Der Reichsadler an der Bundeswehrkaserne in Bad Reichenhall

Pressemitteilung der infogruppe rosenheim zur aktuellen Debatte um die Wehrmachtserinnerungen in der Bundeswehr:

reichsadlerweb

In Bad Reichenhall sind die Wehrmachtserinnerungen in der Bundeswehr ganz offensichtlich: Immer noch prägen ein nationalsozialistisches Landser-Gemälde und ein Reichsadler das Bild der örtlichen Kaserne1. Lediglich das Hakenkreuz in den Krallen des Reichsadlers wurde durch ein Edelweiß ausgetauscht. Seit 2010 kritisiert das antifaschistische Rabatz-Bündnis die NS-Traditionspflege im oberbayerischen Bad Reichenhall.

Durch die aktuelle Debatte um die Wehrmachtserinnerungen in der Bundeswehr hofft das Bündnis nun, dass sich auch die Reichenhaller Zustände ändern. Michael Kurz, Pressesprecher der infogruppe rosenheim (Teil des Bündnisses):

„Die Reichenhaller Zustände sind unerträglich. Nicht nur der Reichsadler und das Landserbild sind ein Skandal. In Reichenhall wird bis heute, unter aktiver Beteiligung der Bundeswehr, der NS-Angriffskrieg auf Kreta glorifiziert.“

Michael Kurz spielt damit auf die jährlich im Mai stattfindenden revisionistischen Gedenkfeier in Bad Reichenhall an. Die am 19.05.17 stattfindende Kreta-Gedenkfeier wird vom Kameradenkreise der Gebirgstruppe (welcher von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern”2 bezeichnet wird) ausgerichtet und fand in der Vergangenheit unter Teilnahme der örtlichen Politprominenz und mit Unterstützung der Bundeswehr3 statt.

Nach Auffassung der infogruppe muss die Unterstützung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe grundsätzlich durch das Verteidigungsministerium überprüft werden. Der Kameradenkreis mietet sich häufig in Kasernen ein, initiiert „Traditionsräume“ und gestaltet „Tage der Offenen Tür“ bei den Gebirgsjägern mit. Er wirbt dabei auch unverhohlen um die aktive Truppe. Kurz: „Der Kameradenkreis der Gebirgstruppe wurde gegründet mit dem Ziel Traditionspflege im Sinne der Wehrmacht innerhalb der Bundeswehr fortzuführen. Er gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“

Kampagnenseite badreichenhall.tk

1 Die Bad Reichenhaller Kaserne war übrigens bis 2012 nach dem Nazi-General Rudolf Konrad, benannt. Ein glühender Antisemit, Hitler-Anhänger, Gründungsmitglied des Kameradenkreises der Gebirgstruppe und als „Schlächter von der Krim“ bekannt

2 3Sat (2009) : Ruhm oder Schande? (http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/135718/index.html).

3 Vgl. Bundestagsanfrage von Ulla Jelpke, BT-Drucksache 17/5990, Nr. 44, S 30-33, download: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/059/1705990.pdf