Bauarbeiter solidarisieren sich mit von Abschiebung bedrohtem Kollegen

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Tavus Q. arbeitet beim Bauunternehmen „Strasser“ aus Windhöring. Nun wurde ihm die Arbeitserlaubnis entzogen, da er keinen Pass beantragt hat. Leider kann Tavus auch keinen Pass beantragen, da er dazu eine Geburtsurkunde vorlegen müsste. Und diese Tazkira genannte Urkunde bekommt er nur in Afghanistan, dem Land aus dem er floh und wo er keine Verwandten mehr hat.

Das vor Ort zuständige Landratsamt Altötting wird in der Süddeutschen Zeitung vom 5.10.16 zitiert, es würde ihnen schon „reichen, wenn er nachweisen könnte, dass er im Konsulat war und die Papiere beantragt hat“. Mit einer Asylhelferin als Zeugin war Q. seit April 2013 mehrmals beim afghanischen Konsulat in München. Die sagten ohne Tazkira könne er keinen Pass beantragen.

Seine Kolleg_innen waren empört und solidarisierten sich sofort. Auch die Baufirma möchte Tavus behalten und initiierte eine Protestaktion. Seine Kollegen legten am 30.9.16 an knapp 30 Baustellen des Bauunternehmens „Strasser“ die für zwei Stunden die Arbeit nieder. Insgesamt 220 Arbeiter_innen kamen auf einer Münchner Baustelle zusammen und hängten ein Transparent mit der Aufschrift „Wir stehen hinter dir“ auf. Würde er einen Pass bekommen, droht ihm zudem die Abschiebung. Sein Asylantrag wurde 2013 abgelehnt. Er wurde aufgefordert Deutschland zu verlassen, sobald er einen Pass hat. Aktuell plant das Innenministerium Geflüchtete auch nach Afghanistan abzuschieben, obwohl Afghanistan nicht als „sicheres Herkunftsland“ gilt.