Libertäre Vorabenddemo in Dachau

Der 1. Mai stand wieder vor der Tür. Ein guter Grund, um sozialrevolutionäre Inhalte auf die Straße zu tragen und zu zeigen, dass man sich dem gegenwärtigen Rechtsruck zum Trotz diese nicht streitig machen lässt. Auch und gerade in der Provinz.
Der Rechtsruck fand in Stuttgart in Form des Programmparteitags der „Alternative für Deutschland“ seinen Ausdruck. Da dorthin bundesweit zu Protesten mobilisiert wurde, erwartete man ein geringe Teilnehmer_innenzahl in Dachau. Dennoch fanden sich am 30.04.16 über 50 Menschen, die unter dem Motto „Streiken, Besetzen, Kollektivieren: Kapitalismus funktioniert solange wir funktionieren“ lautstark durch die Straßen dieser Kleinstadt zogen. 45567 Aufgerufen hatten regionale libertäre Gruppen, die Basisgewerkschaft FAU München und RASH München. Los ging es um 19 Uhr am Bahnhof Dachau. Die Redebeiträge der Auftaktkundgebung behandelten Lohnarbeit, Klassenkampf und Solidarität. Trotz lockerer Stimmung wurde auf die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29.04.1945 hingewiesen und eine Schweigeminute in Gedenken an alle Opfer des Naziterrors abgehalten. Mit der anschließenden Bestandsaufnahme der aktuellen Verhältnisse im Deutschland des Jahres 2016 wurde Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, „Bürgerinitiativen“ ach so „besorgter Bürger“ gegen Unterkünfte, Pegida, AfD und Alltagsrassismus entschieden der Kampf angesagt.

Die Demo schob sich mit antikapitalistischen und mit Geflüchteten solidarischen Parolen durch die Frühlingsstraße. Untermalt mit thematisch naher Hip Hop Musik.
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An der Kreuzung zur Schleißheimer Straße wurden in einem Redebeitrag die Betreiber des dortigen Lokals „Seven“ in aller Deutlichkeit aufgefordert ihren Beschäftigten künftig nicht mehr Löhne vorzuenthalten. Die Polizei war mit sechs Fahrzeugen etwas überdimensioniert am Start. Allerdings wurde das Konzept nur auf einer Straßenseite laufen zu dürfen schnell aufgegeben, da die Straßen zum einen sehr eng sind, zum anderen weil das obligatorische Spalier des USK für eine weitere Blockierung der Gegenfahrbahn sorgte. Letzte unterließen größere Provokationen und zogen sich teilweise auf den Gehweg zurück.
Auffallend war die Aufgeschlossenheit der Passant_innen. Auch die 1. Mai Zeitung der FAU München erfreute sich großer Beliebtheit, wurde sogar von vielen eingefordert. Es wurden mehrere Hundert Stück verteilt. In der Mittermayerstraße konnten griechisch und v.a türkisch stämmige Migrant_innen erreicht werden, die sich aus den Lokalen und Wettkneipen durch die Lautstärke der Demo auf die Straße begaben. An der Ecke zur Krankenhausstraße wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten, auf der ein Redebeitrag der FAU näher auf miese Arbeitsbedingungen und Arbeitshetze an der Helios Amper Klinik Dachau einging. Mit Einzug der Dunkelheit zog die Demo dann die Altstadt hinauf, wo erhöhte Aufmerksamkeit gewiss war. Auf der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus wurde ein letzter Redebeitrag über Umstrukturierungen und Arbeitsbedingungen bei MAN Karlsfeld gehalten, bevor sich die Demo den Karlsberg hinunter zum selbstverwalteten JUZ Freiraum auflöste. Das USK ließ es sich auch nicht nehmen allen bis dorthin zu folgen. Klein aber fein war es. Und ruhig war das Hinterland an diesem Vorabend zum 1. Mai nicht!