner Rechtsrock-Band „Stiefeljungs“. Die mittlerweile nicht mehr unter dem Namen auftretenden „Bootboys“ sind ein politisch nicht aktiver, subkulturell geprägter Zusammenschluss von (ex)Boneheads mit engen Verflechtungen in die rechte Hooligan-Szene (z.B. den „Outsiders“ bei 1860) und Kontakten in die Neonazi-Szene. (Quelle: Dachauer SZ, Antifa)

In der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „Amperland“ erscheinen Portraits über den Dachauer Musiker Andreas Goldhofer und den Dachauer Schriftsteller Bernd Holger Bonsels (1907-1978), in denen, laut Dachauer SZ, ihre Verflechtungen mit dem NS-Regime verschwiegen bzw. verharmlost werden. Goldhofer hatte ab 1933 an der Würzburger Lehrerbildungsanstalt Musikpädagogik unterrichtet. In Bonsels Biographie, verfasst vom Dachauer Stadtrat Edgar Forster (FW), wird dessen publizistische Tätigkeit für die völkische, antisemitische Sekte der „Ludendorffer“ unkommentiert wiedergegeben. Ebenfalls wird unterschlagen, dass sein Werk über den von den Nazis verehrten Ulrich von Hutten, posthum im „Türmer Verlag“ erschien, einem Verlag, der zur extrem rechten „Verlagsgemeinschaft Berg“ gehört. In Forsters Biogarphie wird Mathilde Ludendorff, laut Dachauer SZ, als „Mystikerin“ bezeichnet. (Quelle: Dachauer SZ)
Die völkische, antisemitische „Ludendorffer“ Bewegung wurde nach dem gescheiterten gemeinsamen Putsch mit der NSDAP vom 9.11.1923 von General Ludendorff und seiner Frau Mathilde gegründet und existiert bis heute abgeschottet von der Außenwelt, unterhält eine Vielzahl eigener Immobilien, Verlage und sogar eigene als „Ahnenstätten“ bezeichnete Friedhöfe. Ihr Vorsitzender war bis zu seinem Tod 2010 der Dachauer Gunther Duda. In der Weltsicht der Ludendorffer streben „die Juden“ nach der Weltherrschaft. „Blutsbewusstsein und Rassestolz“ werden als „Rückgrat des Volkes“, die ökonomischen Verhältnisse als „entartete Wirtschaftsformen in einem verjudeten Staate“ bezeichnet.

Bei einem Punkkonzert am 17. Februar im selbstverwalteten JUZ Freiraum in der Brunngartenstraße sind die beiden oben erwähnten, wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilten, Männer mit einer dritten Person anwesend. Es kommt schnell zu einer verbalen Auseinandersetzung, die schließlich in ein kurzes Handgemenge mündet, worauf ihnen Hausverbot erteilt wird. (Quelle: Antifa)

Zwei Wochen später sind die beiden im Irish Pub „Muddy Boot“ in der Altstadt anwesend, wo sie versuchen alternative Jugendliche einzuschüchtern. Im „Muddy Boot“ halten sich Personen aus diesem Spektrum in unregelmäßigen Abständen auf, da ihnen dort kein Hausverbot erteilt wird. (Quelle: Antifa)

Am 19. März werden auf dem Gelände des Ignaz Taschner Gymnasiums „Anti Antifa“-Aufkleber (zum Teil an Fensterscheiben) und an der Schleißheimerstraße von der Bahnunterführung bis Höhe Pollnstraße über 50 Aufkleber der NPD-Jugend JN und aus dem Kameradschaftsspektrum, der FNM und der überregionalen Nachfolgeorganisation des „Thüringer Heimatschutzes“ „Freies Netz“ aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, verklebt. (Quelle: Antifa)

Eine Frau wird am 28. März in der S2 von Petershausen aus von zwei 32 und 30 Jahre alten Männern durch anzügliche Bemerkungen bedrängt. Dann beginnen sie die Frau zu betatschen. Als Bahnbeamte dazwischen gehen, zeigen sie den Hitlergruß. (Quelle: Dachauer SZ)

Der 29 Jährige aus Langenbach, Landkreis Freising, wird Ende April vom Dachauer Amtsgericht zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er eine Geldstrafe von 1500 Euro an den Förderverein für internationale Jugendbegegnung zahlen. Er hatte am Neujahrstag in der KZ Gedenkstätte den Hitlergruß gezeigt, war im Stechschritt vor Besuchern marschiert und hatte versucht diesen den Zutritt durch den Eingang am Jourhaus zu verweigern, indem er das Tor zu hielt. Der rechten Szene würde er nicht angehören, sagte er vor Gericht. Aus persönlichem Kummer habe er sich eine Flasche Schnaps gekauft und diese an der Gedenkstätte getrunken. (Quelle: Dachauer SZ)

Bei einer Neonazi Kundgebung des „Aktionsbund Freising“ am 17. April in Freising hält Andreas H. (Dachau) ein Transparent des „Aktionsbund“ mit der Aufschrift „USA internationale Völkermordzentrale“. Es beteiligen sich knapp 30 Neonazis, darunter Kader aus den Kameradschaften des Dachverbands „Freies Netz Süd“ (FNS). Karl Heinz Statzberger, Thomas H., Marcel B. („Kameradschaft München“), Dominic B., Stefan Willi R. („Jagdstaffel DST“). Dominik H. vom „Aktionsbund Freising“ liest einen Redebeitrag ab. (Quelle: Antifa)

In der letzten Maiwoche werden am Sparkassenplatz, an der Münchner Straße bis in die Brunngartenstraße über 30 neonazistische Aufkleber verklebt. Hauptsächlich handelt es sich hier um Aufkleber der ehemaligen FNM („Nationaler Sozialismus jetzt“), sowie des „Freien Netz“ aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt. (Quelle: Antifa)

Ende Mai taucht ein Aufkleber der extrem rechten „Deutschland Bewegung“ mit der Aufschrift „Die Türkei den Türken – Europa den Europäern“ am Dachauer Bahnhof auf. Die nationalistische „Deutschland Bewegung“ will, ihrem Sprecher und Gründer Alfred Mechtersheimer zu Folge, „die Bevölkerung aufklären über die Politik fremder Mächte, die alles was deutsch ist, demontieren wollen.“ Sie grenzt sich vom Neonazi-Spektrum ab, argumentiert aber meist rassistisch, wie obige Parole belegt. (Quelle: Antifa)

Gesprühtes Hakenkreuz am Spielplatz an der Jakob Kaiser Straße in Dachau Ost. (Quelle: Antifa)

Nach einer Firmenfeier im Landkreis wollen 4 Männer mit einem Taxi nach Hause nach Eching fahren. Dabei hält das Taxi an einer Tankstelle im Bergkirchener Gewerbegebiet. Ein 39 jähriger Fahrgast gerät dort in einen Streit mit einem migrantischen LKW-Fahrer und versetzt diesem einen Headnut. Die daraufhin gerufene Polizei stoppt das Fahrzeug. Die 4 Männer, die aus Eisenach in Thüringen stammen, werden sofort aggressiv, geben Beleidigungen und neonazistische Sprüche von sich. Einem Polizisten fallen tätowierte Sig Runen auf dem Arm eines 29 jährigen Fahrgastes auf. Während der 29 jährige sich massiv gegen die Polizist_innen wehrt, droht der 39 jährige einem Beamten mit dem Tod und beleidigt eine Polizistin mit sexistischen Sprüchen.
Im Oktober werden sie vom Dachauer Amtsgericht verurteilt. Das Verfahren gegen den einschlägig vorbestraften 39 jährigen wird vertagt, da er nur die Beleidigungen einräumt, die Todesdrohung aber abstreitet. Der 29 jährige wird wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzlicher Körperverletzung und Verwendung verfassungsfeindlicher Organisationen zu 6 Monaten auf Bewährung verurteilt. (Quelle: Dachauer SZ)

Während der Fußball EM sind am 22. Juni beim Public Viewing zum Spiel Deutschland – Griechenland am Stadtstrand an der Münchner Straße Personen, die anhand ihrer Kleidung zur rechten Szene gezählt werden können, anwesend. Das Publikum sieht darüber hinweg. Beim anschließenden Feiern auf der „Fanmeile“ in der Münchner Straße sind Personen aus dem Hooligan-Spektrum zugegen. Trotz des Siegs der deutschen Mannschaft treten sie äußerst aggressiv auf. Ein Teil dieses Personenkreises sichert die anderen, die z.B. gerade Pyros abbrennen oder achtet darauf, dass von ihnen keine Fotografien gemacht werden. Polizei ist nur in Form von zwei Streifenwägen vor Ort. (Quelle: Antifa)

In der Schillerstraße gegenüber dem Caritas-Altenheim, wird während der EM eine schwarz-rot-goldene Fahne mit Eisernem Kreuz an einem Balkon angebracht. Diese Fahne war 1919 die Fahne des „Reichswehrministeriums“ unter Gustav Noske, welches hauptsächlich für die blutige Niederschlagung der Räterevolution verantwortlich war. Die Fahne bleibt den gesamten Sommer über dort hängen. (Quelle: Antifa)

Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft gegen Italien am 28. Juni schlägt der Frust über die Niederlage bei vielen auf der „Fanmeile“ in Aggressivität und rassistische Äußerungen um. Neben „Scheiß Itaker“ wird von einer Gruppe Jugendlicher „Deutschland, Deutschland über alles“ angestimmt. Eine männliche Person aus einer anderen Gruppe zeigt den Hitlergruß. Auf der Höhe des „Subway“, wo sich italienische Fans sammeln, kommt es fast zu Auseinandersetzungen. An der Kreuzung Münchner Straße/Schillerstraße zeigt die besagte Person vorbeifahrenden italienischen Fans noch mehrere Male den Hitlergruß. Polizei ist hier wieder nicht anwesend, obwohl sie gerade dies zuvor über die Presse angekündigt hatten. (Quelle: Antifa)

An der Bushaltestelle der Realschule an der Theodor Heuss Straße liegt am 3. Juli ein selbst gebasteltes kleines Hakenkreuzfähnchen. (Quelle: Antifa)

Aufkleber der neonazistischen Gruppe „Neue Ordnung“ aus Baden Württemberg zwischen Dachauer Bahnhof und Taschner Gymnasium. Auf dem Gelände des Taschner Gymnasiums wieder einzelne Aufkleber der FNM („Nationaler Sozialismus jetzt“). (Quelle: Antifa)

Im Vorfeld einer antirassistischen Demonstration für die Rechte der Flüchtlinge und Migrant_innen am 6. Oktober, kommt es den gesamten September über zu gehäuften Vorfällen mit neonazistischem Hintergrund.
Anfang September werden in der Schleißheimer Straße auf der Höhe des Taschner Gymnasiums Aufkleber der erst am 23. August verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ geklebt („Jugend in NS Bewegung“). (Quelle: Antifa)

Im Anschluss an die „Dachauer Tafel“ sind am späten Abend des 8. September 6 Personen mit den in der Neonazi-Szene beliebten Kleidungsmarken „Thor Steinar“ und „Masterrace“ anwesend. Als sie darauf angesprochen werden, bauen sie sich wenig später vor einer Gruppe alternativer und linker Jugendlicher auf. Mindestens eine Person aus der Gruppe versucht bewusst die Situation eskalieren zu lassen, die anderen sind erheblich alkoholisiert. Augenzeugen rufen die Polizei. Zwei Zivilbeamte nehmen von allen Beteiligten die Personalien auf, erteilen aber den alternativen und linken Jugendlichen einen Platzverweis, da ihre Anwesenheit die Nazis provozieren würde. (Quelle: Antifa)

Am 14. September wird der Döner-Stand am Dachauer Bahnhof mit neonazistischen Aufklebern des „Freien Netz Süd“ beklebt. Der Besitzer wird darüber informiert. (Quelle: Antifa)

Am 15. September ist der Bahnhof-Vorplatz ebenfalls mit „Freies Netz Süd“-Aufklebern, auf denen Losungen wie „Nationale Sozialisten Deutschland“ und antisemitische Motive abgebildet sind, beklebt. Aufkleber des „Freien Netz Süd“ werden auch auf die Schaufensterscheiben des Tengelmann in der Schleißheimer Straße, sowie auf Schilder in selbiger Straße bis zur Münchner Straße geklebt. (Quelle: Antifa)

Am 16. September wird der Stempelautomat am Bahnsteig des Dachauer Bahnhofs mit Aufklebern des „Freien Netz Süd“ beklebt. An die Litfaßsäule an der Kreuzung Schleißheimer Straße/Frühlingsstraße wird mit Filzstift hastig „Jugend in Bewegung“ geschmiert. (Quelle: Antifa)

Ein Wegweiser-Schild zur KZ Gedenkstätte am Dachauer Bahnhof wird am 26. September mit einem Aufkleber der aufgelösten „Freien Nationalisten München“ (FNM) beklebt. Ebenso ein Schild des Schreibwaren-Geschäfts Kölbel in der Fühlingsstraße. Weitere Aufkleber mit den selben Motiven tauchen in der Schleißheimer Straße auf. (Quelle: Antifa)

Am 4. Oktober wird auf ein Schild zwischen der Gaststätte „Drei Rosen“ und der Amperbrücke ein Hakenkreuz geschmiert. Am folgenden Tag führt die Dachauer SPD im „Drei Rosen“ eine Veranstaltung über die Lebensbedingungen von Flüchtlingen durch. (Quelle: Antifa)

Drei Tage nach der Flüchtlingsdemo entscheidet der Stadtrat am 9. Oktober die auslaufende Baugenehmigung für das Flüchtlingslager an der Kufsteiner Straße befristet zu verlängern, da man bisher keine räumliche Alternative gefunden habe. Daraufhin fordern am Abend des 11. Oktober 20 Menschen aus dem Demo-Bündnis vor dem Rathaus erneut dezentrale Unterbringung sowie Abschaffung der Flüchtlingslager. Dabei zeigt ein Jugendlicher aus einem fahrenden Auto den Hitlergruß. (Quelle: Antifa)

In der Woche nach dem Bundeskongress der NPD-Jugendorganisation JN am 27. Oktober im thüringischen Kirchheim, werden in der Schleißheimer und Martin Huber Straße 80 Aufkleber der JN („Organisiert die Anti Antifa“, „Nationalen Sozialismus durchsetzten“ u.a.) und der ehemaligen FNM („Freien Nationalisten München“) verklebt. (Quelle: Antifa)

Am 18. November tauchen am Widerstandsplatz in der Dachauer Altstadt Aufkleber der FNM, JN, sowie Slogans wie „Antifa Gruppen zerschlagen“, auf. Der Widerstandsplatz erinnert an den antifaschistischen Dachauer Aufstand vom 28. April 1945.
Auf ein Schild auf der anderen Seite der Altstadt, in der Augsburger Straße vor dem Geschäft „Radio Doll“, wird „Fuck Jews“ geschmiert. (Quelle: Antifa)